Am 12. Dezember erscheint das Album „Gipfelstürmer“ von Unheilig, mit dem sich der Graf von seinen Fans verabschiedet

6. Dezember 2014 at 21:28 Hinterlasse einen Kommentar

Nach einer ausgedehnten Tournee und Auftritten auf mehreren Festivals will sich die Band im September 2016 bei einem Abschlusskonzert endgültig auflösen und ins Privatleben zurückziehen. Im exklusiven Interview verrät der Graf, wieso dieser Schritt nur konsequent ist und was er hofft, zu hinterlassen.
Was machst Du im Oktober 2016?
Ich werde nach Hause gehen, vielleicht den Bart abrasieren und als der Graf aus der Öffentlichkeit verschwinden. Nie mehr zurückkommen. Das war meine Zeit. Es gibt kein anderes Projekt, mit dem ich in die Öffentlichkeit gehe.
Ganz sicher?
Wie blöd wäre ich denn, wenn ich eine Sache beende, um mehr Zeit für die Familie zu haben und dann gleich das nächste anfange? Ich werde sicher in ein großes Loch fallen – aber wenn man 17 Jahre so viel in der Musik arbeitet, dann ist das nun mal so.
Besonders in kreativen Berufen nehmen sich viele vor, eine Pause zu machen oder die Karriere ganz zu beenden. Aber die Kunst ist ja auch eine Art, sich auszudrücken. Kann man das einfach so abstellen?
Die Musik wird immer ein großer Teil meines Lebens sein. Aber es ist eben ein Unterschied, ob ich das in der ersten Reihe mache oder eher im Hintergrund. Ich kann mir durchaus vorstellen, für andere Künstler zu schreiben. Da werde ich aber nicht im Rampenlicht stehen. Ich brauche auch keine Pause, weil ich keinen Bock mehr habe, sondern ich liebe, was ich tue. Ich weiß, dass das Paket, das am 12. Dezember rauskommt, das ist, was ich haben will. Aber wenn Du seit drei Jahren daran arbeitest und ständig mit dem Gedanken spielst, ob es das jetzt war, ob das etwas ist, das Du nicht mehr toppen kannst, wenn Du für Dich persönlich erkennst, mehr geht nicht – und das habe ich für mich erreicht – dann kann ich sagen, damit kann ich das Kapitel „Unheilig“ in zwei Jahren abschließen. Die Musik bleibt ja da, die behält ihren emotionalen Wert für viele Menschen.
Diesen Druck, sich immer wieder übertreffen zu müssen …
… den mache ich mir selber. Wenn Du Künstler bist, dann willst Du das Geschaffte übertreffen.
Es gibt ja auch die Künstler, die sich dann „neu erfinden“…
Das ist ja auch nichts anderes. Jede Kunstform hat ihre eigene Zeit. Ich kann aber keine andere Musik machen. Ich kann nur das – und habe deshalb nur die eine Möglichkeit, da noch einen draufzusetzen. Ich bin total glücklich damit, dass ich die große Chance habe, in meinem Leben etwas im Guten abzuschließen, das ich geschaffen habe. Es gibt genug Künstler, die diesen Moment verpasst haben und bei denen man heute sagt, dass es geradezu peinlich ist, was die jetzt machen.
Hat man da nicht manchmal Zweifel, ob dieser Moment tatsächlich schon gekommen ist?
Nein, das weißt Du. Dafür bin ich auch dankbar. Ich kann mich auf alles freuen, was jetzt in den nächsten zwei Jahren noch kommt. Noch einmal das große Rad drehen, zu sagen, das war eine geile Zeit und jetzt mache ich etwas völlig Neues. Jetzt kommt eine neue Epoche.
Deine Texte sind zu einem großen Teil sehr persönlich, ganz im Gegensatz dazu, dass Du Dein Privatleben konsequent geheim hältst. Fühlst Du da auch eine besondere Verantwortung den Fans gegenüber – fast wie Schlussmachen mit einer sauberen Trennung?
