Archive for März, 2017

Christoph Habsburg-Lothringen: „Kaiser“ der Pfadfinder

Seit Wochen ist der Forstwirt aus dem Lavanttal unterwegs, um das Großereignis zu organisieren. Es galt, hohe bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen. Habsburg-Lothringen staunt immer noch über Vorschriften, die von Amts wegen auferlegt wurden: „Unser Lager hätte dieselben Hygiene-Vorschriften einhalten müssen wie ein Hotel. Für die Kameraden, die am Lagerfeuer das Essen zubereiten, haben die Beamten Haarnetze vorgeschrieben.“ Dank der guten Kontakte zu den Behörden konnte der Pfadfinder-Chef allzu kleinliche Vorschriften aus dem Weg schaffen. Wenn er Zeit für Privates findet, reist der begeisterte Forstmann am liebsten nach Italien, dessen Bewohner ihn wegen der Mischung aus Fleiß und Lebensfreude beeindrucken.

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Seit ein paar Tagen hat der Forstwirt Christoph Habsburg-Lothringen aus St. Andrä ein Handy. Gezwungenermaßen. Denn seine engsten Mitarbeiter haben sich geweigert, mit ihm das internationale Pfadfindertreffen im Rosental vorzubereiten, wenn er nicht leichter erreichbar ist.

Bis dato hatte der Nachfahre von Kaiserin Maria Theresia und Spross der toskanischen Habsburger-Linie auf technische Hilfsmittel dieser Art verzichtet. Im EDV-Bereich kann er sich voll und ganz auf Sohn Dominik verlassen, der „am Computer eine Koryphäe ist“ und die familieneigene Forstverwaltung im Jahr 2010 von seinem Vater übernommen hat. „Vater-Sohn-Konflikte gibt es bei uns nicht“, sagt der Präsident der Kärntner Pfadfinder, „weil ich nur Aufgaben im Betrieb übernehme, die mein Sohn an mich delegiert.“ Mit dem Pfadfinderwesen in Kontakt gekommen ist der Vater von fünf erwachsenen Kindern im Jahr 1977, als er von Pater Enthofer in St. Andrä gebeten wurde, die örtliche Pfadfindergruppe zu übernehmen. Bald gesellten sich Funktionen auf Landesebene dazu. 2001 organisierte der heutige Präsident das erste internationale Lager unter dem Motto „senza confini“ (auf Deutsch: ohne Grenzen): „Das offizielle ’senza-confini‘-Projekt war gerade gescheitert. Da wollten wir zeigen, dass wir es besser können.“ Ein Treffen mit 2500 Pfadfindern aus 15 Nationen wie Russland, Großbritannien, Belgien und Tschechien. Die weitest angereiste Gruppe wären die Pfadfinder aus Ghana gewesen, doch die haben das notwendige Visum nicht bekommen.

Stolz ist er auf seine fünf Kinder, die Söhne Dominik, Maximilian, Constantin, Ferdinand und Tochter Elmerice. Die hat dafür gesorgt, dass sich ihr Vater vor zwei Jahren entschließen konnte, „seinen“ Forstbetrieb Dr. Gudmund Schütte, Forst- und Gutsverwaltung, Jagd und Fischerei, Großprojekte, Beratung und Umsetzung von Dienstleistungen für Land- und Forstbetriebe, an Sohn Dominik zu übergeben. „Elmerice lebte ein paar Jahre in Australien. Da haben meine Frau Ebba und ich ihr einen fünfwöchigen Besuch abgestattet. Als ich nach St. Andrä zurückgekommen bin, war alles in bester Ordnung“, erzählt der 68-Jährige. „Das Unternehmen hatte also auch ohne mich funktioniert. Da habe ich gewusst, dass ich die Firma an meinen Sohn übergeben kann.“ Als verantwortungsvoller Arbeitgeber richtet die Familie Habsburg-Lothringen ihr gesamtes unternehmerisches Handeln auf den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg und hohe Qualitätsstandards aus. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die nachhaltige und umweltbewusste Bewirtschaftung von großen land- und forstwirtschaftlichen Flächen.

Wäre es anders gekommen, dann wäre er heute ein Erzherzog

Eduard (Karl Joseph Michael Marcus Antonius Koloman Volkhold Maria) Habsburg-Lothringen, 44 Jahre alt, wohnt in der Nähe von Wien. Er wurde am 12. Jänner 1967 in München geboren, wo er auch 25 Jahre lang lebte. Was liegt also näher, als sich auch in den Gemächern seiner Urururoma zu verabreden, in der Wiener Hofburg. Es ist ein kühler Frühlingsvormittag, Fiakerkutschen klappern über das Kopfsteinpflaster, vor dem „Sisi-Museum“ stehen die Touristen Schlange. Eduard Habsburg ist das erste Mal in seinem Leben in der Hofburg. Schlossatmosphäre gibt es hier nicht, nur unendlich viele Vitrinen mit silbernen Tellern und merkwürdige Spiegelinstallationen, die wohl Sisis Eitelkeit verkörpern sollen. Er fühle sich trotzdem „irgendwie zu Hause“, sagt Eduard Habsburg-Lothringen, wegen der Raumproportionen, die in allen Schlössern gleich seien. Eduard Habsburg-Lothringen trägt abgewetzte Jeans und einen flatternden Trenchcoat, immer wieder summt sein Blackberry. Er ist ein viel beschäftigter Mann, Pressesprecher des Bischofs von St. Pölten. Nebenbei schreibt er Drehbücher, eines über Sisis letzten Tag hat er schon fertig. Davor hat er Philosophie studiert und für die Kirch-Gruppe gearbeitet. Immer wieder ruft eines seiner sechs Kinder an und will wissen, wo das Soundso-Heft ist. „Vielleicht auf der Dunstabzugshaube in der Küche!“, sagt Eduard Habsburg-Lothringen ins Telefon. Der Blackberry ist auch einer der Gründe, warum er auf Dauer nicht in einem Schloss leben könnte: Es gibt keine Stecker und kein Internet. Ganz abgesehen von den Themen der Schlossbesitzer. Seit einer seiner Bekannten „von der Moderne“ in ein Schloss gezogen sei, rede er nur mehr vom Dach und den vielen Räumen, aus denen er die Fliegen kehren müsse.

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Apropos Räume. Egal, welches der riesigen Prunkgemächer wir durchqueren, für Eduard Habsburg-Lothringen ist es ein „Raum“. Das kann an dem so zwanghaften wie koketten Hang vieler Adeliger zum Tiefstapeln liegen, vielleicht aber auch nur daran, dass sich ein gleich aussehender Salon an den anderen reiht. Kein Wunder, dass die Salons in Schlössern nach Farben, Tee oder irgendwelchen Besuchern benannt werden müssen.

Kostspieliger Erhalt

In einer Ecke steht der Schreibtisch des Kaisers, in einer anderen seine Waschgelegenheit. Ein einfacher Holztisch mit Schüssel, daneben ein weißes Leinentuch. Bis heute in vielen Schlössern üblich, sagt Habsburg-Lothringen. Bäder müsste man nachträglich einbauen, und das können sich die wenigsten Schlossbesitzer leisten.

Eduard Habsburg-Lothringen bleibt kurz vor einem Ölgemälde stehen („Das muss die Sophie sein“) oder deutet auf die grün-blauen Gobelins, die sich die meisten Schlossbewohner allerdings nicht leisten konnten. An die Wände wurde deswegen nicht selten Leder geklebt. Dann sind wir auch schon wieder draußen, denn die interessanten Schlossgeschichten spielen nicht im Sisi-Museum. Sondern etwa in den Schlössern Spaniens, wo schon man der Monarch vorbeikommt. Oder in den „personalgeführten Schlössern“ diverser Königshäuser, in denen es zugehe wie in Luxushotels. Als Eduard Habsburg-Lothringen in einem solchen Schloss einmal etwas fallen ließ, war es fünf Minuten später eingeräumt.

Und wie wohnt es sich nun in einem Schloss? Beschwerlich, sagt Eduard Habsburg-Lothringen. Zwar würden die meisten Leute glauben, „man steht mit der Krone unter der Dusche“, doch ein Schloss sei vor allem eines: zu groß. Obendrein zu teuer und zu viel Arbeit. In einem Schloss hat er einmal seine Gastgeberin gefragt, ob sie wieder ins Schloss einheiraten würde, und sie sagte: Nein, denn das ist ein Lebensprojekt. „Hätte ich selbst ein Schloss, hätte ich nie schreiben können, sondern ich müsste mich um meinen Forst kümmern“, sagt Eduard Habsburg-Lothringen. Er lebt mit seiner Familie in einem modernen Architektenhaus. Also ist ein Schloss eine Bürde? Man kann ein Schloss im Familienbesitz ja nicht einfach verkaufen und in ein Penthouse ziehen.

