Im Zug nach Ungarn oder Spanien

31. Juli 2016 at 18:03 Hinterlasse einen Kommentar

Wie kommt man auf die Idee, von Berlin nach Budapest oder Barcelona nicht einfach zu fliegen, sondern mit dem Zug zu fahren? Wenn man eine zwar reisefreudige, aber mit Flugangst geplagte Freundin hat, liegt das gar nicht so fern. Aber ist das nicht viel zu teuer? Und dauert viel zu lange?Nicht unbedingt! Natürlich ist ein Flug, auch innereuropäisch, meist viel kürzer als die entsprechende Bahnfahrt. Man muss dabei jedoch auch einrechnen, dass Bahnhöfe in der Regel im Stadtzentrum, Flughäfen aber weit außerhalb liegen. Die Anfahrt dorthin nimmt also oft schon mal mehr Zeit in Anspruch als zum Bahnhof. Außerdem steigt man dort einfach in den Zug, sucht seinen Sitzplatz, verstaut sein Gepäck und los gehts – das alles kann wenige Minuten vor Abfahrt passieren. Bei einem Flug muss man aber noch die Zeit für die Gepäckaufgabe (wenn man nicht nur Handgepäck hat) und die meist sehr langwierigen Sicherheitskontrollen mit einrechnen. Wenn man dann nach der Landung noch am Gepäckband auf seinen Koffer warten muss, kommt zur eigentlichen Flugzeit noch einiges dazu. Das darf man beim Vergleich nicht vergessen.

Und dann ist da noch das Gepäck: Bei einem Flug muss man beachten, die zulässige Kilogrenze nicht zu überschreiten, keine Flüssigkeiten und spitzen Gegenstände mit an Bord zu nehmen – wenn man also nur Handgepäck hat: Wohin mit der Nagelschere? Und wie groß darf es sein, damit es man es mitnehmen darf? Auch die Wasserflasche muss vorher weg. All das entfällt bei einer Bahnfahrt.

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Nicht zu vernachlässigen ist zudem der romantische Aspekt der Reise: Im Zug nähert man sich seinem Ziel allmählich. Man sieht, wie sich die Landschaft nach und nach verändert, der Baustil der Häuser, die Farben, die Sprache auf Verkehrsschildern und an Geschäften. Aus Flachland werden Hügel, dann Berge; man überquert Flüsse und fährt an glitzernden Seen entlang. Das ist sooo entspannend!

Eine Bahnfahrt von Berlin nach Budapest beispielsweise dauert elfeinhalb Stunden; wir stiegen am frühen Morgen am Berliner Hauptbahnhof in den Zug und waren zum Abendessen pünktlich in unserem Budapester Hotel. Die Strecke ist in weiten Teilen landschaftlich äußerst reizvoll – sie führt über Dresden und Prag, weiter nach Brno und Bratislava bis nach Budapest. Besonders schön: Über längere Zeit fährt der Zug entlang der Elbe im Elbsandsteingebirge. Und wer doch des Blickes aus dem Fenster müde geworden ist, kann ja lesen, dösen – oder den Speisewagen aufsuchen. Ein ungarischer Kellner mit charmantem Akzent, ein wohlschmeckendes, deftiges Gulasch mit einem leckeren Rotwein, plüschige rote Sitzpolster und Vorhänge, während draußen die Landschaft vorbeigleitet – wir haben da durchaus gute Erfahrungen gemacht!

Und der Preis? Das alles gibt es schon für 39 Euro – wenn man sich rechtzeitig um sein Bahnticket kümmert: Der Sparpreis „Europa Spezial“ ist jeweils drei Monate (frühestens 91 Tage) vor Abfahrt buchbar; er beginnt bei 39 Euro (Strecken in grenznahe Gebiete sind sogar noch billiger). Er gilt bei Fahrten in 16 europäische Länder: Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Slowakei, Slowenien, Schweden, Schweiz, Tschechien und Ungarn – also leider nicht nach Spanien!

Dennoch hatten wir uns in den Kopf gesetzt, bei der nächsten Europa-Reise nach Barcelona auch mit dem Zug zu fahren. Was das wohl kostet? Dazu muss man die Strecke teilen – man könnte beispielsweise mit dem „Europa Spezial“-Sparpreis bis nach Frankreich fahren (sogar frühestens 119 Tage buchbar), so nah wie möglich an die französisch-spanische Grenze, dort umsteigen und von da aus weiter nach Barcelona. Wir entschieden uns aber für den Stopp in Paris – das bot uns schließlich die Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und zwei großartige Metropolen auf einer Reise zu besuchen. Mit dem einmaligen Umsteigen dauert die Fahrt Berlin – Paris gute acht Stunden.

Mit der nötigen Flexibilität und bei rechtzeitigem Buchen kommt man also bis Paris schon mal für 39 Euro – für die Strecke Paris, Gare de Lyon – Barcelona Sants mit dem spanischen Eisenbahnunternehmen Renfe mussten wir nochmal 99 Euro pro Person drauflegen. Wenn man flexibel ist, gibt es diese Fahrt aber auch schon für 59 Euro. Macht also im günstigsten Fall 98 Euro von Berlin nach Barcelona. Und wie lange dauert es? In einem Ritt wäre man um die 16 Stunden unterwegs, mit einmal umsteigen in Deutschland (wahlweise Köln, Mannheim oder Frankfurt, je nach Verbindung) und einmal in Paris. In Paris müsste man für den Zugwechsel jedoch den Bahnhof wechseln – auch das spricht für einen Aufenthalt dort.

Der erste Umstieg in Frankfurt am Main klappte problemlos und gab uns noch einmal die Möglichkeit, uns die Beine zu vertreten – wobei man das ja auch im Zug ganz gut kann, im Gegensatz zum Flugzeug, wo man meist auf seinem Platz festgetackert sitzt. Auf der Strecke bis Paris staunten wir dann nicht schlecht, wie schnell der ICE werden kann, wenn kein Bahnhof oder anderer Zug ihn aufhält: bis auf 318 km/h kam er in der Spitze!

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In Paris Est, wo wir etwa acht Stunden nach Abfahrt in Berlin waren, kam der Zug an, nach Barcelona ging es vom Bahnhof Gare de Lyon weiter. Daher ist es sinnvoll, sich in der Nähe des Abfahrtsbahnhofs ein Hotel zu suchen – das erspart den morgendlichen Stress der Fahrt durch den Pariser Verkehr. Etwas anders als in Deutschland, wo der Abfahrtsbahnsteig schon lange vorher feststeht, wird er in Paris Est erst etwa 20 Minuten vor Abfahrt auf einer Tafel bekannt gegeben – wie auf dem Flughafen steht man dann dort mit vielen anderen Reisenden und wartet gespannt, zu welchem Gleis man gleich stürzen muss. (Da der Bahnhof ziemlich groß und meist voller Menschen samt schwerbewaffnetem Sicherheitspersonal ist, kann es schon eine Weile dauern, bis man sich durchgeschlängelt hat.)

Aber dann: Man hat Zug und Sitzplatz gefunden, sinkt in sein Polster und ab geht es rasend schnell im TGV nach Barcelona. Die Highspeed-Fahrt mit bis zu 320 km/h dauert sechseinhalb Stunden und wird versüßt durch bequeme Sitze und schöne Ausblicke aus dem Zugfenster. Endpunkt ist dann der Bahnhof Barcelona-Sants, der fast wie ein Flughafen aufgebaut ist. Von hier kommt man per U-Bahn schnell und unkompliziert in die Innenstadt und zu seinem Hotel. Nicht nur für Flugangstgeplagte: eine empfehlenswerte Alternative!

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