Das Weltwirtschaftsforum ist eines der wichtigsten Treffen von Politik und Industrie

23. Januar 2015 at 11:27 Hinterlasse einen Kommentar

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) ist eine Stiftung, die ihren Sitz in Davos in der Schweiz hat. Bekannt ist die gemeinnützige Organisation vor allem für ihre jährlichen Treffen im Januar oder Februar, zu denen die Präsidenten der rund 1.000 Mitgliedsunternehmen des Forums sowie international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Wissenschaftler und Journalisten kommen, um über aktuelle globale Fragen zu diskutieren.
In diesem Jahr findet das Treffen bereits zum 45. Mal statt. Das Motto ist wie immer sehr allgemein gehalten und legt einen Weltverbesserungsanspruch nahe – es lautet „The New Global Context“. Laut Informationen des WEF drehen sich die Kernfragen der fünftägigen Veranstaltung um die Themenbereiche Krise und Zusammenarbeit, Wachstum und Stabilität, Erneuerung und Industrie, Gesellschaft und Sicherheit.
Eine Teilnahme an der Veranstaltung ist nur auf Einladung möglich. Neben Angela Merkel, die am Donnerstag eine Rede halten wird, haben sich rund 40 weitere Staats- und Regierungschefs angemeldet, darunter Frankreichs Premier Francois Hollande, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und US-Außenminister John Kerry. Auch Yahoo-Chefin Marissa Meyer und Microsoft-Gründer Bill Gates werden auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum erwartet.
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Andrew Ross Sorkin von der New York Times recherchierte einst in mühseliger Kleinarbeit, wie hoch der Preis für die Teilnehmer ist, denn dieser ist nicht öffentlich. Fest steht seither: Der Grundpreis für Unternehmen beträgt 50.000 Schweizer Franken. Damit ist die Firma aber zunächst einmal Mitglied des WEF. Das Eintrittsticket kostet pro Person weitere 18.000 Franken und rund 2.500 Menschen sind jedes Mal bereit, diesen Preis zu zahlen. Eine exklusive Karte als Member der Industry Associate kostet gar 115.000 Euro. Und wer zu zweit kommen will, zahlt nicht etwa zweimal 18.000, sondern muss in eine höhere Beitragsklasse wechseln. Als Industry Partner gibt es zwei Tickets für 250.000 Franken, Strategic Partner dürfen gar fünf Mitarbeiter mitbringen, für eine halbe Million Franken plus 18.000 Franken pro Person. Der Umrechnungskurs liegt tagesaktuell übrigens bei einem Franken für einen Euro, Kost und Logis sind in diesen Preisen noch nicht eingerechnet.
Während der Veranstaltung nehmen die Gäste an rund 220 Sitzungen des offiziellen Programms teil. Darüber hinaus finden viele informelle Treffen sowie Empfänge von Firmen und Staaten statt. In den Diskussionen des offiziellen Programms werden wichtige Fragen von globaler Bedeutung, darunter Konflikte, Armut und Umweltprobleme behandelt.

Bereits in den vergangenen Jahren glich Davos während der Veranstaltung mehr oder weniger einer Festung. Die zwei Zufahrtswege durch das Prättigau und das Landwassertal werden kontrolliert, vier Sicherheitszonen im Ort können nur mit Bewilligung betreten werden und auch Hotels sind gesichert. Allein 4.500 Soldaten stehen bereit, 3.000 von ihnen sind aktiv im Einsatz, die übrigen leisten Assistenzdienst. Rund zwei Drittel der eingesetzten Truppen gehören zum Einsatzverband Luft – der Luftraum ist 48 Kilometer rund um Davos eingeschränkt. Und sogar auf österreichischer Seite der Grenze wird die Luftraumsicherung für das Treffen gewährleistet.

Zuständig für die Gesamteinsatzleitung ist die Kantonspolizei Graubünden, deren Sprecher Walter Schlegel sagte, dass nach den Anschlägen in Frankreich lediglich einzelne Maßnahmen in diesem Jahr verschärft worden seien. „Das Dispositiv ist schon seit Jahren auf die Verhinderung genau solcher Anschläge ausgerichtet“, sagt er. Die Verschärfungen beträfen nicht nur den direkten Einsatz in Davos, sondern beispielsweise auch die Grenzkontrollen, die verstärkt würden. Als größte Gefahr gälten „dschihadistisch motivierte Einzeltäter“, Nachahmer und Trittbrettfahrer.
Einen Mehraufwand dürften der Polizei die rund 90 VIPs unter den 2.500 Gästen bescheren, für die völkerrechtliche Schutzverpflichtungen bestehen. Schlegel bezeichnete diese Situation als „Herausforderung“.

Laut Einsatzleiter Walter Schlegel bewegen sich die WEF-Sicherheitskosten im Rahmen der vergangenen Jahre und innerhalb des Kostendachs von acht Millionen Franken. Im Jahr 2003 hatten die Kosten mit 13,7 Millionen Franken ihren bisherigen Höhepunkt erreicht.

Eine immer wieder aufkommende Kritik an der Veranstaltung ist, dass sie keine Lösungen bringen würde. Veranstalter Klaus Schwab äußerte sich in der Vergangenheit in Medieninterviews dahingehend, dass das Forum das Bewusstsein geschärft habe, dass die Herausforderungen der Welt nicht von den Regierungen, den Unternehmen oder den Organisationen allein gelöst werden können, sondern dass eine Zusammenarbeit nötig ist. Im Globalisierungsprozess habe das WEF eine führende Rolle gespielt. Konkret hat zum Beispiel die Nordatlantische Freihandelszone Nafta in Davos ihren Ursprung.

Trotzdem finden jedes Jahr Demonstrationen gegen das Treffen statt. Aufgrund der starken Sicherheitsvorkehrungen müssen die Proteste aber auf andere Städte wie Bern, Zürich oder Basel ausweichen. U2-Sänger und Polit-Aktivist Bono Vox nannte die Veranstaltung laut der Zeitschrift „Forbes“ im Jahr 2006 eine Ansammlung von „Bonzen im Schnee“. Auch der Vorwurf, bei vielen der anwesenden Nicht-Regierungs-Organisationen sei nur wenig wirtschaftliches Fachwissen vorhanden, wird immer wieder geäußert. Es scheint fast so, als sei das Forum nur eine Veranstaltung zur Befriedigung großer Eitelkeiten führender Politiker und Wirtschaftsbosse. In Zeiten wachsender Globalisierungskritik besteht also ein echtes Imageproblem.

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