Kreuz und quer durch die Weltgeschichte – Kalenderblätter sind spannend!

11. November 2014 at 06:20 Hinterlasse einen Kommentar

kalenderblatt
Hier finden Sie historische Ereignisse, denen man ein genaues Datum zuordnen kann. Natürlich sind in diesem Kalender nicht alle Ereignisse erfasst, die jemals stattgefunden haben … die Kalenderblätter werden aber laufend ergänzt …

Auf vielfachen, nachgefragten Wunsch und auch der vielen Briefe, welche die Redaktion unseres Hauses immer noch abarbeitet, stellen wir unserer treuen Leserschaft unser Kalenderblatt wieder in die Presse ein.

Vor 300 Jahren töteten 47 herrenlose Krieger einen hohen Beamten am Hof des Shogun

Heute würde man es wahrscheinlich einen Terroranschlag nennen, was sich im Dezember des Jahres 1702 in Edo, dem heutigen Tokio, ereignete. 47 Krieger stürmten das Haus eines hohen Beamten, töteten Dutzende von Sicherheitskräften und schlugen am Ende dem Hausherrn den Kopf ab.
Obwohl die Regierung den ganzen Vorgang von der Zensur unterdrücken ließ, wurde er bereits nach wenigen Wochen in Theaterstücken thematisiert. Zeichnungen verbreiteten ihn in den letzten Winkel des Landes. Noch heute zählt die Geschichte zu den zentralen Mythen Japans und ist in Mangas und Videospielen allgegenwärtig.
Selbst die westliche Popkultur hat den Stoff entdeckt und in Büchern und Filmen verarbeitet: die Geschichte der 47 Ronin.

Ihr Rachefeldzug, den sie mit ihrem Tod bezahlten, steht noch heute für die Tugenden der Samurai und des Bushido, des „Weg des Krieges“, dessen Vorbild noch immer der japanischen Gesellschaft als Richtschnur dient, selbst wenn er sie nicht mehr so durchdringt, wie das noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs der Fall war.

Die historische Wirklichkeit der „47 Ronin“ entschlüsseln, die der Informationssender N24 im Rahmen seiner neuen Reihe „Krieger der Vergangenheit“ am Sonntag ausstrahlt. Es ist zugleich die Geschichte der Samurai, ihrer Waffen und ihres Ethos und die Transformation dieses uralten Kriegerstands in der Neuzeit.
Um 1700 hatten die Samurai ihre eigentliche Funktion in der Gesellschaft seit hundert Jahren eingebüßt. Im Zuge ihres Aufstiegs war es den Shogunen der Tokugawa-Dynastie gelungen, die endlosen Kriege zwischen den japanischen Fürsten zu beenden. Die Shogune, die formal zwar im Dienste der Kaiser standen, aber tatsächlich alle Macht in ihrer Hand konzentrierten, errichteten eine Militärdiktatur, in der der Krieg verboten war. Aus den Samurai wurden höfische Adelige, die ihre Waffen nur als Abzeichen ihrer Würde trugen und sich ansonsten einem luxuriösen Leben hingaben.