Man kann, aber man tut das nicht, weil es viele Generationen vor einem auch nicht getan haben, obwohl sie auch in großen Nöten waren. Das können wir Normalsterblichen uns gar nicht vorstellen, wie es ist, sein ganzes Leben in so einem Gebäude zu verbringen und zu wissen, das haben 13 Generationen vor mir auch so gemacht. Wahnsinn! Ich persönlich bin dankbar, dass ich in einem modernen Haus wohne, ich weiß nicht, ob ich in einem Schloss wohnen wollte. Mit viel Geld, WLAN und ein bisschen Personal ja. (lacht)

Wie putze ich das? Und wie heize ich das? Das seien heute die Fragen der Schlossbesitzer. Die meisten Schlösser haben uralte Öfen, manche auch Kamine, vor allem in England und Frankreich. So oder so: Es ist saukalt. Habsburg-Lothringen kennt eine Schlossbesitzerin, die im Pelzmantel zu Bett geht, weil sie das Schloss nicht heizen kann. Und kaum hatten die Bewohner eines anderen Schlosses im großen Saal die Kerzen am Weihnachtsbaum angezündet, rasten sie auch schon wieder hinaus, weil sie so froren.

Wäre jetzt nicht 2017, sondern 1917, wie würde ich Sie ansprechen?

Dann würden Sie mich mit Erzherzog Eduard ansprechen und ich würde, da ich von der ungarischen Linie der Habsburger bin, wahrscheinlich in einem Schloss in der Nähe von Budapest wohnen. Meine Karriereaussichten wären aber sehr beschränkt. Dass ich Medienreferent für einen Bischof bin oder für Servus TV Sendungen mache oder Romane schreibe, das wäre völlig undenkbar gewesen. Damals gab es einen überschaubaren Pulk von Erzherzögen, etwa 27. Die hatten eine ganz klare Karriere vor sich – das war das Heer. Punkt. Deshalb hätte ich eigentlich auch damals nicht so gerne gelebt, denn es war eine enge Welt, in der man sich nicht entfalten konnte.

Wie beginnt ein typischer Tag im Leben des Eduard Habsburg?

Jeder Tag beginnt und endet mit meiner Familie. Unsere Grundaufteilung ist: Ich kümmere mich um das Aufstehen, das Frühstück und das Zur-Schule-gehen, tagsüber übernimmt meine Frau, abends bin ich dann wieder im Einsatz. Ich habe sechs Kinder, alles Töchter. Vier sind unter 13 Jahre alt, da wird einem nie fad.

Wären Sie eine Frau würde ich jetzt wohl fragen: Wie schaffen Sie Karriere und sechs Kinder unter einen Hut zu bringen?

Das ist eine sehr kluge Frage, die natürlich auch Männern gestellt werden sollte. Tatsächlich ist es, wenn man so will, die größte Baustelle. Wir wohnen in einem Haus an der Grenze zwischen Wald- und Weinviertel, ziehen jetzt aber zu acht nach Wien auf 150m². Das klingt total verrückt, aber die Idee kam von unseren Kindern. Sie wollten noch für ein paar Jahre als echte Großfamilie zusammenwohnen. Also ja, Familie hat für mich immer die oberste Priorität.

War für Sie immer klar, dass Sie viele Kinder möchten? Mit sechs Kindern ist man ja nicht gerade die Durchschnittsfamilie?

Ich erinnere mich noch, als ich früher gesagt habe, dass ich fünf Kinder habe. Das war gerade noch ‚tolerabel‘. Wenn ich aber heute sage, dass wir sechs Kinder haben, dann klappt beim Gegenüber immer der Mund auf! Meine Frau und ich hatten beide Geschwister, von daher war uns wohl schon immer klar, dass wir dem was abgewinnen können. Unsere Idee war aber: Wir bekommen jetzt mal eines und dann schauen wir, ob noch Platz ist. Es war, wie man sieht, noch viel Platz. Und Geschwister sind einfach etwas Großartiges. Es ist sensationell zu sehen, wie Geschwister immer und überall voneinander lernen, allein schon wenn sie gemeinsam am Tisch sitzen… wenn einfach immer wer für einen da ist. Da ist die Großfamilie schon etwas Großartiges.

Dazu gleich eine Klischee-Frage: Ist Ihre Frau auch adelig?

Ja, aber das ist wirklich nur Zufall! Früher war das noch ein Thema, da ging es um Vermögen und Erbe. Heute spielt es keine große Rolle mehr – zum Glück.

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Ist es ein schweres Erbe, als Habsburger durchs Leben zu gehen?

Nein, es ist ein Luxus. Ich habe die Freiheit der Moderne, kann aber aus einer reichen Vergangenheit schöpfen. Es ist ja so, wäre ich vor hundert Jahren auf die Welt gekommen, mein Leben wäre vordefiniert gewesen. Es wäre ganz klar gewesen, wen ich hätte heiraten müssen, welchen Beruf ich hätte ergreifen müssen. Ich weine der „guten, alten Zeit“ nicht nach.

Apropos Moderne: Sie twittern, sind auf Facebook und im Hause Habsburg für die Kommunikation zuständig. Wie läuft das ab?

Es ist jedenfalls sehr spannend. Hin und wieder suche ich beispielsweise auf Twitter nach dem Hashtag „Habsburg“ und schaue, was da so abgeht. Dabei hab ich vor ein paar Wochen einen Tweet entdeckt: Ein junger Amerikaner fragt sich, wie es das gibt, dass die Habsburger noch leben und sogar noch etwas Einfluss haben. Ich hab ihm dann frei nach „Pinky and the Brain“ geantwortet, er soll nur warten, bis wir die Weltherrschaft an uns reißen. Und als er mir nicht so recht glauben wollte, dass ich ein ‚echter‘ Habsburger bin, hab ich ihm den Beweis dank Wikipedia erbracht. Das sind unterhaltsame Momente. Aber natürlich gibt es auch gerade in diesen Tagen Herausforderungen. Es jährt sich der Erste Weltkrieg und wir müssen uns damit auseinandersetzen. Karl Habsburg, als Chef des Hauses ist er für alle Habsburger verantwortlich, und ich haben schon vor einiger Zeit erkannt, dass wir auch intern darüber reden müssen. Für viele von uns ist das ja gar nicht mehr präsent und die Frage, wie man zur eigenen Vergangenheit steht, oft nicht leicht zu beantworten. Meine Tochter hat mich etwa gefragt, ob die Habsburger schuld sind am Ersten Weltkrieg. Das ist schon eine relevante Frage für uns, wir sind ja nicht alle Historiker und können das einordnen und argumentieren.

Und? Sind Sie schuld?

Wir haben intern eine Gruppe eingesetzt mit Historikern, haben geschaut was die Forschung sagt und haben unsere Wordings abgestimmt. Selbstverständlich hatte Kaiser Franz Josef eine Mitschuld, so wie viele andere Staatsführer damals auch. Aus einem regionalen Balkankrieg wurde ein Weltkrieg. Nach dem Attentat gab es vier Wochen Zeit, diesen Stein, der ins Rollen gebracht wurde, irgendwie zu stoppen. Aber das geschah nicht, daran haben viele Mitschuld. Auch wir sehen uns heute in einer Mitverantwortung. Wir müssen uns damit auseinandersetzen. Uns fragen, was wir daraus lernen können. Für uns ist jedenfalls klar, dass auf die Geschehnisse niemand stolz sein braucht.

Wie viele Personen zählt das ‚Haus Habsburg‘ eigentlich?

Zählt man nur die Namensträger, dann sind es rund 400 Personen. Der Name wird ja in der Regel nur von den Männern übernommen, so gesehen sind wir noch viel mehr. Meist kennt man aber nur einen Bruchteil, eben jene, die geografisch in der Nähe leben. Ein Anliegen von Karl ist, dass er die Familie zusammenbringen will. Wir waren etwa vor einiger Zeit für drei Tage auf Madeira, 100 Habsburger haben wir am Grab von Kaiser Karl zusammengebracht. Viele von uns vernetzen sich auf Facebook, da betreue ich eine Gruppe und versuche alle zusammenzuführen. Es ist ein großartiges Geschenk, wenn man rund um den Globus Familie hat. Wenn du verreist und am anderen Ende der Welt Cousinen leben, die dich willkommen heißen.

Die Situation des Adels ist in Österreich und Deutschland sehr unterschiedlich. In Deutschland gibt es ihn nämlich noch, in Österreich bekanntlich nicht. Ist das auch Thema?

Wir haben in deutschen und österreichischen Schlössern gedreht. Was mich immer wieder umhaut, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit einem deutsche Adelige ihren vollen Titel „Fürst so und so“ entgegenknallen. Ich bin es gewohnt, wenn ich „Habsburg“ sage, meine Stimme zu senken, um in Österreich nicht aufzufallen. Österreichische Adelige haben andere Wege, ihr Biotop zu pflegen, der Titel ist da nicht so wichtig.

Ist der Name Habsburg ein Nachteil?

Als Habsburger ist es nicht immer leicht, es ist, wie wenn man einen ständigen Scheinwerfer über sich trägt. Wenn ich einen Unfall baue, steht nicht in der Zeitung „Niederösterreicher überfährt Mann“, sondern „Habsburger überfährt Mann“ oder „Bischofssprecher“, je nachdem was gruseliger ist. (lacht) Es ist eine gewisse Aufmerksamkeit da, die man aber auch total verbocken kann.

Eine Rückkehr der Monarchie ist überhaupt kein Thema mehr?

Karl hat gesagt, dass in unserem Land nicht die Zeit für eine Monarchie ist. Natürlich sind einige der besten Länder Europas Monarchien. Ich kann also an einer konstitutionellen Monarchie nichts Schlechtes erkennen. Der zentrale Vorteil ist wohl, dass Regenten im Bewusstsein aufwachsen, dass sie geboren sind, um ihrem Land zu dienen. Sie kennen ihr Land und die Menschen in- und auswendig, sie müssen sich nicht alle Jahre wählen lassen – das hat natürlich nicht nur Vorteile, schon klar. Ich habe viele dieser jungen Monarchen bzw. Thronfolger in Europa kennengelernt und bin überzeugt, dass sie ihren Ländern sehr gut dienen werden. Aber für Österreich ist dafür nicht die Zeit, das ist kein Thema.

Wie lernt man denn den Thronfolger von Spanien kennen?

Man kann sagen, dass man sich unter Adeligen anders behandelt. Unter ehemals Regierenden ist das nochmal etwas spezieller. Prinz Felipe von Spanien hab ich beispielsweise vor Jahren auf einer Hochzeit der Prinzessin von Jordanien kennengelernt. Mit Willem-Alexander, dem heutigen König der Niederlande, bin ich bei dieser Hochzeit am Strand spazieren gegangen und habe mit ihm stundenlang über Demokratie gesprochen, über den Luxus, aber auch den Albtraum des Jobs, wenn der beste Freund der Leibwächter ist. So lernt man diese Leute halt kennen. Aber ich würde um nichts in der Welt mit ihnen tauschen wollen.

Ein Habsburger als Sprecher von Bischof Küng – welch Klischee. Wie ist der Bischof als Chef?

Ja, da kann man schon ein Klischee darin sehen. Als Medienreferent beobachte ich Medien und bringe mich ein, ich spreche aber nicht in seinem Namen, das kommt schon alles von ihm selber. Als Chef ist er unglaublich cool. Das klingt zwar seltsam für einen Mann mit 73 Jahren, aber er ist es tatsächlich. Schon alleine, dass er sich auf mich eingelassen hat! Ich bin ja doch eher unkonventionell. Er verbringt naturgemäß viel Zeit auf der Rückbank von Autos, da schreibt er ständig an seinem Communicator. Ich maile ihm Texte, er verbessert sie und mailt sie ganz selbstverständlich schon nach wenigen Minuten zurück – mit 73 Jahren! Andere würden da höchstens handschriftliche Korrekturen machen.

Wie kamen Sie zu dem Job – und muss man sich da nicht öfters verbiegen?

Ich hatte mir gedacht, als Drehbuchautor und Vater von sechs Kindern wäre es nicht schlecht, wenn man auch ein regelmäßiges Einkommen hätte. Ich hab dann einen Radius um meinen Wohnort gezogen und überlegt, wo könnte man mich brauchen. Ich hatte ihn schon einmal getroffen und habe mich dann bei ihm vorgestellt, gesagt was ich kann und gefragt, ob er mich brauchen kann. Ein halbes Jahr später kam der Anruf. Und zum Thema Verbiegen: Ich kann katholisch. Ich habe sechs Kinder, er ist Familienbischof – da verbindet uns ein zentrales Thema. Bischof Küng weiß über die Probleme von Familien Bescheid, ich lebe sozusagen das vor, was er predigt. Wenn man so will, lebe ich das Idealbild der Kirche.

STAMMBAUM

Der Sohn von Michael Habsburg-Lothringen (*1942) und Christiana, geborene Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (*1940), ist verheiratet und zog vor Jahren mit seiner Frau nach Österreich, wo die Familie (sechs Töchter) an der Grenze von Wald- und Weinviertel und in Wien lebt. Derzeit lebt der Vater von sechs Kindern mit seiner Ehefrau in Wien und wird wohl in Kürze in den Vatikan übersiedeln. Mit Ungarn verbindet ihn nicht zuletzt auch die Verwandtschaft zu Georg Habsburg Lothringen, einem Sohn von Otto von Habsburg und Enkel des letzten österreichischen Kaisers. Sein Großvater väterlicherseits war Erzherzog Josef Franz von Habsburg-Lothringen (1895-1957). Bewegt man Finger an der historischen Ahnentafel entlang, so landet man irgendwann bei Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth – Eduard Habsburg ist ihr Urururenkel.

Seit November 2016 ist Eduard Habsburg-Lothringen Ritter des Orden vom Goldenen Vlies. Ungarischer Botschafter beim Heiligen Stuhl und beim Souveränen Malteserorden. 2015 wurde Eduard Habsburg-Lothringen zum ungarischen Botschafter beim Heiligen Stuhl ernannt. Am 7. Dezember 2015 erhielt er von Papst Franziskus das offizielle Beglaubigungsschreiben. Er ist zudem Botschafter Ungarns beim Souveränen Malteserorden in Rom. Eduard Habsburg-Lothringen ist als Sohn des in Ungarn geborenen Michael Habsburg ebenso wie sein Vater auch ungarischer Staatsbürger.

Eduard Habsburg gehört zur ungarischen Linie der Habsburger. Sie geht auf Erzherzog Joseph Anton Johann Baptist von Österreich (1776-1847) zurück, der 1795 zum Regenten von Ungarn und ein Jahr später zum Palatin von Ungarn ernannt wurde. Seine Nachkommen bilden als Linie „Erzherzog Joseph“ bzw. „Palatin-Linie“ einen ungarischen Zweig des Hauses Habsburg-Lothringen, die durchgehend bis zu ihrer Flucht 1944 in Ungarn lebten.

Gäbe es noch Adelstitel, so würden wir ihn heute übrigens mit „Erzherzog“ ansprechen. Was aber etwas weniger beeindruckend klingt, wenn man weiß, dass es dann noch rund 200 weitere Erzherzöge gäbe. Ob er denn eine Chance auf den Thron hätte, sozusagen im internen Habsburger-Ranking? „Ich bin der ältere Sohn des jüngsten Habsburgers der jüngsten Linie, müsste also ein Blutbad anrichten, um Kaiser zu werden, und hätte als Familie nur noch meinen Bruder“, meint Habsburg ironisch. Seinen deutschen Pass hat er noch – einen österreichischen noch nicht, „weil mir irgendwie bis dato das Beantragen eines österreichischen Passes zu aufwändig war“, wie er im Gespräch erzählt.

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WORK IN PROGRESS

Die ersten Publikationen des jungen Eduard Habsburg waren wohl eher was für Feinspitze der katholischen Theologie und Philosophie. Nach seinem Studium an der „Katholischen Universität Eichstätt“ promovierte er magna cum laude über „Das Ende des Neuthomismus“ (eine Philosphie des Thomas von Aquin). Massentauglicher waren da wohl eher seine Drehbücher für Filme wie „Der Weihnachtshund“ (2004), „Zwei Weihnachtshunde“ (2005) sowie SOKO Donau (ab 2005). Er verfasste gemeinsam mit Regisseur Thomas Imbach das englischsprachige Drehbuch für den Kinofilm Mary Queen of Scots (2013). An der theologischen Fakultät im schweizerischen Lugano wirkte er kurzzeitig als Professor und hielt auf Italienisch Blockseminare über Comics und Philosophie. 2008 erschienen sein erster Roman „Die Reise mit Nella“, eine Übersetzung eines christlichen Kinderbuchs und im Thiele-Verlag zwei Bände der Serie „Die Welt in 60 Minuten“. Dabei erfährt der Leser in einer Stunde alles Wissenswertes zum Thema „James Bond“ bzw. „Harry Potter“ – denn „zu beiden Figuren weiß ich einfach alles.“

2014 strahlte Servus TV die ersten Folgen der Docutainment-Serie „Wo Grafen schlafen“ aus. Dort liegt auch momentan der Fokus des Habsburgischen Schaffens: „Ich freue mich auf vier weitere Folgen auf ServusTV, zudem wird es eine zweite Staffel geben.“

Im Frühjahr 2008 erschien sein erster Roman Die Reise mit Nella und in der Folge mehrere Romane und Sachbücher. Im Jahr 2008 übersetzte Habsburg zudem das christliche Kinderbuch Was eine Messe wiegt von Josephine Nobisso ins Deutsche. Von 2009 bis 2014 war er Medienreferent von Bischof Klaus Küng in der Diözese St. Pölten.

