Die Stadt Amsterdam warnt vor einem rätselhaften Dealer

1. März 2015 at 15:37 Hinterlasse einen Kommentar

Sie kauften ein paar Gramm Kokain und bezahlten auf dem Hotelzimmer mit ihrem Leben. Denn der Stoff, den sie vom Straßendealer bekamen, war in Wirklichkeit weißes Heroin. Nach dem Ziehen der Line durch die Nase kam erst der Kick, dann der Atemstillstand. Szenen aus „Pulp Fiction“, die in Amsterdam Realität geworden sind.
Während Mia Wallace (gespielt von Uma Thurman) im Tarantino-Film in letzter Sekunde noch durch eine Adrenalin-Spritze gerettet werden konnte, fielen in der niederländischen Hauptstadt bereits drei ahnungslose Touristen dieser Verwechslung zum Opfer.

Die Polizei hat die Suche nach dem mysteriösen Drogenhändler intensiviert. Tötet er vorsätzlich, oder weiß er möglicherweise gar nicht, was für eine Droge er hat?
Seit der letzten Novemberwoche hat sich das Amsterdamer Stadtbild stark verändert. Große Leuchtschilder warnen an 35 Stellen der City vor „extrem gefährlichen Kokain, das an Touristen verkauft wird“. Sie zeigen Wirkung: Seitdem gab es keine neuen Drogenunfälle, teilte die Amsterdamer Polizei mit.
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Bereits Ende Oktober wurden am Leidseplein, einem beliebten Ausgehviertel, vereinzelt Warnhinweise postiert. Seit September treibt der unbekannte Dealer nämlich schon sein Unwesen in der Grachtenmetropole. Zwei Wochen lang blieb es ruhig, doch als die Schilder entfernt wurden, schlug der Dealer wieder zu.
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Die Amsterdamer Gesundheitsbehörde legt Hinweisflyer in Hotels aus, wie weißes Heroin zu erkennen sein könnte: Demnach wird empfohlen, erst einmal eine kleine Prise der Droge mit dem Finger unter die Zunge zu legen und einige Minuten abzuwarten. Stellt man keine betäubende Wirkung fest, handelt es sich wohl nicht um Kokain.
Da Dealer eigentlich ausschließlich Profit im Sinn haben, stellt der Fall die Amsterdamer Ermittler vor ein Rätsel. Das weiße Heroin gilt als seltener, hochwertiger und reiner und deshalb auch als besonders teuer.
Ein Gramm wird für 60 bis 70 Euro gehandelt, Kokain derzeit für etwa 25 Euro. Warum verkaufte der mysteriöse Drogenhändler also seine hochwertige Ware zum billigeren Kokspreis?

Die Behörden halten mehrere Szenarios für denkbar: „Vielleicht weiß der Täter gar nicht, dass er weißes Heroin besitzt und hält es ebenfalls für Kokain“, sagt Rob van der Veen von der Amsterdamer Polizei. „Das könnte der Fall sein, wenn der Täter den Stoff zum Beispiel gestohlen hat.“
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Sollte der „Cokekiller“, wie der Gesuchte in den Niederlanden genannt wird, jedoch wissen, welch Teufelszeug er vertreibt, hätte man es mit einem „Death Dealer“ zu tun – einem Drogenhändler, der vorsätzlich tötet. „Auch in diese Richtung ermitteln wir. Da der Fall so seltsam ist, ist auch dieses Szenario nicht auszuschließen“, so van der Veen.
Die Polizei hat ein Opfermuster des Dealers erkannt: „Der Gesuchte scheint genau zu wissen, wem er die Drogen andreht. Möglicherweise handelt er gezielt. Er spricht junge Leute an Touristen-Hotspots auf Englisch an, die betrunken sind. Dann radelt er mit seinem Fahrrad davon.“

Die Polizei geht von einem etwa 35 bis 40 Jahre alten, dunkelhäutigen Mann mit Rastafrisur aus, der als Einzeltäter agiert. Ein Phantombild konnte noch nicht erstellt werden, da die Zeugenaussagen sehr vage ausfallen. „Diejenigen, die rechtzeitig bemerkt haben, dass etwas mit den Drogen nicht in Ordnung ist, waren trotzdem so berauscht, dass sie sich an kaum noch etwas erinnern konnten. Außerdem fällt auf, dass der Dealer vor allem Personen aufsuchte, die schon etwas getrunken oder auch schon gekifft hatten.“

Die englischen und niederländischen Behörden arbeiten eng zusammen. „Seit Kurzem bieten wir britischen Touristen einen Push-Service an“, berichtet van der Veen. „Wenn sie das Amsterdamer Stadtgebiet betreten, erhalten sie Textnachrichten, die davor warnen, Kokain auf der Straße zu kaufen. Auch auf den Laptops erscheint eine Push-Meldung, wenn sie sich zum Beispiel im Hotel über WLAN ins Internet einloggen.“
Der „Cokekiller“-Fall genießt hohe Priorität bei den Behörden. Ein Team von 20 Beamten ermittelt und streift nachts in zivil durch die Stadt. „Das Verhalten des Dealers erscheint uns sehr rätselhaft“, konkretisiert van der Veen: „Wir sprechen zwar von 17 Fällen, doch der Gesuchte hat seine Drogen stets an Touristen verkauft, die zu zweit oder in einer Gruppe waren. Wir kennen also höchstens acht Verkäufe, die er getätigt hat. Kurz nachdem er aktiv war, tauchte er wieder ab. Es ist nicht so, dass er jeden Tag in den Ecken Amsterdams Drogen verkauft. Wenn dem so wäre, hätten wir ihn längst gefasst.“

Weißes Heroin und Kokain sind mit den Augen kaum voneinander zu unterscheiden, weißes Heroin ist jedoch ein weitaus stärkeres Rauschmittel, auch im Vergleich zum gängigen „braunen“ Heroin. Eine nasale Einnahme einer Line des heftigen Heroins, das man eigentlich für Koks hält, führt rasch zum Tod. Drei Amsterdam-Touristen kostete dieser Irrtum in den letzten Monaten bereits das Leben.

Amsterdam ist für seinen Drogentourismus weltbekannt. Doch lediglich der Konsum von „Soft Drugs“ wie Marihuana ist legal, das in geprüften Coffeeshops vertrieben wird. Obwohl harte Drogen verboten sind, greift die Stadt wegen der akuten Gefahr zu bemerkenswerten Mitteln.

Seit dieser Woche werden Schnelltester verkauft, die im Rauschgift den Gehalt von weißem Heroin signalisieren. Nicht nur in Coffeeshops und an mobilen Ständen sind diese zum Preis von zwei Euro erhältlich, sondern auch bei Behörden.
Wer seinen verbotenen Stoff für den Privatkonsum testet, bleibt straffrei, betont van der Veen: „Natürlich sind harte Drogen weiterhin verboten, doch uns geht es jetzt zunächst einmal darum, Menschenleben zu retten. Die Gesundheit steht im Vordergrund, deshalb werden wir aktuell in Amsterdam nicht gegen Personen ermitteln, die ihre Drogen auf den Gehalt von weißem Heroin testen lassen.“

Derzeit ist eine Belohnung in Höhe von 15.000 Euro für Hinweise ausgeschrieben, die zum Täter führen.
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Dieses Fahndungsfoto des Cokekillers veröffentlichte die Polizei.

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