Erneut stellt sich die Frage, wie weit Satire gehen darf

12. November 2014 at 06:06 Hinterlasse einen Kommentar

Mit dem Thema beschäftigen sich auch regelmäßig die Gerichte. Satiriker arbeiten sich mit Vorliebe an Tabus ab. Auch deshalb ist die katholische Kirche ein beliebtes Ziel. Besonderen Eifer legt in diesem Bereich das Magazin „Titanic“ an den Tag. 2010 hatte es Strafanzeigen für ein Cover gehagelt, das einen Priester in zweideutiger Position vor einem gekreuzigten Jesus zeigte. Die „Titanic“ verscherzt es sich auch regelmäßig mit Prominenten. Anfang des Jahres druckte das Magazin auf dem Titelblatt ein Bild von Niki Lauda. Darunter stand „Erstes Foto nach dem Unfall: So schlimm erwischte es Schumi“.

Einen der größten Skandale erregte 2012 ein „Titanic“-Cover, das den Papst mit gelbem Fleck auf seiner weißen Soutane zeigte. Dazu gab es den Spruch „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!“ Papst Benedikt XVI. ließ damals die Ausgabe per einstweiliger Verfügung verbieten. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte die Entscheidung mit einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte begründet. Die „Titanic“ habe jedes Maß des Zumutbaren überschritten. Kurz vor der Verhandlung am Hamburger Landgericht zog der Papst die einstweilige Verfügung aber zurück. Die Satiriker triumphierten.
satire
In ähnlicher Weise gingen kürzlich auch „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe und sein Kollege Jochen Bittner gegen die ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ vor. In einem Beitrag waren ihnen Verbindungen zu transatlantischen Lobbyvereinigungen nachgesagt worden. Joffe hatte sich dadurch in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt gesehen. Anfang Oktober hob das Landgericht Hamburg die einstweiligen Verfügungen teilweise auf.

Komikerin Carolin Kebekus musste gar nicht erst in einen Rechtsstreit eintreten. Im vergangenen Jahr waren nach einem Aufruf der ultrakonservativen Piusbrüder knapp hundert Anzeigen gegen ihr Satirevideo „Dunk den Herrn“ eingereicht worden. Darin leckt die 34-Jährige unter anderem als Nonne verkleidet an einem Kruzifix. Die Kölner Staatsanwaltschaft sah das kirchenkritische Satirefilmchen aber von der Kunstfreiheit geschützt und lehnte Ermittlungen ab.
Nicht immer halten sich aber auch hierzulande Satire-Gegner an die Regeln des Rechtsstaats. Kebekus wurde wegen ihres Clips bedroht. „Ich wünsche keinem, dass fundamentale Christen hinter ihm her sind“, sagte die Komikerin.

Kunstfreiheit hatte ein Richter auch im Falle der Modemarke „Storch Heinar“ attestiert. Das bei Rechtsradikalen beliebte Bekleidungsunternehmen „Thor Steinar“ hatte gegen den Konkurrenten unter anderem wegen Verunglimpfung geklagt.

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