Hinter der glanzvollen Fassade des neuen Konsumtempels „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz brodelt es gewaltig

24. Dezember 2014 at 08:08 Hinterlasse einen Kommentar

Mit einem Feuerwerk und 10.000 geladenen Gästen wurde die „Mall of Berlin“ am Leipziger Platz im September fulminant eröffnet. Ganz Berlin war beeindruckt vom Nachfolgebau des legendären Kaufhauses Wertheim, der in nur viereinhalbjähriger Bauzeit in der Mitte Berlins emporgewachsen war.
Trotz aller Probleme, die die Eröffnung der Mall of Berlin verzögerten, ist das Einkaufzentrum so voll, wie eine Mall kurz vor Weihnachten nur sein kann. Teenager-Pärchen sitzen auf den Ledermöbeln entlang der Gänge, Ehepaare drängeln sich auf der Suche nach Geschenken in den Läden. Ob bei H&M oder im FC Bayern München Fanshop stehen die Kunden Schlange an den Kassen. Nur im Kellergeschoss ist es etwas leerer, was aber daran liegen kann, „dass es hier etwas unübersichtlich ist“. Das meint zumindest Thomas Metzger, der mit seiner Freundin Melanie Greim durch die Gänge schlendert. „Ansonsten finde ich es hier aber sehr schön“, sagt sie. „Vor allem, weil man so viel Platz hat.“ Von den rumänischen Arbeitern, dem mangelhaften Brandschutz und der Insolvenz des Bauunternehmers haben die beiden Studenten nichts gehört. „Selbst wenn“, sagt Metzger, „Hauptsache, die Geschäfte haben offen.“
weihnacht
Manch einer war bereits versucht, Harald Huth, dem erfolgreichen „König der Shopping-Center“, der in Berlin bereits Mega-Zentren wie die „Gropius Passagen“ in Neukölln und „Das Schloss“ an der Steglitzer Schloßstraße nahezu störungsfrei realisiert hatte, auch die Fertigstellung des Pannen-Flughafens BER anzutragen.

Nur zwei Monate nach der Eröffnung hat der Glanz des Shopping-Paradieses wegen technischer Schwierigkeiten und der Insolvenz des Generalübernehmers jedoch empfindliche Kratzer bekommen.

Dabei lief zunächst alles hervorragend auf der Mega-Baustelle im Herzen Berlins. 2010 wurde mit den Aushubarbeiten für die Baugrube begonnen, 2011 der Grundstein gelegt. Größere Probleme bereitete nur ein Wassereinbruch in der Baugrube, der im Frühjahr 2012 für eine sechswöchige Unterbrechung der U-Bahn-Linie 2 sorgte, die das Gelände unterquert. Als im August 2013 das Richtfest gefeiert wurde, konnte sich Klaus Wowereit den neidvollen Kommentar nicht verkneifen, das Tempo sei „einfach atemberaubend“. Schließlich hatte der damalige Regierende Bürgermeister zugleich als BER-Aufsichtsratschef die Oberaufsicht über Berlins größte Stillstand-Baustelle.

Doch das Lob des Regierenden erwies sich als verfrüht. Der Innenausbau mit der komplexen Gebäudetechnik brachte den ehrgeizigen Terminplan des erfolgsverwöhnten Bauherren Huth zu Fall. Statt wie zunächst geplant im Frühjahr 2014, wurde schließlich erst am 25. September, eröffnet.
Offen ist die Mall nun zwar. Doch Baustelle ist sie noch immer. Und das nicht nur, weil die 270 Wohnungen, die zu dem Projekt genauso gehören wie ein Hotel und Büros, noch nicht fertig sind und dies nach Auskunft Huths auch erst in einigen Monaten sein werden. Schwerer wiegt, dass technische Probleme in der Mall noch nicht gelöst wurden – und der zuständige Generalübernehmer Insolvenz beantragt hat.

Fakt ist, dass zahlreiche Ingenieur- und Baufirmen von der Fettchenhauer-Insolvenz betroffen sind. Eines der Unternehmen hat inzwischen Strafanzeige gegen Andreas Fettchenhauer wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung gestellt. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt. Der vorläufige Insolvenzverwalter kann jedoch noch nicht beziffern, wie viele Firmen am Ende auf der Gläubigerliste stehen werden und wie hoch die Summe der noch ausstehenden Forderungen ist. „Wir gehen davon aus, dass das Insolvenzverfahren im Januar eröffnet werden kann“, so Holger Voskuhl, Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters. In der Regel würden sich die meisten Unternehmen erst nach der Eröffnung des Verfahrens melden.

Betroffen von der Fettchenhauer-Pleite sind auch etwa 30 rumänische Bauarbeiter, von denen einige in den vergangenen Wochen immer wieder Flugblätter an die Besucher der Mall verteilt hatten, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen. Die Männer hatten sich erstmals im Oktober an den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gewendet, weil sie teils seit Juli keinen Lohn bekommen hatten. Die Bauarbeiter hätten glaubhaft machen können, dass sie bei zwei Subunternehmern auf der Baustelle beschäftigt waren, sagt DGB-Sprecher Dieter Pienkny. „Jedem der Männer hätten noch 2500 bis 3000 Euro zugestanden“, so Pienkny. Bis auf drei Männer hätten aber leider inzwischen alle Abschlagszahlungen in Höhe von jeweils rund 500 Euro akzeptiert. Das sei zwar eine „unwürdige“ Summe. Er habe jedoch Verständnis, dass die Bauarbeiter dies akzeptiert hätten. Diese hätten sich in einer Notlage befunden und befürchten müssen, völlig leer auszugehen.

Von seinem Büro am Leipziger Platz aus hat Huth die – inzwischen beendeten – Flugblattaktionen verfolgen können. Mitverantwortlich für ihr Schicksal fühlt er sich jedoch nicht. „Die Bezahlung ist Sache der Firmen, die sie beauftragt haben“, sagt er.

Zweifellos verantwortlich ist Huths Unternehmen HGHI jedoch für die Belange der Mieter in der Passage – und auch dort häufen sich die Probleme. Von fristlosen Kündigungen und Knebelverträgen ist die Rede – namentlich in der Zeitung möchte sich jedoch kein Betreiber äußern.
„Schließlich hoffen wir noch auf eine Einigung“, so die Inhaberin eines der betroffenen Geschäfte. Huth hat, wie er selbst einräumt, mehreren Mietern fristlos gekündigt. „Wer zwei Monate hintereinander die Miete nicht zahlt, bekommt die Kündigung, das ist ein ganz normaler Vorgang“, sagt Huth. Und verteidigt, dass er die Miete auch für die Zeit eingefordert hatte, in der die Geschäftsleute infolge der mehrmonatigen Bauverzögerung ihre Läden nicht eröffnen konnten. „Wenn im Vertrag steht, dass die Miete ab Übergabe des Geschäftes zu zahlen ist, dann verlangen wir das auch so“, sagt Huth. Bei schneller Begleichung der Mietrückstände könne die Kündigung jedoch auch wieder zurückgenommen werden, stellt er in Aussicht.

Advertisements

Entry filed under: Stammhaus Montfort.

Wieder eine Anti-Schwaben-Aktion in Berlin Russlands Präsident Wladimir Putin kann sich offenbar auf seine Freunde verlassen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kalender

Archiv


%d Bloggern gefällt das: