Seit mehr als 800 Jahren ranken sich Legenden um dieses Gefäß

24. Juli 2016 at 16:34 Hinterlasse einen Kommentar

Das Baby von Jesus, ein Behälter für das Blut des Heilands, ein Quell ewiger Jugend: Seit mehr als 800 Jahren ranken sich Legenden und skurrile Theorien um dieses Gefäß. Ein Gefäß, das unsterblich und für immer glücklich macht, oder doch der Kelch, aus dem Jesus bei seinem letzten Abendmahl trank? Oder sogar beides in einem? Eine Schale, ein Stein oder ein Becher? Niemand weiß genau, was der heilige Gral eigentlich ist und wie er aussieht.

Und dennoch steht er im Zentrum eines Mythos, der die Menschheit seit Hunderten von Jahren beschäftigt. Viele ältere und neuere Erzählungen ranken sich darum. Sie berichten meist von einem Helden, der das geheimnisvolle Gefäß sucht, dabei viele Abenteuer besteht – es aber selten wirklich findet. Wer daraus trinkt, bleibt immer jung oder muss nie wieder hungern.

In vielen Gralsgeschichten werden mittelalterliche Literatur, keltische Überlieferungen und Erwähnungen aus der Bibel vermischt. Der Kelch, aus dem Jesus und seine Jünger während des letzten Abendmahls getrunken haben sollen, wurde im Nachhinein zum heiligen Gefäß umgedeutet, das als Reliquie irgendwo auf der Welt versteckt ist. Vielleicht ist der Gral aber auch ein Smaragd, der aus der Krone von Luzifer fiel, als dieser in die Hölle fuhr?

Zu den Jägern des Grals gehören Wissenschaftler, Schatzsucher und Indiana Jones in „Der letzte Kreuzzug“. Er taucht in mittelalterlichen Epen genauso auf wie in moderner Literatur, etwa in Dan Browns „Sakrileg“, Richard Wagner widmete dem Mythos eine Oper, den „Parsifal“.

Alle paar Jahre will jemand das wundersame Gefäß entdeckt haben, zum Beispiel auf einem Dachboden 1995. Der gefundene Onyx-Becher war aber so klein, dass er als Abendmahlsgefäß nicht getaugt hätte. Flugs wurde der Mythos weitergesponnen: Vielleicht ist der Gral ja in Wahrheit ein kleiner Topf, der Maria Magdalena gehörte. Den soll sie eigentlich für Kosmetik benutzt haben, fing dann damit aber das Blut von Jesus am Kreuz auf.

Allerdings gibt es mehr als 200 weitere Kandidaten für den Heiligen Gral: Einer liegt im italienischen Genua, ein gläserner, sechseckiger Teller namens „Sacro Catino“. In Wales befindet sich der hölzerne Becher „Nanteos Cup“. Einer der ältesten Gegenstände, der für den Gral in Frage kommen könnte, ist der Becher „Santo Caliz“ in der Kathedrale von Valencia in Spanien. Er wurde schon 1134 erstmals in Urkunden erwähnt. Manchmal sind die möglichen Grals-Entdeckungen ziemlich skurril: Ein Hobbytaucher entdeckte 2001 im bayerischen Chiemsee einen 10,5 Kilogramm schweren Kessel aus Gold. Ein Schweizer Betrüger erklärte diesen für den Heiligen Gral. Tatsächlich datiert das Gefäß aber auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück.

Andere vermuteten den Gral auf einer Insel in Kanada, auf der seit 200 Jahren Glücksritter fieberhaft alle möglichen Schätze suchen.

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Der Gral soll laut einer Legende in einer abgeschiedenen, verborgenen Burg liegen. Auch hierzu gibt es viele Spekulationen. In Frage kommen könnten etwa die englische Stadt Glastonbury, aber auch jede Menge andere Ruinen und Kirchen in England und Wales, die Klosterinsel St. Michaels Mount in Cornwall oder schwer zugängliche Klöster in den spanischen und französischen Pyrenäen.

