Wenn ein Großstadtchef wie Klaus Wowereit aus dem Amt geht

12. Dezember 2014 at 10:19 Hinterlasse einen Kommentar

Dann lieber ein bisschen in die Zukunft schauen. Berlin die Karten legen. Was für eine Stadt wird es sein, in der wir und unsere Kinder in den nächsten zehn Jahren leben werden?
Wichtig für Berlin, diese späte Hauptstadt, so tief im Osten: Der Wind im Land wird sich drehen, es wird eine Renaissance des Westens geben. Seit der Wiedervereinigung ist das deutsche Pendel weit nach Osten ausgeschlagen, davon hat Berlin stark profitiert. Klaus Wowereit musste gar nicht viel tun, er musste nur dem Magneten Berlin ein Gesicht geben und eine Stimme, die ab und zu einen schnodderig-coolen Spruch raushaut, und alle Welt applaudierte.
wowereit
Berlin ist nicht so sehr heim nach Deutschland – Deutschland ist nach Berlin gekommen. Es ist schon so oft gesagt worden, dass man es nicht mehr hören mag, aber es stimmt ja: Unser Land ist östlicher, protestantischer geworden seit 1990, die gegenwärtige Doppelspitze des Staates repräsentiert das in Idealbesetzung. Wann jemals zuvor hatten wir einen Präsidenten und eine Kanzlerin, die beide aus Deutschlands nordöstlichster und auch ostigster Ecke kommen, dem sagen- und sorgenumwobenen Ostelbien?

Berlin kann seine Fortune manchmal gar nicht fassen. Wie ein griesgrämiger alter Single, der einfach zu lange allein war und dem plötzlich die schönen Frauen zulächeln, reibt sich olle Motzki die Augen. Und es kommt noch besser. Die Berliner Fortune wird anhalten. Nicht nur, weil das Land so erkennbar Gefallen findet an seiner alten, neuen Hauptstadt, obwohl sie geografisch so weit im Osten liegt und mental erst recht. Sondern weil Berlin heilt. Früher kam man nach Berlin, um Ruinen zu sehen, die Mauer, all das – um schaudernd vor der deutschen Wunde namens Berlin zu stehen.

Das ist vorbei. Kein Mensch will mehr Wunden sehen. Wer heute kommt, staunt über den Jungbrunnen namens Berlin und möchte allzu gern selbst mal für ein Wochenende hineinspringen. Das alternde Deutschland nimmt erfreut zur Kenntnis, wie unverschämt jung seine Hauptstadt ist, und das ist keine optische Täuschung. Berlins Bevölkerungssaldo kann sich sehen lassen, es ist die Jugend, die zuwandert. Das liegt natürlich an den riesigen Universitäten mit angeschlossener Partyzone – aber nicht nur. Auch die Jahrgänge nach dem Studentenalter zieht es her.

Was mit einer weiteren positiven Entwicklung zu tun hat: Berlin berappelt sich wirtschaftlich. Wowereits „Arm, aber sexy“ stimmt nicht mehr. Na gut, nicht mehr ganz. Wer für eine Eigentumswohnung in guter Lage 4000 bis 6000 Euro pro Quadratmeter hinlegt, der ist nicht arm. Und knapp sind in Berlin nicht die Kaufwilligen, knapp ist das Angebot.

Und jetzt kommt die gute Nachricht für die Hauptstadt. Dieser Pendelschlag westwärts wird Berlin nichts anhaben. Deutschland hat seine Abneigung gegen die ungeliebte Preußenhauptstadt erstaunlich schnell vergessen und gelernt, sein Berlin zu lieben. Endlich wieder eine Hauptstadt haben, die sich sehen lassen kann. Eine, um die die Welt uns beneidet. In die man selber ganz gern mal reist – ja, man denkt sogar darüber nach, sich in Berlin eine kleine oder auch größere Eigentumswohnung zu kaufen. Für den gelegentlichen Besuch der Museumsinsel. Für die dort studierenden Kinder. Als Alterssitz.

Die führende deutsche Industriestadt, die es einst war, wird Berlin nie wieder. Zwar sind eine Reihe klassischer Konzerne präsent in der Hauptstadt, aber in eher symbolischer Dimension, die Produktion, die großen Geschäfte laufen woanders. Es sind großenteils neue Unternehmen, die Berlins wirtschaftliche Gesundung tragen, vor allem aus den Bereichen Medizin und Information, forschungsnahe Dienstleistung eben.

Es wird alles noch dauern. Eine Dreieinhalb-Millionen-Stadt, der die Geschichte dermaßen rabiat der Teppich unter den Füßen wegzog, politisch wie wirtschaftlich, und deren Teile einander fremder sind als anderswo ganze Länder – zwischen Zehlendorf und Hellersdorf liegen mental zehntausend Meilen: Eine solche Stadt heilt nicht in ein paar Jahren.
Nein, geheilt aus seiner Geschichte entlassen ist Berlin noch nicht. Aber die Stadt Lebt wieder, ihr Puls schlägt wieder kräftiger. Es geht wieder was in Berlin.

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