Der Notgroschen der Queen ist binnen weniger Jahre geschmolzen

3. März 2015 at 16:21 Hinterlasse einen Kommentar

Den britischen Royals fehlt es an Geld zur Instandhaltung von Palästen. In der Gemäldegalerie tropft es durchs Dach. Bei Regen stellen die Angestellten deshalb Wassereimer unter die Rembrandts und Van Dykes. Die Empfangsräume wurden seit 1952 nicht mehr tapeziert. Die elektrischen Leitungen im Haus sind ein halbes Jahrhundert alt, und im Innenhof bröckelt der Putz in großen Brocken von den Wänden. Das klingt wie eine Verfallsbeschreibung von Burgruinen in einem schottischen Schauerroman, doch in Wahrheit handelt es sich um die aktuelle Bestandsaufnahme im Londoner Buckingham-Palast. Schon seit Jahren werden Reparaturmaßnahmen in der Residenz der britischen Monarchin auf die lange Bank geschoben, weil dem Königlichen Haushalt das Geld für die notwendigsten Sanierungen fehlt.
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Dass die für ihre Sparsamkeit bekannte Queen nachts durch die Gänge des Palastes geht, um das Licht auszuknipsen, hat scheinbar nicht viel geholfen. Zu Unrecht hielt man Königin Elizabeth II. lange Zeit für die reichste Frau der Welt. Der Haushaltsausschuss im Parlament hat sich nun ihre Bücher vorgeknöpft und ist zu einem alarmierenden Ergebnis gekommen: Der Notgroschen der Queen ist binnen weniger Jahre auf eine Million Pfund geschmolzen. Damit sei ein „historischer Tiefstand der königlichen Reserven“ erreicht, heißt es in dem Prüfbericht. Die für ihre offenen Worte bekannte Ausschussvorsitzende Margaret Hodge fasste die königliche Finanznot so zusammen: „Der Palast lebt von der Hand in den Mund.“
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Die britischen Royals müssen – allem Prunk zum Trotz – das Pfund zweimal umdrehen. Die Queen erhält vom Finanzministerium jedes Jahr eine Summe, die 15 Prozent der Einnahmen aus den Ländereien der Krone entspricht. Im vergangenen Haushaltsjahr waren das rund 38 Millionen Pfund (52 Millionen Euro). Die Queen muss damit Gehälter für ihren Hofstaat zahlen, aber auch einen Teil der Paläste instand halten – und da liegt das Problem. Der nach außen strahlende Buckingham-Palast war innen zeitweise so marode, dass das Personal mit Eimern das eindringende Wasser auffing. Die alte Heizung verfeuert soviel Geld, dass die Queen mit ihren Zuweisungen nicht mehr auskommt und ihr Erspartes fast aufgezehrt hat.

Freilich verhält es sich nicht so, dass sich das britische Königshaus mit Almosen über Wasser halten müsste. Im vergangenen Jahr betrug der Sovereign Grant, der Betrag, den das Finanzministerium auf das Konto der Queen überweist, üppige 31 Millionen Pfund. Allerdings hat der Buckingham Palast im selben Zeitraum 33,3 Millionen Pfund ausgegeben, was den Rückgriff aufs Sparbuch Ihrer Majestät erklärt. Der königlichen Verwaltung und ihrem Chef, Sir Alan Reid, der den schönen Titel „Hüter der Privatschatulle“ trägt, raten die Parlamentarier dringend zum besseren Haushalten und zur Kostensenkung. Die Liste der Empfehlungen ist lang: So sollen die Royals die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, die in den letzten sieben Jahren konstant bei 430 Angestellten lag. Sie sollen die überfälligen Sanierungsarbeiten endlich in Angriff nehmen. Und wenn das Geld immer noch nicht reicht, so der Vorschlag, könne die Königin den Buckingham-Palast länger für Touristen öffnen als nur die zwei üblichen Sommermonate pro Jahr.

Den Unterhalt und Instandsetzung der historischen Gemäuer, die die Königsfamilie nutzt, hat die Queen traditionell aus ihrer eigenen Schatulle zu bestreiten. Das Problem des Sanierungsstaus hat sich offenbar dadurch verschärft, dass bis zu einer Reform der königlichen Finanzen die Höhe der Zuwendungen zwanzig Jahre lang eingefroren war. Auch die Köche, Gärtner, Lakaien und Museumswärter der Queen haben in der jüngsten Wirtschaftskrise, wie viele andere Briten, auf Gehaltserhöhungen verzichtet. Nichts verdeutlicht die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei Hofe deutlicher als der Umstand, dass der Boiler im Buckingham-Palast annähend 60 Jahre alt ist – die Heizkosten sind astronomisch.
Tatsächlich hat die Queen in den letzten Jahren sogar gespart; auch wenn Kritiker fünf Prozent Ausgabenkürzungen in fünf Jahren für zu wenig halten. Dafür sind die Einnahmen gestiegen, seit die Regierung die Richtlinien modernisierte: Die Hand auf der Schatztruhe des Königs hat das Parlament schon seit dreihundert Jahren. Erst seit Kurzem aber errechnen sich die Einkünfte des Monarchen anhand des Crown Estates – jenen Ländereien und Immobilien also, die nicht der Queen persönlich, sondern der Krone gehören. Dazu zählen unter anderem der Park von Windsor, 15 Einkaufszentren sowie der Meeresgrund. Die Gewinne fließen seit alters ans Parlament, das wiederum einen Teil an den Monarchen auszahlt: Dieser Anteil wurde jetzt auf 15 Prozent des jährlichen Profits festgeschrieben. Und weil der Crown Estate im vorigen Jahr gut gewirtschaftet hat, müsste die Queen, theoretisch, mehr Geld in der Kasse haben.
Die Praxis aber sieht anders aus: Im Keller des Buckingham-Palastes wurde Asbest entfernt. In Schloss Windsor hat die Bibliothek ein neues Bleidach erhalten. Und zu guter Letzt wurde das Appartement im Kensington-Palast, in dem Prinz William, Kate und Baby George wohnen, totalsaniert. Die Renovierung der Gemäldegalerie muss also noch warten. Aber immerhin regnet es dem Urenkel der Queen, dem künftigen König, nicht auf den Kopf.

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Eigentlich müsste Mehmet Aygün seine Geschichte gerne erzählen Bloß kein Leder tragen – aber Kinderarbeit ist ok?

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