Ein Röhren und Dröhnen dringt durch die Westfalenhalle in Dortmund

7. Februar 2015 at 07:34 Hinterlasse einen Kommentar

Brünftige Hirsche? Nicht ganz. Die 16 besten Hirschrufer Deutschlands ringen gerade um die Meisterschaft. Versammelt haben sich am Freitag auf der Schaubühne insgesamt bestimmt einige Hundert Jahre Jagd- und Wilderfahrung.
Wie der Hirsch ruft – diese Leute wissen es ganz genau. Sie haben sich darauf spezialisiert, seine Laute mit Hilfe von Instrumenten zu intonieren.

„Seit Urzeiten werden Tierlaute genutzt, um Wild zu bejagen und zu beobachten“, sagt Titelverteidiger Immo Ortlepp. Er hat – wie auch die meisten seiner Konkurrenten – ein Rinderhorn und einen Eifelhirschruf aus Pappe und Bakelit dabei. Die mehrteilige Röhre kann aus- und ineinandergeschoben werden. „So empfindet man die Halsbewegung des Hirsches nach“, erläutert er. Im Schlepptau hat er den zwölfjährigen Schüler Nils Aßmus.
„Ich finde das interessant und mache das nun schon seit einem halben Jahr“, sagt Aßmus. Seinen ersten Hirsch hat er auch schon gesehen – beim Berufsjäger Ortlepp. „Der hatte mal einen Zuhause“, erzählt er und lächelt unter seiner dunkelgrünen Waidmannsmütze hervor.
Noch in diesem Jahr will er sein Können auf der Pirsch ausprobieren. Im Wald unterwegs ist er ja ohnehin ständig, sagt er.
horn
Die Jäger nutzen drei Triebe der Tiere: Fresslust, Sexualtrieb oder den Wunsch nach Gesellschaft. „Es kommt auf die unterschiedlichen Tiere an, was erfolgreich ist“, erklärt Ortlepp. Der Rufer mache dem Hirschen weiß, ein potenzieller Konkurrent sei im Wald unterwegs. Unter regelmäßigem Rufen und mit der richtigen Windrichtung kann sich der Jäger dann von Baum zu Baum vorarbeiten. „Meist kommt man bis auf wenige Meter an den Hirsch heran, manchmal wäre sogar eine körperliche Berührung möglich“, sagt Ortlepp. „Das ist hohe Kunst und macht wirklich Spaß.“

Am Freitag bei der Meisterschaft sind Intonationen in drei Disziplinen gefordert. Zunächst muss ein „alter Hirsch am Rande des Brunftplatzes“ imitiert werden, dann „ein Platzhirsch beim Kahlwildrudel“. In der Endrunde will die fachmännische Jury ein „Rufduell zweier Hirsche gleicher Stärke auf dem Höhepunkt der Brunft“ hören. Im Stechen um Platz zwei: den „Kampfruf“.

Gegen die Konkurrenz kann sich schließlich der 52-jährige Andreas Töpfer aus dem niedersächsischen Hannoversch Münden durchsetzen. Er hat als einer der wenigen auf das Haus der exotischen Tritonschnecke als Instrument gesetzt. Er „erröhrt“ sich damit insgesamt seinen vierten Titel als Deutscher Meister. Wolfgang Sander und Immo Ortlepp landen auf den Plätzen zwei und drei. Das Trio aus Niedersachsen nimmt nun an der Europameisterschaft teil.
Für den jungen Nils Aßmus reicht es am Ende nur für einen Platz auf den hinteren Rängen – doch bei einem seiner Rufe hat auch er eine gute Wertung erhalten. „Wenn Du älter wirst, wird auch die Stimme tiefer“, macht ihm der Moderator bei der Siegerehrung Hoffnung. Einer tiefen Stimme fällt es dann auch leichter, wie die Hirsche zu röhren.

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