Auch als Autor ist er „immer am Schreiben. Momentan arbeite ich an meiner großen, fast ungesunden, Leidenschaft – den Horrorromanen. Oder vielleicht wird’s ja auch ein Zombiefilm – ich liebe Zombiefilme! Vielleicht mach ich da mal was Österreichisches draus?“

WO GRAFEN SCHLAFEN (BUCH & TV)

Begonnen hat es als Buch im Jahr 2011. In seinem Buch „Wo Grafen schlafen“ (C.H. Beck). Eduard Habsburg stellt vor, was in einem Schloss wo ist und warum. Wobei er, eine ununterbrochene Erbfolge angenommen, selbst kein Graf wäre, sondern ein Erzherzog. Er ist ein Urururenkel von Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sisi. Ein Schloss besitzt er auch nicht, aber er hat als Kind viel Zeit in einem verbracht, bei seinem Großvater auf Schloss Bronnbach im Taubertal (das ein ehemaliges Kloster war). Sein Schluss: „Ein Schloss ist, was die Leute in der Umgebung Schloss nennen“, schreibt Habsburg-Lothringen. Unter Adeligen gibt es noch eine andere Definition: Ein Schloss ist ein Schloss, wenn es mehr als ein Treppenhaus hat. Im deutschsprachigen Raum reiste er herum und portraitierte Schlösser und ihre Eigentümer. Dabei tritt Eduard Habsburg erstmals in seinem Leben vor die Kamera und führt gemeinsam mit Schauspielerin Jessica Schwarz auf humorvolle Art und Weise durch bezaubernde Gemäuer.

Neben historischen Erzählungen, dargebracht auf kurzweilige und unterhaltsame Art und Weise, wird auch gezeigt, wie das Leben in den Schlössern heute abläuft. Für die klischeehafte Prinzessinnen-Romantik ist dabei wenig Platz, viel erfährt man aber über die tagtäglichen Probleme, die 240 Fenster, 13 Küchen, 26 Hektar Landschaftspark etc. mit sich bringen. Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen ist der Besitz eines Schlosses eine echte Belastung. Man lebt in so einem Gebäude eher spartanisch und führt einen harten wirtschaftlichen Überlebenskampf. Das möchte ich mit meinem Buch zeigen. Luxus darf man allerdings meist nicht erwarten. Viele Schlösser haben auch heute noch Plumpsklos.

Eduard Habsburg, der manchmal von Aristo-versiertem Schlosspersonal mit seinem korrekten Titel – „Kaiserliche Hoheit“ – angesprochen wird, selbst aber keinen Wert darauf legt, will in seiner Serie „Schlösser als das zeigen, was sie sind“. Nämlich einerseits ein Märchen, ein Traum. „Anderseits die blutige Realität, wie das ist, so ein Gebäude zu erhalten.“ Reich an Steinen, also steinreich, sind die Besitzer. Meist verschlingen Erhaltung und Reparaturen ein Vermögen. Deshalb öffnen viele ihre Gemächer und vermieten sie zu durchaus günstigen Preisen an Touristen, die das Flair genießen.

Als perfektes Ferienparadies für Familien empfiehlt der 48-Jährige mit dem Bubengesicht vor allem Burg Clam und Schloss Altenhof in Oberösterreich. „Carl Philip Clam Martinic und seine französische Frau sind ein junges, wahnsinnig nettes Schlossherrenpaar.“ Der junge Graf serviert den Gästen das Frühstück selbst und macht Führungen. Ein richtiges Burg-Erlebnis erwartet die Besucher der bodenständigen Blaublütler: Vom Kerker bis zum 41 Meter hohen Turm, vom mittelalterlichen Schau-Schwertkampf bis zur Bierverkostung. Heute sind Aristos nicht mehr so zugeknöpft.

Die dicken Mauern, der Geruch von jahrhundertealten Möbeln, Gemälden und Vorhängen, lange Gänge und große Festsäle sind Eduard Habsburg vertraut. Als Kind, das in München in einer kleinen Wohnung mit den Eltern aufwuchs, verbrachte er oft die Ferien im Schloss seines Großvaters Karl Fürst zu Löwenstein in Bronnbach. Seither liebt er diese teils prachtvollen, teils urigen Bauten und die Geschichten hinter den edlen Gemächern.

Durch eine Kastanienallee fährt man hinauf zum Anwesen von Norbert Salburg-Falkenstein und seiner schwedischen Frau Anne. „Das Schloss Altenhof ist hoch über einem Tal. Eine der schönsten Aussichten, die ich auf der Welt kenne.“ Habsburg, James-Bond- und Harry-Potter-Experte und -Fan, schwärmt vom Schlossherren, der „selber auf der Baustelle im Hof stand und Ziegel geschleppt hat“. Heute ist Altenhof im Mühlviertel ein Juwel, und Feriengäste, die Wohnungen im Schloss mieten, sind gerne gesehen. Dazu werden viele Aktivitäten geboten: Vom Tennis im Schlosspark über Fischen und Reiten bis zur Jagd.

„Schlösser sind das ultimative Erlebnis für den modernen Menschen des 21. Jahrhunderts – etwas zutiefst Entspannendes. Sie sind ein Gegengift zu unserer hektischen, multimedialen, dauerbeschallten Zeit.“ Habsburgs Tipp: Handy abschalten, es funktioniert dort meist eh nicht. Noch zwei Ratschläge gibt der Historiker Schloss-Besuchern, die zum ersten Mal unter einem Dach mit Grafen schlafen: „Erstens, sagt niemals ,Mahlzeit‘ oder ‚Guten Appetit‘ beim Essen. Schweigen oder ein kurzes Gebet, sonst nichts . Zweitens, fragt nicht, wo das Klo oder die Toilette ist, fragt nur, wo ihr euch die Hände waschen könnt.“ Wenn man Pech hat, geht es einem wie einst Jessica Schwarz, die sich an Habsburgs Anweisungen hielt, nach einer Händewaschmöglichkeit fragte und dann in die Küche geschickt wurde.

„Wenn wir als Familie auf Urlaub fahren, muss ich immer die Frage stellen, wo kommen wir zu acht unter, was kostet ein Hotel?“, erklärt der Erzherzog mit ungarischem und deutschem Pass bei einem Paar Würstel mit Saft. Deswegen verbringen Eduard Habsburg-Lothringen, Ur-Ur-Ur-Enkel von Kaiserin Elisabeth, seine Frau und ihre sechs Kinder die Ferien meist bei Verwandten, die genügend Platz für eine Großfamilie haben. „Ein Hotel für acht Personen kann man sich nicht leisten. Wir fliegen fast nie, ist zu teuer.“ Und Skifahren geht nur, „weil meine Eltern ein Haus in der Steiermark haben, wo wir uns alle in die Zimmer stopfen“. Im alten Toyota-Achtsitzer, in dem seine sechs Kinder Platz haben, fährt die Großfamilie auch manchmal zu gastfreundlichen Haus- oder Schlossbesitzern.

20. März 2017 at 06:26 Hinterlasse einen Kommentar

Impressionen aus den Lavanttal

Durch den zufälligen Aufenthalt in St. Andrä, im Kärtner Lavanttal, in welchem die Redaktion unseres Stammhaus recherchierte, kam es zu einem einem familiären, privaten Treffen, bei welchem der Prätendent und Majordomus des Hauses Grafschaft sowie Mitglieder des Stammhaus Montfort sichtlich ihren Spaß hatten. Mag. Harald le Bene de Monteforti nutze die Möglichkeit zu einem intensiven, gemeinsamen Gespräch am Kamin.

Wie leben die Nachkommen der Habsburger heute? Die Habsburger haben mehr als 600 Jahre lang die Geschichte Europas geprägt wie niemand sonst. Nach dem ersten Weltkrieg folgte der Niedergang: Enteignet und vertrieben, wurden sie in Österreich zu Feindbildern. 100 Jahre danach gibt es in der ganzen Welt etwa 600 Menschen mit dem Familiennamen Habsburg. Die Macht ist weg, der Mythos aber ungebrochen. Der einstige Glanz des Hauses Habsburg lockt noch immer unzählige Touristen nach Österreich. Die Hofburg, Kaiser Franz Josef und vor allem Kaiserin Sisi sind die Herzstücke von Werbekampagnen aller Art und so quasi sinnstiftende Nationalidentität. Die echten Habsburger spielen in dieser Operette nur eine Nebenrolle und führen heute ein Leben abseits von Glamour und Macht. Ab und zu ein paar Statements über die Vergangenheit, sonst weitgehend ein Alltag ohne Öffentlichkeit.

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Nach Ihrer Hochzeit vor zwei Jahren in Ihrer Heimat St. Andrä im Lavanttal wird man sie künftig vermutlich nicht mehr mit dem Namen Habsburg-Lothringen sondern mit Fairfax ansprechen. Werden sie den Namen dennoch weiterverwenden?

Elmerice Fairfax: Beruflich ja, da mich alle in der Kunstszene unter dem Namen kennen und ich viele Jahre gebraucht habe, um mir als Art Consultant einen Namen zu machen. Den Pass werde ich künftig auf Fairfax ändern, da es Alexander sehr wichtig war, dass unsere Kinder und wir alle den selben Namen tragen. Sein Vater hat mir diese Woche ein von ihm kürzlich geschriebenes Buch geschickt, damit ich mehr über die Fairfax-Familiengeschichte lernen kann.

