„Charlie Hebdo“ hat mit ihrer neuesten Ausgabe alle Rekorde gebrochen

15. Januar 2015 at 12:17 Hinterlasse einen Kommentar

Das Titelbild der „Charlie-Hebdo“-Ausgabe zeigt erneut eine Mohammed-Zeichnung. Über ihr steht in großen Buchstaben „Tout est pardonné“ (Alles ist vergeben). Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed bildlich dargestellt werden.
Frühere, zum Teil sehr derbe Mohammed-Karikaturen von „Charlie Hebdo“ gelten als Hintergrund des Terrorangriffs auf die Redaktion. Bei ihm starb auch Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier (47) alias Charb.
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In der jüngsten Ausgabe des Magazins machen sich die noch lebenden Macher von „Charlie Hebdo“ unter anderem über die islamistischen Terroristen lustig, die am vergangenen Mittwoch bei einem Angriff auf die Reaktion zwölf Menschen erschossen hatten. In Karikaturen werden sie der Lächerlichkeit preisgegeben.
In einer Zeichnung wird beispielsweise darauf angespielt, dass einer der Attentäter bei einem Entsorgungsbetrieb arbeitete. In der Karikatur steht der Abfallsortierer ratlos vor zwei Mülltonnen, von denen eine die Aufschrift „Gut“ und die andere die Aufschrift „Böse“ trägt. „Das ist zu kompliziert“, steht dazu in der Sprechblase.
In einer anderen Karikatur fragen die von der Polizei getöteten Attentäter im Himmel nach Jungfrauen, die sie von Gott als Belohnung für ihren Terrorangriff erwarten. Die seien alle beim Team von Charlie, wird ihnen aus einer Wolke zugerufen, in der eine wilde Party steigt. Genauso doppeldeutig das neue Logo: „Charlie Hebdo – verantwortungsloses Magazin“.

Wegen der großen Nachfrage soll die Rekord-Auflage von drei Millionen Exemplaren noch einmal erhöht werden auf fünf Millionen. Das berichtete die zuständige Vertriebsgesellschaft Messageries Lyonnaises de Presse.
Vor dem Anschlag lag die „Charlie“-Auflage bei 60.000 Exemplaren. Eigentlich stand „Charlie Hebdo“ kurz vor der Pleite. Das Heft fand nur wenige Leser. Nicht wegen der umstrittenen Themen. Viele Franzosen fanden den häufig platten Fäkalhumor schlicht nicht lustig. Doch nun könnte der Anschlag, der die Zeitschrift vernichten sollte, ihr dabei helfen, wieder aufzuerstehen.
Die neue „Charlie“-Ausgabe entstand in einem Konferenzraum der linksliberalen Tageszeitung „Libération“. Die Computer dafür hatte die Zeitung „Le Monde“ zur Verfügung gestellt.

Die erste Million sollte am Mittwoch ausgeliefert sein. Die Vertriebsgesellschaft bat um Geduld, diese „historische Nummer“ werde acht Wochen lang verkauft werden.

Damit die Großaktion gelingt, wollen die zwei Unternehmen, die „Charlie Hebdo“ ausliefern, die erste Million kostenlos austragen. Gleichzeitig gehen viele Spenden ein: Die Redaktion bekommt 200.000 Euro aus einem Fonds der französischen Presse, 250.000 Euro von einer Google-finanzierten Stiftung und 128.000 Euro von der britischen Zeitung „The Guardian“. Im Internet läuft eine Spendenaktion, bei der bis Dienstagmittag knapp 145.000 Euro zusammengekommen waren. Frankreichs Regierung hat „Charlie Hebdo“ eine Million Euro in Aussicht gestellt, die französische Post will den Redakteuren ein Jahr ihr Porto bezahlen.

Die am Mittwoch erschienene „Nummer der Überlebenden“ wird in fünf Sprachen übersetzt und soll in mehr als 20 Ländern vertrieben werden. Das ist ein Rekord für die französische Presse und ein Ergebnis des weltweiten Echos, das die Anschläge von Paris hervorgerufen haben.
Auf die Verkaufsstellen des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ hat es am Mittwoch einen riesigen Ansturm gegeben. An etlichen Zeitungskiosken in Paris und anderen Städten des Landes war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat auf die Redaktion innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer nach dem Verkaufsstart in den frühen Morgenstunden.
An Kiosken in Deutschland wird das Blatt spätestens am Wochenende erhältlich sein. Es sollen gerade einmal 10.000 Exemplare nach Deutschland kommen – und die dürften schnell vergriffen sein.
Bei Ebay wird die französische Ausgabe bereits zur Auktion angeboten und erzielt dabei Höchstpreise. 500 Euro hat ein Exemplar bereits gebracht. Ältere Ausgaben werden dagegen zu Wucherpreisen angeboten. 100.000 Euro schlagen etwa für die Ausgabe Nummer 1011 beim Sofortkauf zu Buche. Das Heft wird normalerweise für einen Preis von drei Euro verkauft. Die aktuelle Ausgabe soll in Deutschland vier Euro kosten.

In der mehrheitlich muslimischen Türkei hat die linksnationalistische Zeitung „Cumhuriyet“ vier Seiten der neuen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ als Beilage nachgedruckt. Das regierungskritische Blatt berichtete Online, die Polizei habe die Lastwagen mit den frisch gedruckten Zeitungen in Istanbul in der Nacht zu Mittwoch gestoppt. Nachdem die Polizei festgestellt habe, dass die Karikatur des Propheten Mohammed von der neuen „Charlie Hebdo“-Titelseite nicht in dem Nachdruck enthalten ist, habe die Staatsanwaltschaft die Weiterfahrt erlaubt.

Allerdings ist die Titelseite, auf der der Prophet Mohammed weint und ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ hält, als kleineres Bild im vorderen Teil der „Cumhuriyet“-Ausgabe vom Mittwoch zu finden. Vor dem „Cumhuriyet“-Gebäude in
Istanbul verschärfte die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen.
„Cumhuriyet“ nannte den Nachdruck, der mit türkischen Texten erschien, „ein Beispiel der Solidarität“. Auf der Titelseite schrieb das Blatt: „Wir wollen den Kampf der Meinungsfreiheit in der Welt unterstützen.“ Chefredakteur Utku Cakirözer erklärte, man habe auf Religionsfreiheit ebenso wie auf religiöse Empfindlichkeiten geachtet.
Die ultrakonservative Zeitung „Yeni Akit“ kritisierte den Nachdruck als „große Provokation“.

Ägyptische Islamgelehrte reagierten mit scharfer Kritik auf die angekündigte neue Ausgabe. Diese „ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit“ werde eine neue Welle des Hasses auslösen, erklärte die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo.

Auch der Iran verurteilte das Titelbild. „Das ist eine provokative Geste und für Muslime verletzend“, sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Mittwoch in Teheran. Sie sprach von einem Missbrauch der Pressefreiheit, der für Muslime inakzeptabel sei. Respekt für religiöse Heiligkeiten sei ein weltweit anerkanntes Prinzip, das auch europäische Staatsmänner akzeptieren sollten, so die Sprecherin.

Die Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) hatte zuletzt im Internet mit weiteren Angriffen auf Frankreich gedroht.

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