Um 1701 kam der junge Fürst Asano Naganori an den Hof des Shoguns in Edo, um seinen vorgeschriebenen Besuch zu absolvieren. Ako, Asanos Lehen, lag 600 Kilometer von der Hauptstadt entfernt und wohl eine ähnlich große Strecke von deren Zivilisation. Kira, der Zeremonienmeister des Hofes, unternahm es, den ungeschlachten Fürsten mit der ausgefeilten Etikette der Hauptstadt vertraut zu machen.
Asano erwies sich als schlechter Schüler, was den hohen Beamten zunehmend in Rage brachte. Er demütigte den Fürsten, wo er nur konnte, bis dieser gegen ihn schließlich die Waffe zog. Der Shogun verurteilte Asano umgehend zum Seppuku, dem rituellen Selbstmord, hierzulande eher als Harakiri bekannt.
Asano schnitt sich mit einem Langdolch den Bauch auf und starb, wie man es von einem Krieger erwartete. Der Film erklärt auch, dass ein Sekundant über das Verfahren wachte und sich alle Beteiligten in achtsamer Entfernung hielten für den Fall, dass der Delinquent es sich doch noch anders überlegte und die Waffe gegen sie statt gegen sich richten würde.
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So verloren die 300 Samurai des Hauses Asano nicht nur ihren Anführer, sondern auch ihr Einkommen und ihre Ehre. Denn der Shogun zog nicht nur das Lehen des Verurteilten ein, sondern dessen Kriegern blieb danach auch nur noch die Möglichkeit, als herrenlose Söldner durch das Land zu ziehen, entehrt, denn sie hatten den Tod ihres Herrn nicht verhindern können. Dieses soziale Treibgut nannte man in Japan „Ronin“.
Die meisten von Asanos Männern wählten diesen Weg. Aber 47 unter Führung des Burgverwalters Oishi schworen sich, den Tod ihres Herrn zu rächen. Da sie aber wussten, das sie unter Beobachtung durch die Agenten des Shoguns und Kiras standen, setzten sie ganz auf Verstellung.
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Oishi gab sich als Weiberheld und Trunkenbold und verzichtete auf alle Waffenübungen. Sogar seine Frau soll er verstoßen haben, als sie ihm Vorhaltungen darüber machte. Auch die übrigen Verschwörer verstreuten sich. Nach zwei Jahren waren die Behörden des Shoguns überzeugt, dass die 47 Ronin das Bordell der Rache vorziehen würden und wandten sich anderen Aufgaben zu.

Währenddessen bereiteten die 47 ihren Überfall auf Kira vor. Oishi spähte dessen Haus in Edo aus, die übrigen vervollständigten ihre Rüstung und schliffen ihre Schwerter. Die aus Spielszenen und Interviews bestehende Dokumentation erklärt detailliert, was die historischen Schwerter der Samurai auszeichnete. Sie bestanden aus drei verschiedenen Stahlblöcken und verbanden extreme Schärfe mit unglaublicher Elastizität. Neben diesen Statussymbolen sollten Keulen, Äxte und Pfeil und Bogen zum Einsatz kommen.
Tatsächlich gelang es den 47 Ronin, an der Garnison des Shoguns vorbei in Kiras Festung zu gelangen. Fast ohne Verluste konnten sie dessen Leibgarde ausschalten. Nur Kira selbst blieb unauffindbar. In einem geheimen Innenhof stellten sie schließlich den mächtigen Höfling. Als der, vor Angst schlotternd, sich dem Seppuku verweigerte, wurde ihm der Kopf abgeschlagen und auf das Grab Asanos gelegt – als sichtbares Symbol dafür, dass seine Krieger ihren Schwur erfüllt und damit ihre Ehre wiedergewonnen hatten.
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Der Shogun erlaubte allen, Seppuku zu begehen, eine Aufforderung, der sie gern nachkamen. Nur der Jüngste soll von Oishi nach Ako geschickt worden sein, um von dem Geschehenen zu berichten. Später sollen die Asano wieder in ihr Lehen eingesetzt worden sein.

Soweit die Geschichte von den 47 Ronin. Ihre Popularität erklärt sich nicht nur durch die Beschwörung der heldenhaften Vergangenheit und des ruhmreichen Bushido, der darin verklärt wird. Sondern der Mythos schöpft seine Zeitlosigkeit aus dem Umstand, dass er zentrale Konflikte der japanischen Geschichte wie in einem Brennglas bündelt: Der Gegensatz zwischen shogunaler Ordnung und dem Ehrgefühl der Samurai, zwischen Staat und Gruppe, zwischen Tradition und Fortschritt hat wiederholt das Kaiserreich geprägt und verändert. So auch während der Meiji-Restauration des 19. Jahrhunderts, als die kaiserliche Regierung mit westlichen Waffen die Aufstände der letzten Samurai in Blut ertränkte.

Der Mythos beschreibt „ein eigentümliches und bisweilen dramatisches Spannungsverhältnis“, das „den japanischen Kriegerstand durchgängig prägt“, schreibt der Kulturhistoriker Wolfgang Schwentker. Und der Literaturhistoriker Kato Shuichi sieht in der bis in den Tod reichenden Gefolgstreue der Vasallen „die Grundstruktur der japanischen Gesellschaft in verdichteter Form ausgedrückt“.

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