Konnten Sie nach dem großen Rummel um Ihre Hochzeit nun bei den Flitterwochen auf der Amalfiküste etwas Abstand gewinnen?

Fairfax: Ja, es war einfach herrlich. Es waren aber nur kurze Flitterwochen, fünf Tage, denn im September fahren wir dann für längere Zeit nach Afrika. Ich bin von der Amalfiküste sehr begeistert, wir haben in den Gebäuden einer ehemaligen Kirche gewohnt (Chiesa dell’Anuziata), welche vielen Besuchern als eines der Wahrzeichen Ravello’s bekannt ist – ein Freund von uns hat sich vor ein paar Jahren die Klostergemäuer gekauft und die Kirche wird heutzutage für Konzerte verwendet. Zudem haben wir uns von einem Restaurant zum anderen durchgekostet. Wer kann schon der italienischen Küche widerstehen? (lacht).

War Ihnen der Rummel und der Stress um die Hochzeit zu viel?

Fairfax: Nein, es ging eigentlich. Wir haben manchen Medien abgesagt, weil es sonst einfach zu viel geworden wäre. Das muss nicht sein. Ich bin auch nicht jemand, der gerne fotografiert wird und in der Öffentlichkeit steht. Ich war aber sehr überrascht, nachdem ich die Fotos in manchen Lokalzeitungen, Boulevartblätter und auch Adelsinterna gesehen hab. Dank der guten Fotographen ist doch hier und da was draus geworden (lacht). Eine Hochzeit ist zudem etwas Privates und viele unserer Gäste wollten auch nicht fotografiert werden.

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Was war das Highlight der Hochzeit in Ihrer Heimat?

Fairfax: Das kann ich so nicht sagen, denn wir haben wirklich jeden einzelnen Moment durch und durch genossen. Das haben mir auch meine Freundinnen von Anfang an geraten und das war gut so. Dank der Hilfe meiner Eltern und Geschwister war alles so gut vorbereitet, dass wir es wirklich einfach genießen konnten. Überhaupt war ich gerührt darüber, dass jeder einzelne etwas beigetragen hat, um unsere Hochzeit unvergesslich zu gestalten – so sind etwa die berittenene Eskorte der „5er Dragoner“ extra mit ihren Pferden angereist und meine Freunde teilweise aus Australien, Brasilien, Venezuela, Norwegen. Nach der Trauung der farbenfrohe Festzug, die Fahrt mit der Kutsche von Heinz Sacher zum Salzburger Hof, wo sie von den „Wolfsberger Jagdhornbläsern“ empfangen wurden. Eine Überraschung meiner Eltern. Ich fand den Gedanken anfangs ein wenig kitschig, aber in dem Moment hat es dann so gut gepasst und ich habe mich riesig gefreut. Die Hochzeitstorte mit den Monumenten aus Marzipan, die die Heimat der Brautleute symbolisierten – die Tower Bridge in London und der „Salzburgerhof“ in St. Andrä, das Familienanwesen der Braut. Der englische Dudelsack von Tom Fairfax. Auch diverse Floristinnen haben am Feiertag mitgeholfen und ihre kostbaren freien Stunden geopfert. Frau Ruthofer hat mir sogar meine Extrawünsche im Schloss erfüllt. Ich wollte nämlich alles mit Apfelbäumen dekorieren und diese halten nun mal im Raum nicht mehr als 24 Stunden (lacht). Ein großes Dankeschön geht auch an Barbara Sumper – ohne ihre Mithilfe und Fingerspitzengefühl hätten die Nerven meiner Mutter und mir nicht gehalten (lacht).

Also waren sämtliche Nationen bei der Hochzeit vertreten?

Fairfax: Ja, mein Vater hat nachgezählt und kam auf 14. Insgesamt waren wir 250 bis 300 Gäste untertags, am Abend aber viel weniger. Mir war es wichtiger, eine kleine aber feine Hochzeitstafel zu haben und mit so vielen wie möglich auch sprechen zu können.

Sie leben derzeit in London. Bleibt das auch so?

Fairfax: Derzeit ja, weil wir beide hier beruflich gefestigt sind. Wir leben in einer Wohnung mitten in London, südlich des Flusses. Es ginge derzeit auch nicht anders, in Österreich könnten wir unsere Berufe so leider nicht ausleben. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass wir einmal nach Österreich ziehen. Außerdem kommen wir regelmäßig nach Hause ins Lavanttal, weil auch Alexander die Berge so liebt. Und ich natürlich sowieso – einmal eine Kärntnerin immer eine Kärntnerin.

Und auf den Bergen haben Sie auch Ihren Heiratsantrag erhalten oder?

Fairfax: Ja, am Kleinalpl. Von dem Fleckchen habe ich ihm immer so vorgeschwärmt, weil ich als Kind sehr viel dort war. Es ist ein herrlicher Platz, man sieht das ganze schöne Tal und noch viel weiter. Aus diesem Grund kommen wir auch immer auf Urlaub ins Lavanttal, ein oder zwei Wochen müssen einfach sein.

20. März 2017 at 06:18 Hinterlasse einen Kommentar

Lavanttal – Ja-Sagen im Schloss oder im Stadl

Die Hochzeit gilt als einer der schönsten Tage im Leben. Im Lavanttal gibt es für Paare immer mehr Möglichkeiten, außerhalb des Standesamtes den Bund fürs Leben zu schließen. Der Ort muss jedoch der Würde des Anlasses gerecht werden.

St. Andrä im Lavanttal ist einer der ältesten Orte Kärntens. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zur Stadt erhoben. Die Wallfahrts- und Hochzeitskirche MARIA LORETO, im Jahr 2014 zur BASILIKA erhoben, mit der Gnadenkapelle der „Schwarzen Madonna“, die Domkirche zum Hl. Andreas sowie zahlreiche Kirchen in und um St. Andrä prägen das Bild einer Stadt mit Geschichte und einer sehenswerten Umgebung.

Nicht nur Tradition, sondern 1000jährige Geschichte hat der Obstbau im Lavanttal.

„Naturerlebnis Landwirtschaft/Brauchtum“, „Naturerlebnis Familienurlaub“ und „Naturerlebnis Freizeitsport“ bieten viele Möglichkeiten Kultur und Brauchtum mitzuerleben.

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Viele Paare wünschen sich daher eine außergewöhnliche Kulisse für ihre standesamtliche Trauung. Im Lavanttal gibt es immer mehr Möglichkeiten, sich außerhalb der Trauungssäle der Gemeinden das Jawort zu geben. Waren in Bad St. Leonhard vor wenigen Jahren Hochzeiten nur im Standesamt möglich, hat man dort jetzt die größte Auswahl an Außentrauungen im Bezirk. Neben Schloss Lichtengraben kann man im Zaubergarten im Trippolts „Zum Bären“ und auf der Moselebauerhütte heiraten.

Die endgültige Entscheidung obliegt jedoch immer dem Standesbeamten. „Das Gesetz sagt, dass die Trauung an einem dem Anlass entsprechenden Ort stattfinden muss. Das ist Auslegungssache, hängt vom jeweiligen Standesbeamten ab und muss im Einzelfall geklärt werden“, sagt Manfred Stückler, Standesbeamter in Bad St. Leonhard, der im Gegensatz zu seinen Kollegen keine Außentrauungen vollzieht. Es gehe ihm um Gleichbehandlung. „Irgendwann muss man nämlich sonst sagen: Dort geht es jetzt nicht mehr.“

Anfragen für ungewöhnliche Orte gibt es auch in St. Andrä: „Wir hatten schon Anfragen von Paaren, die im Schutzhaus auf der Koralpe oder im eigenen Schrebergarten heiraten wollten. Das können wir nicht genehmigen“, sagt der St. Andräer Standesbeamte Walter Greilberger. Aber auch hier gilt: „Im Ausnahmefall kann der Bürgermeister anordnen, dass es doch erlaubt wird.“

Seit eineinhalb Jahren wird der Kulturstadl in Maria Rojach für Außenhochzeiten genutzt. Gut ein Drittel von rund 50 Paaren werden dort jährlich vermählt. In der Gemeinde Wolfsberg erfüllt nur das Schloss als einzige Außenstelle die strengen Anforderungen einer würdevollen, standesamtlichen Hochzeit. „Wir sind mittlerweile viel flexibler geworden, Hochzeiten finden auch im Schlossgarten statt“, sagt Restaurantbetreiber Fritz Stölzl.

Nur in Kombination mit einer kirchlichen Hochzeit kann in St. Paul im Sommerrefektorium des Stifts standesamtlich geheiratet werden. Bis zu fünf Paare geben sich dort pro Jahr das Jawort.

ORTE FÜR TRAUUNGEN

Schloss Lichtengraben: Trauung im Zirbensaal, in der Bibliothek oder im Schlossgarten. Preis auf Anfrage, Platz für 90. Personen.

