EZB-Banker pumpen 1,14 Billionen Euro in Staatsanleihen

27. Januar 2015 at 08:16 Hinterlasse einen Kommentar

Gespannt warteten Regierungen, Banken und Spekulanten weltweit auf diesen Tag – Donnerstag, Punkt 14.45 Uhr ließ dann EZB-Chef Mario Draghi die Bombe platzen:
ezb1
Im Kampf gegen die Konjunkturschwäche und die Gefahr einer Deflation im Euroraum zog die Europäische Zentralbank (EZB) ihr letztes Ass aus dem Ärmel und will jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte pumpen.
Nach der Rede von EZB-Chef Draghi krachte der Euro am Donnerstag schon um drei Cent runter – von 1,16 auf 1,13 Dollar. Am Freitag setzte sich die Talfahrt fort. Der Euro verlor erneut mehr als ein Prozent, notierte am frühen Nachmittag bei 1,1205 Dollar. So billig war der Euro zuletzt im September 2003.

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, selbst Mitglied des EZB-Rats, äußerte sich skeptisch. „Ich habe diesen Beschluss ganz offen gesagt nicht mitgetragen, weil ich glaube, dass er zu früh gekommen ist“.

Die EZB will mit der Geldschwemme die Gefahr einer Konjunktur-Abwärtsspirale durch sinkende Preise bekämpfen. Aber Nowotny warnt: „Wir haben damit jetzt mehr oder weniger unser letztes Pulver verschossen.“ Deutschlands Vertreter im EZB-Gremium sollen überhaupt gegen das Programm gestimmt haben.

Das Kaufprogramm läuft von März 2015 bis September 2016: Unterm Strich macht die EZB damit die gigantische Summe von 1,14 Billionen Euro locker.
Die Währungshüter investieren also stolze 3.400 Euro je Einwohner zur Rettung der Eurozone! Die Zentralbank kann jetzt frisches Geld drucken, um vor allem Staatsanleihen zu kaufen – damit soll verhindert werden, dass der Euroraum über Jahre in eine richtig tiefe Krise stürzt.
ezb2
An den Finanzmärkten ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten: Der deutsche Aktienindex DAX sprang sofort mit der Draghi-Rede auf ein neues Rekordhoch. Auch die Wiener Börse schnellte auf ein dickes Plus.
Zinsen auf Rekordtief. Sparern versetzte die EZB am Donnerstag aber den nächsten Tiefschlag: Die Leitzinsen im Euroraum bleiben weiter auf dem Rekordtief von nur 0,05 % – damit wird das Ersparte praktisch immer weniger wert.
ezb3
Zahlt sich ein Sparbuch überhaupt noch aus?
Bei täglich fälligem Geld oder Sparbüchern mit kurzer Laufzeit fressen Steuer und Inflation die Mini-Zinsen in der Tat mehr als auf. Also ­sollten Sie Sparprodukte mit möglichst langer Bindung wählen. Oder bei Direktbanken sparen – dort gibt es noch die besten Zinsen.
Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für Aktien?
Die Kurse sind, vor allem in Deutschland und den U.S.A., auf Höhenflug. Die neue Geldlawine der EZB dürfte die Aktienmärkte weiter beflügeln. Was Österreich betrifft: In Wien notieren viele Titel derzeit sehr niedrig, insbesondere Bank- und Ölaktien. Viele Experten meinen, es sei ein guter Zeitpunkt zum Einstieg. Dass Aktieninvestments ein Risiko bergen, dürfen Sie aber nie vergessen!
Was bedeutet die EZB-­Aktion für Konsumenten?
Mit der Geldschwemme sollen letztlich die Preise steigen. Also ist jetzt ein guter Zeitpunkt für Anschaffungen. Noch dazu, wo Sparen ohnehin nichts bringt.
Geht der Euro jetzt ganz den Bach runter?
Der Euro ist so tief wie zuletzt vor mehr als 11 Jahren – und wird wohl als Folge der Geldschwemme im Verhältnis zum Dollar noch weiter fallen. Für unsere Export­industrie ist das aber gut.
Sollte man wieder in Gold investieren?
Gold gilt als Inflationsschutz, war daher zuletzt – bei geringer Inflation – weniger gefragt. Die Geldschwemme der EZB soll die Inflation anheizen, also dürfte auch Gold wieder stärker in den Fokus rücken. Schon in Erwartung der EZB-Aktion stieg der Goldpreis zuletzt.

Auch auf die Finanzen jedes Einzelnen hat die Maßnahme der EU-Währungshüter Einfluss:
· Für Sparer bleiben die Zinsen auf Rekord-Tief und werden in absehbarer Zeit nicht steigen. Das bedeutet: Sparen lohnt nicht mehr; real wird das Ersparte weniger wert.
· Für die Altersvorsorge kann es sein, dass wir mehr zahlen müssen. Versicherungen und Co. können die in Verträgen versprochenen Zinsen nur mehr schwer erwirtschaften.
· Reisen in Dollar-Länder werden für uns teurer – denn der Euro ist dort viel weniger wert. Billig shoppen in den USA ist Vergangenheit. Auch Asien-Urlaub (dort wird meist in Dollar abgerechnet) wird für uns teurer.
· Tanken wird über kurz oder lang ebenfalls wieder teurer. Die Abwertung des Euro macht das in Dollar gehandelte Öl teurer – das dürfte dann wohl auch auf die Spritpreise zurückwirken. Aber so schnell? Der Tod des 91-jährigen Königs Abdullah von Saudi-Arabien machte am Freitag prompt die Märkte für Öl verrückt: Kaum war die Todesnachricht in den internationalen Nachrichtenagenturen gelaufen, stieg der Preis für das Nordsee-Öl Brent – ein Leitwert – auf 49,25 Dollar je Barrel (159 Liter). Tags zuvor war Brent noch um 48,52 Dollar gehandelt worden. OPEC-Öl stieg von 43,05 pro Barrel auf 43,25 Dollar.
· Für unsere Exportindustrie ist es gut, wenn der Euro schwächer wird. Damit steigt die Nachfrage nach unseren Waren in Nicht-Euro-Ländern. Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Damit könnte also die Wirtschaft tatsächlich einen Kick bekommen, auch neue Jobs könnte das bringen.
· Kredite bleiben günstig wie nie und werden unter Umständen noch günstiger. Also ist jetzt die beste Zeit für Anschaffungen. Ob die Nachfrage nach Finanzierungen angesichts der unsicheren Situation steigt, wird sich zeigen.

Advertisements

Entry filed under: Stammhaus Montfort.

Skurriler Auftritt bei Günter Jauch Big Mac zeigt, wie schwach der Euro ist

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kalender

Archiv


%d Bloggern gefällt das: