Mord an Boris Nemzow schockiert Russlands Opposition

2. März 2015 at 08:20 Hinterlasse einen Kommentar

Sie vermuten die Drahtzieher des Anschlags im Umfeld des Kreml. Denn die russische Staatspropaganda habe Gegner von Wladimir Putin für vogelfrei erklärt.
Noch in der Nacht eilten sie an den Tatort, die politischen Mitstreiter von Boris Nemzow. Viele von ihnen waren in den langen Jahren in der Gegnerschaft zu Wladimir Putin auch enge Freunde geworden. Michail Kassjanow, ehemaliger Premierminister, rang um Fassung. Ilja Jaschin, ein Straßenkämpfer Anfang 30, wischte sich mit der Hand die Tränen aus dem Gesicht.
Ein paar Meter entfernt deckten da gerade Mitarbeiter russischer Sicherheitsbehörden den leblosen Körper Nemzows zu.Er wurde von mehreren Schüssen getroffen, im Zentrum von Moskau, in Sichtweite der roten Kremlmauer und der weltbekannten Basilius-Kathedrale.
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Ex-Premier Kassjanow glaubt, dass der Ort für den Mord nicht zufällig gewählt worden sei. Die Tat sei ein „demonstrativer Akt“, gedacht als Einschüchterung an die Adresse von „uns allen frei denkenden Menschen in Russland. Das Land stürzt dem Abgrund entgegen.“ Nemzow habe sich mit seinen Berichten über Korruption in Staatsstrukturen und während der Vorbereitungen der Olympischen Winterspiele in Sotschi viele Feinde gemacht.
Der Mord schockiert die russische Opposition. Die Kreml-Gegner hatten für Sonntag zu einer Großkundgebung aufgerufen. Geplant war eine fröhliche Demonstration unter dem Motto „Wesna – Frühling“. Nun ist die Rede davon, die Veranstaltung umzuwidmen in einen Trauerzug für Nemzow – oder aber ganz abzusagen.
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Der Mord wurde offenbar von Killern ausgeführt, die ihr Handwerk verstanden. Nach Behördenangaben soll es sich um zwei Angreifer gehandelt haben. Ihr Wagen soll neben Nemzow gestoppt haben, als der mit seiner Begleiterin über eine Brücke in Kreml-Nähe ging. Die Mörder feuerten mindestens sieben Mal, heißt es nach jüngsten Angaben. Sie flohen mit ihrem Auto. Russische Medien berichten von einem weißen Ford. Offenbar war Nemzow zuvor beschattet worden. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem „Auftragsmord“.
Nach Angaben von Mitstreiter Ilja Jaschin gab es regelmäßig Drohungen gegen Nemzow, auf Leibwächter habe der Oppositionspolitiker dennoch verzichtet. „Er war der Meinung: Wer mich töten will, schafft das auch, wenn ich bewacht werde“, so Jaschin.
Die Drahtzieher des Anschlags vermuten viele Anhänger der russischen Opposition im Kreml. Auf Twitter machten die Hashtags #PutinMurderer (Putin-Mörder) und #PutinDidIt (Putin war es) die Runde. Nemzow selbst hatte in einem seiner letzten Interviews berichtet, er fürchte, „dass Putin mich umbringen will“.

Grigorij Jawlinsky, Gründer der liberalen Jabloko-Partei, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Mord und Russlands Attacken auf die Ukraine. „Der Krieg ist zu uns gekommen“, so Jawlinskij. Nemzow habe sich klar gegen den Kriegskurs des Kreml positionert, dafür „hat man ihn gehasst“.
Putin-Gegner Kasparow schließt nicht aus, dass rechte Kreise Nemzow auf eigene Faust ermordet haben könnten: „Vielleicht hat einer seiner Anhänger sich entschlossen, weiter zu gehen als der Kreml selbst und einen Feind Putins auszuschalten“.
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Nemzow hatte zuletzt im Parlament der russischen Stadt Jaroslawl als Abgeordneter gearbeitet. Er wurde am 9. Oktober 1959 in der Schwarzmeermetropole Sotschi geboren. In seiner Heimatstadt hatte Nemzow vor den ersten russischen Olympischen Winterspielen dort im vergangenen Jahr Putin auch Korruption vorgeworfen.
Vor allem in den 1990er Jahren hatte sich Nemzow als liberaler Reformer einen Namen gemacht – zuerst als charismatischer Gouverneur in Nischni Nowgorod (früher Gorki) an der Wolga. Präsident Boris Jelzin hatte ihn einst in die Regierung nach Moskau geholt.
Der große und sportliche Nemzow, vierfacher Vater, war zeitweilig auch als Präsidentenanwärter gehandelt worden. „Ich bin liberal, was Wirtschaftsfragen angeht, aber für eine starke Staatsmacht in der Politik“, sagte er einmal in einem Zeitungsinterview.

Der Prätendent unseres Hauses erklärte: „So wie viele Menschen in Russland sind auch wir schockiert von der kaltblütigen Ermordung des prominenten Oppositionellen auf offener Straße in Moskau. Unser Mitgefühl gehört seinen Angehörigen und Freunden.“ Nemzow habe sich „gegen Korruption und Willkür“ gestellt – sein Tod sei „ein schwerer Rückschlag für alle, die sich mutig für ein offenes Russland einsetzen. Die Urheber dieses Verbrechens müssen rasch gefasst und in einem transparenten und rechtsstaatlichen Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden.“

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