Statt den 4.000 Apple-Tablets war in den Verpackungen nur Müll

10. Januar 2015 at 07:17 Hinterlasse einen Kommentar

Seine berufliche Laufbahn hatte der 47-jährige Italiener im Hotel- und Gastgewerbe an der Adria begonnen. So war er im bekannten Badeort Bibione als Hoteldirektor tätig. Die Liebe verschlug ihn nach Österreich und in die Slowakei, wo seine Ehefrau lebt. Er wiederum dürfte – schenkt man Staatsanwalt Stephan Schmidmayr Glauben – von Wien aus zunächst mit Steuerbetrügereien seine kriminelle Karriere gestartet haben. Der Angeklagte bezeichnete den Italiener als Drahtzieher eines Umsatzsteuer-Karussels – in großem Stil soll er mit illegalen Vorsteuer-Abzügen Waren verkauft haben.
betrug
Prozessgegenständlich waren allerdings Geschäfte, die er mit vermeintlichen Software-Paketen der Firma Microsoft sowie den begehrten Apple-iPads abwickelte. Zunächst sollen er und zwei mitangeklagte Komplizen sich in China bei einem Fälscher Kopien des Programms „Office 2010“ besorgt haben, das zum damaligen Zeitpunkt am Markt kaum mehr erhältlich, bei den Kunden aber deutlich beliebter war als Nachfolgeprodukt. Einem Fälscher mit dem Namen Huan wurde eine Original-Verpackung zugesandt, die dieser täuschend echt aussehend nachmachte.
Die Kommunikation mit dem Fälscher lief über E-Mail und Internet-Telefonie, wobei sich der Italiener „King the Best“ nannte. Als 2.000 Stück der gefälschten Microsoft-Ware in Österreich eintrafen, fand sich rasch ein Abnehmer, der dafür dem Italiener 360.000 Euro bezahlte, dann allerdings feststellen musste, dass sich die Software nicht – wie auf der Verpackung angegeben – aus dem Internet downloaden ließ.

Weil das Geschäft so gut gelaufen war, bestellten der Italiener und seine Komplizen – ein 23-jähriger Burgenländer sowie ein 40-jähriger Geschäftsmann, der mit seiner eigenen Firma in die Pleite geschlittert war – bei ihrem chinesischen Fälscher weitere 6.000 Packungen. Dieser lieferte aber keinen Nachschub, weil man ihm die vereinbarten 49.000 US-Dollar schuldig geblieben war.

Also sattelte der Italiener kurzerhand auf iPads um, die er zum Stückpreis von 375 Euro feilbot. Bei zwei Speditionen lagerte er 4.000 vermeintliche Tablet-Computer ein. Zwei Interessenten besichtigten die Ware und bezahlten schließlich für 1.000 Stück 495.600 Euro bzw. für 3.000 Stück knapp 1,44 Millionen. Auf die Idee, die Ware gleich an Ort und Stelle näher zu prüfen, kamen sie nicht. Dass sich in den Verpackungen lediglich zerschnittener Karton fand, stellte sich erst heraus, nachdem die beiden Abnehmer ihre Ware nach Deutschland bzw. innerhalb von Österreich weiterverkauft hatten.

Der von Rechtsanwalt Philipp Wolm verteidigte Italiener zeigte sich umfassend geständig, betonte aber, er sei nicht der große Zampano gewesen. Hinter dem Ganzen stünde die Mafia. Ein mittlerweile in Italien verhafteter Landsmann, der ebenfalls involviert war, sei der eigentliche Strippenzieher gewesen. Bei diesem sei am Ende auch der Großteil der Beute von insgesamt knapp 2,3 Millionen gelandet.
Er sei insofern „Opfer dieses Mannes und seines Systems“, so der 47-Jährige, der eingehendere Fragen nicht beantworten wollte, „da ich um mein Leben fürchte“.

Richter Roman Palmstingl machte den Italiener darauf aufmerksam, dass dieser doch auch auf großem Fuß gelebt und also nicht schlecht verdient habe. So erwähnte Palmstingl mehrere Fernreisen nach Kuba. Diese habe er nicht zum Vergnügen gemacht, sondern um seinem Schwiegervater Skorpion-Gift zu besorgen, behauptete der Angeklagte. Das habe dieser für eine homöopathische Therapie benötigt.

Am Freitag (9. Jänner) wurde gegen ihn im Wiener Straflandesgericht der Prozess eröffnet. Die Verhandlung ist auf vier Tage anberaumt. Dem 47-Jährigen und seinen wegen vergleichsweise untergeordneter Beteiligung Mitangeklagten drohen im Fall von Schuldsprüchen bis zu zehn Jahre Haft.

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