Der englische König Richard III. hat auch 530 Jahre nach seinem Tod glühende Anhänger

23. März 2015 at 07:55 Hinterlasse einen Kommentar

Die Ritter ließen das Blech kräftig scheppern, als sie noch einmal in ihren Rüstungen auf das Schlachtfeld von Bosworth marschierten. Soldaten in Paradeuniform zogen den Holzkarren mit dem Sarg von Richard III. auf das Schlachtfeld, auf dem er vor 530 Jahren gefallen war – geehrt wurde er dort nun mit einem kurzen Feldgottesdienst.

Die Prozession hatte an der Universität von Leicester begonnen, dort, wo Richards Gebeine aufbewahrt wurden, nachdem sie vor zweieinhalb Jahren unter einem Parkplatz in der Stadt gefunden worden waren. Phil Stone, Präsident der Richard III. Gesellschaft, hatte Jahre lang dafür gearbeitet, den verschollenen Leichnam zu finden. Während des Feldgottesdienstes auf historischem Boden würdigte er nun den letzten Herrscher aus dem Geschlecht der Plantagenets. Nur zwei Jahre hatte der auf dem Thron gesessen und war im Alter von 32 Jahren im Kampf gegen die Tudors gefallen.

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Richards Bruder und seine Neffen, die noch Kinder waren, kamen allerdings nicht in den Genuss dieser Rechtshilfe. Richard ließ sie, wie auch zahlreiche andere Widersacher, ohne Prozess ermorden, um sich den Thron zu sichern. Das ist Richard III., wie ihn Theaterbesucher und Filmfans aus William Shakespeares berühmtem Historien-Drama kennen: ein buckliger Fiesling und brutaler Schlächter. Shakespeare schrieb den Text allerdings erst 100 Jahre nach Richards Tod. Da regierten in England schon die Tudors, die ein Interesse daran hatten, den Plantagenet, den sie aus dem Weg geräumt hatten, in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.

Die Errungenschaften der kurzen Herrschaft Richards III., sagte Stone, seien überschattet worden von historischen Mythen und von Shakespeare, der aus ihm ein Monster gemacht habe. Einige seiner Reformen des Rechtssystems seien jedoch noch heute gültig: „Er entwickelte unter anderem eine frühe Form der Rechtshilfe für diejenigen, die sich keinen Anwalt leisten konnten“, so Stone.

„Ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd“ heißen die berühmtesten Worte in Shakespeares Theaterstück. Für Stone sind sie eine Fälschung: „Ganz anders als um ein Pferd zu betteln, hat Richard bis zum Schluss tapfer gekämpft.“ Er sei Opfer von Verrätern geworden. Stones Plädoyer: „Lassen Sie uns an Richard III. als König erinnern, der sich um seine Untertanen gesorgt hat. Lassen Sie uns erinnern an den guten König Richard III., den Soldatenkönig.“

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Der Bürgermeister von Leicester, Peter Soulsby, traf die Prozession an der historischen Bow-Bridge, über die Richard einst aus der Stadt hinaus in seine letzte Schlacht geritten war. Jetzt kehrte dieser zurück, und der Bürgermeister ist glücklich, dass er nun mit dem Grab Richards III. eine weitere Touristenattraktion bekommt.

„Wir sind hier schon immer stolz auf ihn gewesen“, so Soulsby. Es gebe hier eine Straße, die nach ihm benannt ist und Pubs, die seinen Namen tragen, auch Schulen: „Wir haben immer gewusst, wie wichtig er für unsere Geschichte war. Aber jetzt können wir das auch endlich mit der ganzen Nation und der ganzen Welt feiern.“

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Die zweite Bestattung dürfte prächtiger als die erste sein. Fünf Tage soll sie in Anspruch nehmen und umgerechnet fast 3,5 Millionen Euro kosten, wie die Kathedrale in Leicester angibt. Die Kosten werden hauptsächlich über Spenden finanziert.

An diesem Sonntag sollen die Gebeine zunächst von der Universität in Leicester zur Kathedrale gebracht werden, mit Zwischenhalt auf dem Schlachtfeld von Bosworth, wo Richard 1485 im Kampf starb.

Anschließend können Neugierige sich den Sarg, der außen aus Eiche und innen aus Blei besteht, in der Kathedrale anschauen. Anfertigt hat den äußeren Teil Richard Ibsen, ein Nachfahre der älteren Schwester von Richard III. Ibsens DNA half dabei, das Skelett König Richard III. zuzuordnen.

http://www.dw.de/england-k%C3%B6nig-richards-letzte-reise/av-18333347

Am Donnerstag werden die Gebeine des Königs schließlich in einem eigenen Bereich in der Kathedrale beigesetzt. Unter anderem sollen der Erzbischof von Canterbury und Queen-Cousin Prinz Richard, Herzog von Gloucester, dabei sein. Richard III. trug diesen Adelstitel auch, bevor er den Thron bestieg.

Die Kathedrale in Leicester wird feierlich herausgeputzt: Die Floristin der Königsfamilie, Rosie Hughes, hat diese Aufgabe übernommen und dafür viel über das Mittelalter und die Bedeutung von Blumen recherchiert. Lilien, Ginster und Rosmarin kommen in Gestecke. Die Fenster sollen mit weißen Rosen, dem Symbol des Plantagenet Hauses von York, geschmückt werden. Richard III. war nicht nur dessen letzter König, sondern auch der letzte Monarch, der auf dem Schlachtfeld gestorben ist.

Beim festlichen Gedenkgottesdienst zeigte sich Kardinal Vincent Nichols glücklich, dass das blutige Mittelalter in England längst vorbei sei und Konflikte hierzulande jetzt meist friedlich beigelegt würden.

Vor 530 Jahren soll Richard III. Historikern zufolge ohne Sarg und respektlos in aller Eile beerdigt worden sein. Die anstehenden Feierlichkeiten machen das bestimmt wieder wett.

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