Restaurant Trippolt „Zum Bären“: im Zaubergarten kostenlos, wenn Empfang oder Tafel im Restaurant stattfinden. Ca. 100 Personen im Freien oder 50 Personen im Restaurant.

Moselebauerhütte: Trauung im Freien oder bei Schlechtwetter kostenlos im Seminarraum in Kombination mit Hochzeitstafel. Preis auf Anfrage, ca. 70 Plätze.

Schloss Wolfsberg: im Wintergarten, Jagdzimmer, Turmzimmer oder Schlossgarten.

Ab 150/250 Euro Saalmiete und bis zu 100 Gäste.

Stift St. Paul: nur in Kombination mit kirchlicher Trauung in der Basilika. Preis auf Anfrage. 120 Plätze im Atrium und 60 im Sommerrefektorium.

Maria Rojach: im Trauungssaal (70 Personen, 200 Euro) oder ganzes Gebäude für 500 Euro und bis zu 350 Personen.

Pack. Im Dom im Wald, ca. 400 Euro, Platz für bis zu 120 Gäste.

20. März 2017 at 06:13 Hinterlasse einen Kommentar

Kaiserurenkel auf dem Weg zur Königsklasse

Fotoshooting mit Gänsehaut. Es ist kalt in der Schönbrunner Wagenburg. Der gruselig-schwarze Leichenwagen verbreitet zusätzlichen Schauer. Bis eine sonnig-jugendliche Stimme den Raum erhellt: „Hi, ich bin Ferdinand!“ Ferdinands dynastischer Familienname ist Historie: Habsburg-Lothringen. Der Urenkel des letzten Kaisers trägt zerschlissene Designer-Jeans, auf dem coolen Flatbrim-Kapperl prangt ein stilisierter Doppeladler.

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Die Fahrzeuge seiner Ahnen sieht er zum ersten Mal. Und Politik ist nicht sein Ding. Der Siebzehnjährige will sich als Rennfahrer etablieren, will Geschichte schreiben: Hoch talentiert, träumt er von der Formel 1. Kaiserprinz und all die anderen Titel trägt er nicht, darf er nicht. Obwohl sogar schon Rapper ein „Prince“ in ihren Künstlernamen quetschen.

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Ferdinand Zvonimir Maria Balthus Keith Michael Otto Antal Bahnam Leonhard Habsburg-Lothringen – Geboren am 21. Juni 1997 als Sohn von Francesca und Karl Habsburg-Lothringen – Er wächst zweisprachig auf, die Mutter spricht nur englisch mit ihm – 2004: Übersiedelt von Salzburg nach Wien, tritt in die Danube International School in Wien ein – Erste Karterfahrung mit acht. Vater Karl schenkt ihm ein Rennkart. Von nun an trainiert Ferdinand fünf Mal die Woche – Alexander Wurz erkennt sein Talent und wird sein Mentor – 2012: Erster Sieg in der Kart-EM – Seit 2014 fährt er Formel Renault. Mama Francesca, Schwester Eleonore, Schwester Gloria und Vater Karl Habsburg sind die größten Coaches.

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Sie haben ihn angetrieben, genervt – das SiegerGen eingeimpft.

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Ferdinand Wurz erkennt sein Talent. Er wird sein Berater. Wurz kennt die Rädchen, die gedreht werden müssen, um in die Formel 1 zu kommen.

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Er will Niki Lauda in dessen Kernkompetenz, der Formel-1, nachfolgen. Da ist es selbsterklärend, dass er die Kinopremieren in Ungarn ebenso wie in Österreich besuchte. „Lauda ist eine wahnsinnig interessante Person. Von dem möchte ich mir vieles abschauen“, schwärmt der kleine Kaiser.

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Was indes das Menschliche betrifft, möchte er lieber nach Kimi Raikkönen geraten: Genauso bescheiden will er bleiben, nur durch Talent und nie durch Eskapaden auffallen. Ferdinand kennt keine Scheu, wenn es gilt, auch berühmte Rennfahrer zu okkupieren, wo immer er eines halbhaft wird. Alexander Wurz hat ihn schon kennengelernt und lobt den auratischen Azubi mit Emphase: „Er ist ein ganz toller Kerl. Natürlich wissen wir, was hinter seinem Namen steckt, und kennen die Verbindung zwischen Österreich und Ungarn. Aber was wirklich hinter Ferdinand Habsburg steckt, ist ein ganz ehrgeiziger, akribischer und talentierter junger Fahrer. Er gibt alles. Mich saugt er förmlich aus.“

Europameisterschaft, Weltmeisterschaft, Formel-1. So lautet der Plan. Doch wer finanziert all das? „Meine Eltern unterstützen mich bei allem, was ich tue. Sie sind zwar selten selbst vor Ort, doch das finde ich gut, da es mir den Druck nimmt.“ Die Mischung ist gut bemessen: Talent und Reichtum. Man erinnere sich an Laudas Anfänge, als er sich mit geliehenen 200.000 Dollar in die Formel 1 einkaufte. Das bleibt dem jungen Habsburger erspart bleiben, dafür bürgen die Eltern mit Sicherheit.

— Werden Sie auch manchmal mit Kaiserliche Hoheit angesprochen?

FERDINAND HABSBURG:

Oft sogar. Speziell auf meiner Facebook-Fanseite. Das finde ich lustig, cool. Ich habe meinen Vater gefragt, was das bedeuten soll. Er hat gemeint, das sei Ausdruck von Respekt unserer Familie gegenüber. Schon irgendwie bemerkenswert.

— Sie hatten schon als Baby Fototermine, in der Schule Geschichtsunterricht über die eigene Familie. Wie war das?

FERDINAND HABSBURG:

Ich bin ja seit Tag eins mit diesen Dingen konfrontiert, ich kenne es nicht anders, darum ist es für mich Normalzustand. Und ich habe auch meinen Namen nicht zum ersten Mal im Geschichtsbuch in der Schule gelesen. Mir wurde lang vorher über unsere Familie erzählt. Die Zusammenhänge habe ich erst mit der Zeit verstanden: Wer was war und wie alles funktioniert hat. Das Lustige ist, ich gehe auf eine internationale Schule und da wird kaum über österreichische Geschichte gesprochen. Insgesamt vielleicht zwei Unterrichtsstunden. Klar, dass ich alles gewusst habe.

Apropos Geschichte: Gibt es da jemanden, mit dem Sie sich gewissermaßen seelenverwandt fühlen, der Sie inspiriert?

FERDINAND HABSBURG:

Ich bin durch die Familiengeschichte stark geprägt und ich versuche, diese Geschichte weiter zu schreiben. Nicht auf politischer Ebene, sondern im Rennsport. Dort will ich ein völlig neues Kapitel öffnen.

Sie wollen also Rennfahrer werden. Wie sind Sie auf dieses Idee gekommen?

FERDINAND HABSBURG:

Durch das Kart. Das erste Mal hat mich mein Vater mit acht Jahren mitgenommen. Obwohl ich damals noch so jung war, wusste ich sofort: Das ist es. Und ich habe vieles ausprobiert: Tennis, Fechten, Kung-Fu. Kart wurde mein Fokus, alles andere habe ich weggeschmissen. Mit zehn Jahren fuhr ich das erste Rennen, da habe ich schon in Wien gelebt. Alles andere hat sich entwickelt, bis hin zur Formel Renault.

— Sie tragen den Doppeladler auf dem Helm und Ihre Website heißt „doubleeagle62“. Ist der Doppeladler Statement oder Tradition?

FERDINAND HABSBURG:

Der Doppeladler war meine Idee. Er ist die direkte Verbindung zu meiner Familie, zur Monarchengeschichte. „Double Eagle“ klingt auch total sportlich, klingt nach Speed. Und die 62 ist meine Glücksnummer, sie wurde mir in meiner ersten internationalen Saison zugeteilt. Jetzt will ich nur noch diese Nummer.

— Wie stehen Ihre Eltern zu Ihrem Berufswunsch Formel-1-Rennfahrer?

FERDINAND HABSBURG:

Viele Leute denken, dass meine Eltern das nicht gut finden. Was nur teilweise stimmt. Meine Mutter ist immer nervös, wenn ich fahre. Wären das nicht alle Eltern, wenn ihr Kind Motorsportler wird? Aber beide unterstützen mich, das ist das Wichtigste. Und solange sie mich nicht abhalten, werde ich unbeirrt weitermachen (lacht).

Während die meisten Rennfahrer noch Winterschlaf hielten, sind Sie in Neuseeland die Toyota-Racing-Series gefahren, mit großem Erfolg. Erzählen Sie uns darüber.

FERDINAND HABSBURG:

Mein Ziel war, dass ich Vollgas gebe, während meine zukünftigen Gegner daheim sitzen, schlafen und vom Rennfahren träumen. Diese sechs Wochen in Neuseeland waren meine stärkste, intensivste Rennerfahrung. Zweimal fuhr ich auf das Podium – Wahnsinn. Irgendwer hat mir dann den Titel „Rainmaster“ verpasst – darauf bin ich sehr stolz. Es passierte im einzigen Regenrennen: Ich fuhr die schnellste Rennrunde, bin von Platz zehn auf zwei vorgefahren. Überraschender Weise habe ich mich auf regennasser Fahrbahn total wohlgefühlt.