Ich will schon, dass meine Fans verstehen, wieso ich das tue und dass sie verstehen, wieso ich diesen Abschluss suche. Meine größte Angst war, dass die Fans das nicht verstehen. Meine Musik ist ja auch dadurch entstanden, dass ich mir durch sie selbst Mut gemacht habe, mich meinem Stottern zu stellen. Deshalb auch die ganzen „Gib nicht auf“- und „Hab Mut“-Texte. Ich bin der lebende Beweis, dass Du es auch als Stotterer, dem niemand etwas zutraut, ganz nach oben schaffen kannst. Das ist etwas Wertvolles, das ich erhalten möchte. Und das geht eben auch nur, wenn ich das alles jetzt im Guten beende. Man kann es aber nie allen recht machen – egal was man macht. Und das schlaucht auf die Dauer natürlich auch. Ich habe aber immer mein Ding gemacht.
Eben weil Du immer Dein Ding gemacht hast, haben sich viele schwer getan, weil sie Dich nicht in eine Schublade stecken konnten. Das zieht sich dann von Einstufungen wie „Neue Deutsche Härte“ bis hin zu Schlager – mit den gefühligen und teilweise nah am Kitsch liegenden Texten …
Wie es halt passt – Neue Deutsche Härte, Schlager, Rammstein.
Es passiert ja auch gerne, dass Musik, die aus der „düsteren Ecke“ kommt und dann erfolgreich ist, gleich als zu kommerziell gebrandmarkt wird …
2010 war das so. Wir haben ein Album gemacht, wie jedes andere auch und plötzlich kaufen die Leute das. Und gleich wurde geschimpft.
Machst Du dann bestimmte Sachen gerade erst recht, um zu zeigen, dass es Dir egal ist, was die Leute sagen? Zum Beispiel das Duett mit Helene Fischer?
Ja klar! Helene Fischer, ich gehe auch zu Carmen Nebel, wenn ich eingeladen werde. Ich habe keine Grenzen. Wenn ich von Carmen Nebel eingeladen werde oder Helene Fischer fragt, ob ich ein Lied mit ihr singe, dann ist es eine Frage des Respekts, zu sagen, dass ich das mache. Ich finde daran nichts Verwerfliches.
In „Zeit zu gehen“ heißt es, „All die schönen Bilder bleiben“ …
Genau, die bleiben. Irgendwann bist Du alt und grau und überlegst, ob Du alles gemacht hast, was Du Dir vorgenommen hast. Deswegen glaube ich auch jetzt daran, lieber Sachen auszuprobieren und auf die Fresse zu bekommen, als sie nicht probiert zu haben. Mit der Einstellung gehe ich an alles, was ich mache. Der einfachste Weg wäre es gewesen, ein Album zu machen, auf Tour zu gehen und dann einfach zu verschwinden. Es gehört aber zu meiner Kunst, alles im Guten zu beenden. Und um das tun zu können, muss ich mich verabschieden. Ich möchte bewusst erleben, wie die letzten Interviews laufen, die letzten Konzerte, die letzten Begegnungen.
Nach 15 Jahren „Unheilig“ – was sind denn die Bilder die bleiben?
Das sind vor allem Menschen, die ich getroffen habe, die mein Leben bereichert haben und weiter bereichern. Wegen denen ich meine Einstellung zu bestimmten Sachen verändert habe. Das sind die Krankenhausbesuche, die ich gemacht habe und bei denen ich mit meiner Musik helfen konnte. Ich hatte eine gute Kindheit, aber sie war eben nicht immer schön – vor allem wegen meines Sprachproblems. Was ich in den 15 Jahren gelernt habe ist, dass es viele Menschen gibt, die Dir das Gefühl geben, dass Du ruhig mal kleben bleiben kannst. Dass ich jetzt Interviews geben kann und davor keine Angst mehr haben muss. Und wenn ich keine Angst davor habe, kleben zu bleiben, dann passiert es auch nicht. Das hat mir die Musik geschenkt. Und wenn sich daran jemand ein Vorbild nimmt und sagt, „der Graf ist ein Stotterer und hat es trotzdem ganz nach oben geschafft – dann bekomme ich das auch hin“, dann habe ich das Gefühl, wenn ich jetzt abtrete, lasse ich etwas da und habe zumindest für ein paar Menschen die Welt etwas besser gemacht.

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