Wie geht Satire nach einem Blutbad in der eigenen Redaktion?

27. Februar 2015 at 09:29 Hinterlasse einen Kommentar

„Kompromisslos“, so Redaktionsmitglied Patrick Pelloux. Die Überlebenden von „Charlie Hebdo“ haben eine neue Ausgabe des französischen Magazins fertiggestellt. Sieben Wochen nach dem Terroranschlag auf die Redaktion mit zwölf Toten erschien am Mittwoch wieder ein reguläres Exemplar.
„‚Charlie‘ beginnt seine Arbeit, gegen die Dummheit, gegen den Front National“, sagte der als „Luz“ zeichnende Renald Luzier der Zeitung „Liberation“ mit Blick auf den weiter erstarkenden rechtsextremen Front National. Von Luz stammt wieder das Titelbild.
hebdo
Die Botschaft ist auch dort zu finden: „Es geht wieder los.“ Die Karikatur zeigt eine Meute von Hunden mit Gesichtern von FN- Chefin Marine Le Pen, Ex- Präsident Nicolas Sarkozy, einem bewaffneten Islamisten und Papst Franziskus, die allesamt einen kleinen Köter hetzen. Dieser jagt mit einem „Charlie Hebdo“- Exemplar im Maul davon. „Ich wollte beim Zeichnen zurück zur fröhlichen Kritik von ‚Charlie Hebdo'“, so Luz.

Die Terroristen von Paris haben das ihnen verhasste Blatt vom finanziellen Sorgenkind zum Krösus werden lassen: Die Solidaritätswelle nach der Anschlagsserie mit insgesamt 17 Toten hat „Charlie Hebdo“ über Verkäufe, Abos und Spenden rund 30 Millionen Euro in die Kasse gespült. Die Zahl der Abonnenten stieg auf mehr als 200.000, zeitweilig konnten Abo- Anfragen nicht mehr bearbeitet werden. Von der früheren Auflage von 60.000 wurden durchschnittlich nur rund 30.000 Exemplare verkauft – das neue Heft wurde zunächst gleich 2,5 Millionen Mal gedruckt.
Mitarbeiter Pelloux twitterte zum Redaktionsschluss der neuen Ausgabe, das Heft sei „in sehr guter Atmosphäre“ entstanden: „Das wird eine exzellente und kompromisslose Nummer.“ Zuvor hatte Pelloux im Sender France 5 trotz aller Trauer den Aufbruch beschrieben: „Das Journal muss wie jedes andere auch weitermachen, weil das Leben weitergeht, die Ereignisse weitergehen.“ Die Redaktion könne sich nicht zum Heulen in die Ecke zurückziehen. „Das ist ein satirisches Journal, das witzig ist, wir müssen lachen über alltägliche Dinge.“

Die Wege um die alte Redaktion gleichen noch immer einem Meer aus Kerzen, Schildern und Blumen. Es gibt viele Stifte – Symbole eines konsequenten und friedlichen Widerstands gegen Mörderbanden. Bis heute kommen Menschen für einen Moment des Gedenkens in die kleine Straße im elften Arrondissement von Paris. Das jüngste Heft wurde wieder in den Räumen der „Liberation“ produziert, eine neue Bleibe gibt es derzeit nicht. Die Redaktion sucht noch ihren Platz für die Zukunft.

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