War Neuseeland auch so etwas wie ein Abnabelungsprozess, ein jugendlicher Walkabout auf dem Weg zur Unabhängigkeit?

FERDINAND HABSBURG:

Das war es. Es gab anfangs Ärger, weil ich gleichzeitig zur Schule hätte gehen sollen. Meine Lehrer nennen mich eh nur noch den Geist der Schule. In Neuseeland war ich oft allein unterwegs. Bin von Strecke zu Strecke gereist, war für mich verantwortlich: den Pass nicht vergessen, das Hotel bezahlen, auch sportliche Probleme waren zu lösen: Wen frage ich, was das Fahrtechnische anbelangt? An wen wende ich mich, wenn es ums Auto geht? Das war wichtig, nicht nur für meine Persönlichkeit, sondern auch für den Rennfahrer in mir. Wie kann ich ein kompletter Rennfahrer werden, wenn ich nicht weiß, wie ich in gewissen Situationen agieren muss? Einmal wurde ich bestraft, ungerecht, eh klar. Ich wählte bewusst meine Worte, um zu erklären, dass die Strafe nicht gerechtfertigt ist. Es hat nicht geklappt, die Strafe blieb aufrecht – wieder so ein Lernprozess.

Sie gelten als höflicher, gut erzogener Mensch, aber wenn Sie hinter Konkurrenten auftauchen, haben die Panik. Warum das?

FERDINAND HABSBURG:

Ich bin extrem ehrgeizig, bin sehr kompetitiv. Daran haben auch meine Schwestern großen Anteil. Sie habe mich immer gepusht, in allem der Beste zu sein, immer gewinnen zu wollen. Mittlerweile sind diese Eigenschaften Teil meines Rennfahrer-Egos.

10. März 2017 at 07:45 Hinterlasse einen Kommentar

Post vom Prinzen

Zur Person: Ururenkel von Franz Joseph und Sisi

Österreich und Kaiser Franz Joseph – schwer, das eine ohne das andere zu denken. Vor hundert Jahren starb der Regent, der siebzig Jahre lang das Land beherrscht und geprägt hat. Der Kaiser hat Österreich seinen sichtbaren Stempel aufgedrückt. Der imperiale Glanz der Wiener Ringstraße und manches Detail im österreichischen Alltag. Die Habsburg – Monarchie ist vergangen, doch ihr Erbe lebt. Leopold Altenburg, Schauspieler, Regisseur und Ururenkel von Kaiser Franz Joseph I. ist auf den Spuren seiner eigenen Familiengeschichte und gibt ganz private Einblicke in das Leben des letzten großen Monarchen.

Leopold Altenburg: Mir war neu, dass es in der Hofburg an der Tür zwischen den kaiserlichen Appartements eine Klingel gibt, die Franz Joseph benutzen musste, wenn er seine Frau Elisabeth besuchen wollte. War sein Erscheinen gewünscht, gewährte Sisi ihm Einlass und der ganze Hofstaat zog sich zurück. Kam er ungelegen, musste er sein Kommen auf später verlegen und durfte noch einmal klingeln.

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Kaiser Franz Joseph I – es war auch eine sehr persönliche Reise in die eigene Vergangenheit, zu meinen familiären Wurzeln. In Schönbrunn stand ich am Schreibtisch von Franz Joseph. Zu Füßen des Kaisers hat dort mein Großvater Clemens Habsburg Salvator als kleiner Bub spielen dürfen. Wenn man so will, war der Kaiser des Öfteren der Babysitter meines Großvaters. Auch in der Kaiservilla in Bad Ischl durften wir drehen. Hier hat mein Vater während des Zweiten Weltkriegs und in der amerikanischen Besatzungszeit seine Kindheit verbracht. Meine Tante Sissy, Elisabeth Altenburg, erzählt mir so einiges im Gespräch über diese Zeit, und was es mit dem Stein auf sich hat, den der Kaiser zum Aufsteigen aufs Pferd genutzt hat.

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Leopold Altenburg wuchs in Graz auf, studierte am Wiener Konservatorium Schauspiel. Er arbeitet als Clown bei den Roten Nasen in Berlin, ist Schauspieler, Regisseur, Kabarettist und leitet Workshops. Er ist ein Ururenkel von Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth. Weil sein Großvater Clemens Salvator 1930 nicht standesgemäß heiratete, trägt er den Namen Altenburg. Nach Änderungen im Hausgesetz der Habsburger wird er dort nun wieder als Prinz geführt. Bis vor kurzem war meine Abstammung kaum Thema. Der Name Altenburg lässt nicht sofort auf eine habsburgische Abstammung schließen. (Anm.: Altenburgs Großvater Erzherzog Clemens hatte nach damaligem Hausgesetz der Habsburger 1930 nicht standesgemäß geheiratet. Daher änderte er seinen Namen in Altenburg und seine Angehörigen wurden Prinzessinnen und Prinzen). Durch meine privat und beruflich intensive Auseinandersetzung mit meiner Herkunft bekomme ich nun öfter zu hören: „Da schau her, er ist nicht nur Schauspieler und Kabarettist, nein, er ist auch der Ururenkel!“

Die Aufgabe, die neue „Sisi Experience“ bei Madame Tussauds Wien zu eröffnen, sie fiel am Wochenende ihm zu. Im Wiener Madame Tussauds können Besucher Kaiserin Elisabeth, die heuer 180 Jahre alt werden würde, nun ein Stück näher kommen. Das Wachsfigurenkabinett im Prater widmet der Monarchin einen eigenen Ausstellungsbereich mit 3D- Animationen und Geruchserlebnissen.

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Seit Anfang 2016 in Berlin das Musical „Elisabeth“ Premiere feierte und ihn die dortige Presse entdeckte, ist Leopold Altenburg auf eine neue Rolle gebucht: wenn Geschichte auf Unterhaltung trifft, den Ururenkel von Österreichs berühmtestem Kaiserpaar zu geben. Je nach Bedarf eher den von Sisi (wie soeben) oder von Franz Joseph, wie im gerade abgelaufenen Jubiläumsjahr, in dem er sich für den Majordomus und Prätendenz unseres Hauses auf die Spuren seines Ururgroßvaters begab.

„Wenn ich an den Namen Sisi denke, denke ich erster Linie an den Privatmenschen, den Familienmenschen“, sagte Altenburg. Sisi hätten sie schließlich nur ihre nahen Verwandten und ihr Mann, „der Franzl“ genannt. „Für die Öffentlichkeit war sie die Kaiserin Elisabeth.“ Er finde es gut, dass neben der jungen, selbstbewussten Kaiserin auch die ältere, reife und auch gebrochene Frau gezeigt werde. „In allem, was sie getan hat, ist sie weit über die Grenzen gegangen – das hat die Schönheit, den Sport und auch ihre Krankheiten betroffen“, so der Nachfahre des Kaiserpaars. „Das fasziniert natürlich bis heute, dass sie in allem so weit gegangen ist.“

„Wenn ich an den Namen Sisi denke, denke ich erster Linie an den Privatmenschen, den Familienmenschen“, sagte Altenburg. Sisi hätten sie schließlich nur ihre nahen Verwandten und ihr Mann, „der Franzl“ genannt. „Für die Öffentlichkeit war sie die Kaiserin Elisabeth.“ Er finde es gut, dass neben der jungen, selbstbewussten Kaiserin auch die ältere, reife und auch gebrochene Frau gezeigt werde. „In allem, was sie getan hat, ist sie weit über die Grenzen gegangen – das hat die Schönheit, den Sport und auch ihre Krankheiten betroffen“, so der Nachfahre des Kaiserpaars. „Das fasziniert natürlich bis heute, dass sie in allem so weit gegangen ist.“ Es soll nicht nur das romantisierende Bild der schönen Kaiserin gezeigt werden, sondern auch ihre unbekanntere, melancholische Seite.

Altenburg nimmt die neue Aufgabe mit einer Mischung aus Geschichtsinteresse und Humor. Wie viele Ururenkel es außer ihm noch gebe, weiß er dabei gar nicht. „Jedenfalls sehr viele“ – allein seine Urgroßmutter Marie Valerie habe zehn Kinder gehabt. Zur Freude seines Berlines Briefträgers erhält er bis heute zu Weihnachten, Hochzeiten und Todesfällen die obligate Post für „Prinz und Prinzessin.“

Aufgewachsen ist Altenburg in Graz, der Vater arbeitete im Verlagswesen. Daheim ging die „sogenannte Gesellschaft“ aus und ein, man diskutierte Geschichte und Politik, lehrte die Kinder, „sich ihrer Wurzeln bewusst zu sein, sich aber nichts darauf einzubilden“, und im Übrigen anzuerkennen, „dass man in anderen Zeiten lebe – und dass das gute Zeiten sind“. Als drittes von fünf Kindern sei er schon daheim der Clown gewesen, später habe ihn die Bühnenspielgruppe im Gymnasium „angefixt“, ebenso wie die Sommerschule für Theater und Straßentheater. Das Geld dafür habe er sich zuvor als Straßenkehrer verdient, erzählt Altenburg – und beginnt zu persiflieren, wie die Magistratsbeamten Schaufel und Besen hinter dem Busch verschwinden ließen, um im Wirtshaus abzutauchen, sobald sie der Chef in seinem Citroën passiert hatte – und wie sie sich wunderten, warum der junge Kollege so seltsam nach der „Schreib“ sprach.

