Währungskollaps – Für die Russen war der Dienstag ein schwarzer Tag

18. Dezember 2014 at 06:39 Hinterlasse einen Kommentar

Der Rubel rollt trotz massiver Rettungsversuche der russischen Zentralbank in den Abgrund. Zahlreiche russische Wechselstuben orderten bereits neue Anzeigentableaus, weil ihre vierstelligen Tafeln die neuen Kurse bald nicht mehr anzeigen können.
Die Führung in Moskau ist angesichts des drohenden Währungskollapses völlig ratlos, das Vertrauen der Bevölkerung in das System von Kremlchef Wladimir Putin erschüttert.
geld
„Die Lage ist kritisch“, sagt der Vizechef der Zentralbank, Sergej Schwezow. Die Rubelkrise spreche für einen enormen Vertrauensverlust der Investoren in die Wirtschaftspolitik der Regierung, klagt der frühere Finanzminister Alexej Kudrin.
Zweimal hat die Zentralbank in Moskau binnen einer Woche die Leitzinsen angehoben – nach einer überraschenden Nachtsitzung zum Dienstag auf 17 Prozent. Es sollte ein neuer Versuch sein, die Rubel-Talfahrt zu stoppen. Zuvor hatte die Notenbank sechs Milliarden Dollar auf den Markt geschüttet, um die russische Währung vor dem Verfall zu retten. Aber nichts hilft.

In vielen Moskauer Geschäften etwa für Technik und Möbel gehen Händler wie in den 1990er-Jahren dazu über, die Preise in y.e. – einer an den Euro oder Dollar angelehnten Währungseinheit – anzugeben. Das ist per Gesetz eigentlich verboten. Es verhindert allerdings das ständig neue Auspreisen von Waren, die Händler für harte Währung im Ausland eingekauft haben. Die Preise steigen inzwischen täglich.

Vor allem Kremlchef Wladimir Putin verdankt seine Popularität der vergangenen Jahre einem wachsenden Wohlstand. Doch seit der Annexion der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeerhalbinsel Krim im März geht es bergab mit der Rohstoffmacht. Erst drückten die Sanktionen des Westens auf die ohnehin in Teilen noch sowjetisch rückständige und von Korruption geprägte Wirtschaft. Die Strafmaßnahmen verhindern auch den Zufluss frischen Kapitals. Dann setzte der fallende Ölpreis der Energiegroßmacht zu, deren Haushalt sich traditionell zum Großteil aus den Petrodollars speist.

Und nun kommen noch Währungsspekulanten ins Spiel. Putin, der vor Panik warnt und sich sonst auffallend zurückhält, hat ein hartes Vorgehen gegen die Spekulanten angedroht. Doch auch diese Drohungen helfen dem Rubel nicht. Der neue Leitzins? Kein Kommentar, meint Putins Sprecher Dmitri Peskow distanziert.

Die sonst eher zahme Opposition im russischen Parlament wird dagegen ungewöhnlich deutlich: Der Ultranationalist Wladimir Schirinowski von der Liberaldemokratischen Partei Russlands wettert, Zentralbankchefin Elvira Nabiullina gehe den völlig falschen Weg mit ihrer Geldpolitik. Die Abgeordneten kritisieren, dass die Leute zu Panik getrieben würden, an den Wechselstuben ihr Geld gegen ausländische Währung zu tauschen. Wer gern ins Ausland reist, versucht, Angespartes noch in Devisen umzutauschen. Aber für russisches Geld gibt es täglich immer weniger Euro und Dollar.

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