Der erste Gralssucher war der englische König Artus, eine Sagengestalt. Seine Geschichte wurde erstmals im 12. Jahrhundert erzählt, möglicherweise nach einem realen Vorbild. Artus ist demnach ein weiser König, der Ritter um sich schart, zum Beispiel Lancelot und Parzival. Diese edlen Männer stellten sich in den Dienst einer guten Sache, sie halfen etwa den Schwachen, bestanden aber auch viele Abenteuer. Der Gral und die Suche nach ihm spielten dabei eine wichtige Rolle.

Zum ersten Mal fiel der Begriff des „Grals“ in einem Roman des französischen Autors Chrétien de Troyes um 1180 bis 1190. Parzival stößt darin zu den Artus-Rittern und beobachtet bei einem geheimnisvollen Ritual, wie der Gral hereingetragen wird. In dem Buch bleibt aber offen, um welche Art von Gegenstand es sich handelt und was damit genau geschah – de Troyes starb, bevor er die Geschichte beenden konnte. Angeblich stützte er sich bei dem Roman auf ältere Quellen, die aber bis heute unbekannt sind.

Nur wenige Jahre später nahmen sich zwei weitere Autoren den Grals-Mythos vor, und reicherten ihn weiter an, unter anderem mit christlichen Motiven. Der englische Autor Robert de Boron baut eine Figur aus der Bibel mit ein: Das Matthäus-Evangelium berichtet von einem Josef von Arimathäa, der Jesus vom Kreuz genommen und in seinem eigenen Grab begraben haben soll. Boron erzählte nun die Geschichte dieses Josef: Er nahm den Abendmahl-Kelch angeblich mit nach England und versteckte ihn in der Stadt Glastonbury unter der Quelle „Chalice Well“. Das daraus hervorsprudelnde Wasser schimmert rötlich. Für Grals-Gläubige ein klares Indiz: Das liegt daran, dass sich im darunter vergrabenen Kelch Jesus‘ Blut befand.

Auch der deutsche Dichter Wolfram von Eschenbach widmete sich um 1200 dem Gral: In seinem „Parzival“ ist der Gral ein Stein, auf dem einmal pro Jahr eine Taube eine Hostie ablegt. Wer den Stein sieht, bleibt für immer jung – und stirbt zumindest eine Woche lang nicht.

Eine weitaus größere Rolle spielt Josef aber in den apokryphen Schriften, also religiösen Texten, die nicht in die Bibel aufgenommen wurde. Darin heißt es, dass Josef das Blut von Jesus in dem Kelch aufbewahrt hatte, den dieser beim letzten Abendmahl benutzt hatte. In keinem der drei Werke wurde der Gral gefunden. Aber sie bildeten die Basis für unzählige Varianten und Ausschmückungen der Grals-Legende: Immer aber muss der Held Rätsel lösen, sich selbst treu bleiben und vergangenes Unrecht rächen.

Eine der skurrilsten Theorien zum Gral entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten: In dem Buch „Der Heilige Gral und seine Erben“ stellen die Autoren Anfang der 1980er die These auf, der Gral sei kein Gefäß, sondern ein Mensch. Maria Magdalena war demnach nach dem Tod von Jesus nach Europa geflohen. Sie war schwanger, der Heiland war der Vater. Das gemeinsame Kind war der eigentliche Heilige Gral – und zugleich das größte Geheimnis und Tabu des Christentums. In dem Kind und allen Nachkommen soll Jesus bis heute fortleben. Diese Idee griff der Autor Dan Brown 2003 in seinem Thriller „Sakrileg“ („Da Vinci Code“) und dem gleichnamigen Blockbuster auf.

Was der Gral genau ist und wie er aussieht, wird wahrscheinlich nie geklärt werden, er dürfte ein ewiger Mythos bleiben. Aber vielleicht ist die Frage, was er ist, auch gar nicht so entscheidend. Denn vielleicht ist er ja nur ein Sinnbild – für die nie endende Jagd des Menschen nach Glück, das so schwer zu entdecken ist wie der Gral.

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