Dort, im Straßentheater, sagt Altenburg, lägen auch viel eher seine Wurzeln als am Wiener Konservatorium, das er später besuchte. Hier die Begegnung mit Leuten, „die in der freien Szene zu Hause sind, die Schauspieler sind und Regisseure, die Workshops geben und das ganze Spektrum der Kunst nutzen“, dort die Ausbildung mit dem Ziel einer Stelle in einem Stadt- oder Staatstheater. Wobei ihn Lehrerin Elfriede Ott schon fasziniert habe: „Sie ist eine sehr gute Komikerin.“

Zuvor hatte er noch beim Bundesheer in Baden im Offizierskasino als Kellner gedient – den Soldaten sollte er später noch einmal geben, im dritten Studienjahr in Wolfgang Murnbergers „Ich gelobe“, da habe er „dann wirklich robben müssen“. Schon damals absolvierte er seinen ersten Clownworkshop, wenig später war er Teil der neu gegründeten Roten Nasen. Seit seinem Umzug via Bielefeld nach Berlin ist er dort für Kinder, Alte, Psychiatriepatienten, Menschen im Wachkoma oder Flüchtlinge Leo Finow, der Clown.

Er ist Schauspieler, Kabarettist, Regisseur und ein echter Prinz – und was für einer: Ein Ururenkel von Kaiserin Elisabeth von Österreich. Im Alltag verzichtet er gerne auf das “von” und den Prinzentitel. Leopold von Altenburg ist ganz ohne Schloss und Dienstboten aufgewachsen. Seine Eltern legten Wert darauf, dass sich die Kinder nicht all zu viel auf ihre adlige Herkunft einbilden – so waren eher die Kinder die Dienstboten. Trotzdem haben ihn der große Zusammenhalt und die Loyalität in seiner Familie sehr geprägt. In der Schule war Leopold von Altenburg der Klassenclown. Auch heute schlüpft er noch in diese Rolle. Dann ist er in Krankenhäusern und Altenheimen als Klinikclown unterwegs.

Film und Fernsehen:

Leopold Altenburg

Tel.: +49-(0)178-2741367

leopold.altenburg@gmx.de

ZAV – Künstlervermittlung, Berlin

Tel.: +49-(0)30-55 55 99 – 68 43

Email: zav-berlin-kv@arbeitsagentur.de

http://www.zav-kuenstlervermittlung.de

Ansonsten steht er als Schauspieler auf Theaterbühnen und vor der Kamera oder er gibt Regieanweisungen. Einmal ein Drehbuch schreiben, das wünscht sich Leopold von Altenburg. Mit seiner Frau Juliane und den beiden Töchtern lebt er in Berlin. Denn da fühlt er sich wohler als in Wien. Und falls ihn doch einmal das Heimweg packt, dann hört er Austro-Pop.

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Ich bin dort zuhause, wo ich Familie und Freunde habe. Sprich: Dort wo ich mich heimisch fühlen und leuchten kann, bin ich auch schon zu Hause. Und da meine Großfamilie sehr weit verstreut ist, kann das überall sein. Wenn mich die Sehnsucht nach der österreichischen Sprache packt, leg ich schnell eine Ambros-, Fendrich-, Danzer-, STS- oder Goisern-CD auf und sing dazu – zur Freude meiner Frau.

Aus Bielefeld stammt auch sein Entdecken der Kleinkunst; sein Duo Leopold & Wadowski (versoffener Wiener trifft schüchternen Ostwestfalen) ist bis heute – wenn gleich nicht mehr sehr – aktiv. Auch dafür habe sich Berlin als guter Ort entpuppt, „dort gibt es mehrere Open-Stage-Bühnen, wo man sich ausprobieren kann, das hab ich oft gemacht“, und irgendwann wolle er ja auch noch ein Soloprogramm schreiben. In Wien gebe es diese Möglichkeiten kaum, „und wenn, dann wird es gleich zum Wettbewerb“.

Manches sehe er hier freilich positiv, etwa, dass die Künstler vernetzter sind. „Kabarettisten kennen die freie Szene, die kennen Josefstadt und Burgtheater, jeder kennt jeden, und am Ende trifft man sich beim Film.“ Dafür bremse man sich auch gegenseitig, „des kannst net“ höre man oft. Was ihm wiederum gefällt, sei die Tatsache, „dass sich hier das Kabarett mit seiner Geschichte beschäftigt“, statt sich nur mit angloamerikanischen Kollegen zu messen. Die Wurzeln, da sind sie wieder.

http://www.servustv.com/de/Medien/Der-letzte-grosse-Kaiser

http://www.servustv.com/de/Medien/Der-private-Kaiser

Die Faszination am Adel ist doch, dass er NICHT zeitgemäß ist. Figuren wie Könige und Kaiser, Prinzessin und Prinz sind archaische Figuren und erinnern uns an Märchen- und Sagengeschichten. Ich finde es auch interessant, dass der Kaiser sich gerne als archaische Figur gezeigt hat: er war Kaiser, Soldat, Jäger. Und ich selbst bin unter anderem auch Clown. Also auch ein Archetyp. Beschenkt mit der Narrenfreiheit. Gäbe es die Monarchie noch, sähe mein Leben anders aus. Ich könnte kein darstellender Künstler sein, dürfte nicht mit einer bürgerlichen, evangelischen Pastorentochter aus Hamburg verheiratet sein, und Berlin wäre Feindesland. Der Republik hab ich viel zu verdanken. Dennoch ist es wichtig, dass wir uns mit der k. & k.-Monarchie, dem Vielvölkerstaat Österreich auseinandersetzen: Was hat damals gut funktioniert, und woran ist die Monarchie gescheitert?

Es gibt immer wieder schöne Feste wie Hochzeiten, Taufen oder runde Geburtstage, bei denen ich verschiedene Altenburgs, Habsburgs oder meine mütterliche Verwandtschaft, die Waldsteins, treffe. Von der großen, weit verzweigten Familie Habsburg kenne ich einige, aber bei weitem nicht alle. Ferdinand und ich sind uns beim Dreh zum ersten Mal begegnet, aber wir hatten gleich einen familiären Draht zueinander. Und es war natürlich sensationell. mit dem original Auto von Kaiser Karl aus dem Jahr 1914 über den Ring in Spielfeld zu besen – im Schritttempo, wohlgemerkt. Am Steuer der Motorsportler und Urenkel des ehemaligen Besitzers und letzten Kaisers: Ferdinand Habsburg.

10. März 2017 at 07:36 Hinterlasse einen Kommentar

Mitteilung

Im Namen unseres Hauses, dem Prätendent und Majordomus unserer Grafschaft bitten wir unsere treue Leserschaft, unsere Abonnementen, unserer Kunden um ihr Verständnis, das wir unser Presseportal die letzten Monate nicht so gepflegt haben, wie es eigentlich unser Bestreben ist. Wir möchten mitteilen, das wir verschiedene Bereiche unserer Geschäftsstrategien verändert haben. Unter anderem auch das Pressehaus. Der alte Standort sei den Mitarbeitern sehr ans Herz gewachsen. Aber der Verlag entwickele neue Medienprodukte. Vieles davon entstehe im Miteinander über Redaktions- und Abteilungsgrenzen hinweg. Das jetzige Verlagshaus mit vielen Einzelbüros erscheint dafür nicht mehr geeignet. „Es ist Zeit für etwas Neues,“ fasste der Prätendent unseres Hauses den Entschluss zusammen. Neueste Technik sorge für rund 75 Prozent weniger Energieverbrauch, ein Konferenzzentrum mit rund 350 Plätzen ist als Treffpunkt und Veranstaltungsort geplant, variable Raumlösungen sollen projektbezogenes Arbeiten unterstützen. „Es wird ein gutes neues Zuhause für unsere Mitarbeiter“, freute sich der Geschäftsführer der Redaktion unseres Hauses. Wir sind nun in allen wichtigen Bereichen neu strukturiert und aufgestellt. Wir haben zusammengelegt und auch aufgegeben und gekündigt. Wir haben neue Mitarbeiter in unser Haus gewinnen können, die sich so positionieren, das wir auch dem internationalen Geschehen weitgehend aktuell berichten können.

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Verlag, Redaktion des Pressecenter Grafschaft Montfort

10. März 2017 at 07:27 Hinterlasse einen Kommentar


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