Was heißt heute Boulevard, wer wird zum Star und wie schnell ist heute die Halbwertszeit einer Karriere?

2. Oktober 2014 at 09:25 Hinterlasse einen Kommentar

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Gibt es noch echte Vorbilder? Sind wir noch wirklich an dem Menschen hinter dem Image interessiert? Wäre ein Dschungelcamp vor 30 Jahren denkbar gewesen oder ging es schon immer nur um die berühmten 15 Minuten Warholscher Berühmtheit?

Seit Jahrzehnten erfährt man Privates über Prominente exklusiv und verlässlich von Paul Sahner in der Zeitschrift „Bunte“. Er ist Deutschlands bekanntester Promi-Versteher, seine Fragen sind eine Aufforderung zur Selbstoffenbarung. Fast jeder in der schreibenden Zunft kennt den Reporter, der mit Titeln wie „Gottvater der Intimbeichte“ (taz) oder „Buntes-Kanzler“(NZZ) geadelt wurde.

Beim Smalltalk mit Günter Netzer auf einer Party, zum vertrauten Gespräch mit Bunte-Liebling Fritz Wepper in Sahners Münchner Privatwohnung, ein heikles, erstes Wiedersehen nach elf Jahren mit Rudolf Scharping. Denn eine siebenseitige Fotostrecke für die Bunte, in der der damalige Verteidigungsminister mit seiner Partnerin Gräfin Pilati im Pool planschte, kostete den SPD-Politiker 2002 das Amt. Es ist bis heute Sahners größte, bekannteste Story.

Bei der Geburtstagparty von Henry Maske lässt ihn Günther Netzer abblitzen, im Interview mit Fritz Wepper und dessen Tochter Sophie ist die junge Frau so verschlossen wie der Papa warme Worte für die Bunte findet. Für manchen wurde Sahner zum Verhängnis.
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Seehofers uneheliches Töchterchen auf dem Bunte-Cover hat ihm der CSU-Politiker bis heute nicht verziehen. Der Boulevard-Journalismus ist mittlerweile ein besonders hartes Geschäft, exklusive Geschichten werden immer schwieriger. Viele Prominente beichten Privates lieber selbst im Netz. Paul Sahner schreibt jedoch nur über Promis, wenn es eine Geschichte dahinter gibt, er sie auch tatsächlich treffen kann und über ihren Gefühlshaushalt Bescheid weiß.

Dem Jahrgang nach ein 68er, war Sahner immer unpolitisch. Dafür bekennender Porsche-Fahrer, Lokalreporter, Polizeireporter bei der Bild-Zeitung und Chefredakteur bei Penthouse. Mitte der 70er Jahre holte ihn Hubert Burda. Seitdem ist die Bunte trotz vermehrter Konkurrenz noch immer auflagenstärkstes Boulevard-Magazin in Deutschland.

Doch Paul Sahner blickt immer häufiger zurück und erinnert sich an die großen Geschichten aus den letzten Jahrzehnten, als jedes Sahner-Gespräch, ob mit Klaus Kinski, Michael Jackson oder dem Dalai Lama noch exklusiv war – während viele heutige Promis wie etwa der dauertwitternde Boris Becker ohnehin omnipräsent sind.
Hans Leyendecker, politischer Journalist der Süddeutschen Zeitung, charakterisiert den Stil des Kollegen. Charles Schumann, Deutschlands prominentester Barchef sagt ihm, dass er nichts damit anfangen kann, wenn in seinem oder dem Leben anderer „herumgeschnüffelt“ wird.
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Im Juni ist Paul Sahner 70 Jahre alt geworden. Er bleibt der Bunten weiterhin treu, hat den Titel „Mitglied der Chefredaktion“ jedoch abgegeben und schreibt in Zukunft vermehrt Bücher.
Bei einer Homestory bei den Sahners im Chiemgau bekennt er, dass die Promiwelt eine Scheinwelt ist, von der man auch mal eine Pause braucht.

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