Kaiserurenkel auf dem Weg zur Königsklasse

10. März 2017 at 07:45 Hinterlasse einen Kommentar

Fotoshooting mit Gänsehaut. Es ist kalt in der Schönbrunner Wagenburg. Der gruselig-schwarze Leichenwagen verbreitet zusätzlichen Schauer. Bis eine sonnig-jugendliche Stimme den Raum erhellt: „Hi, ich bin Ferdinand!“ Ferdinands dynastischer Familienname ist Historie: Habsburg-Lothringen. Der Urenkel des letzten Kaisers trägt zerschlissene Designer-Jeans, auf dem coolen Flatbrim-Kapperl prangt ein stilisierter Doppeladler.

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Die Fahrzeuge seiner Ahnen sieht er zum ersten Mal. Und Politik ist nicht sein Ding. Der Siebzehnjährige will sich als Rennfahrer etablieren, will Geschichte schreiben: Hoch talentiert, träumt er von der Formel 1. Kaiserprinz und all die anderen Titel trägt er nicht, darf er nicht. Obwohl sogar schon Rapper ein „Prince“ in ihren Künstlernamen quetschen.

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Ferdinand Zvonimir Maria Balthus Keith Michael Otto Antal Bahnam Leonhard Habsburg-Lothringen – Geboren am 21. Juni 1997 als Sohn von Francesca und Karl Habsburg-Lothringen – Er wächst zweisprachig auf, die Mutter spricht nur englisch mit ihm – 2004: Übersiedelt von Salzburg nach Wien, tritt in die Danube International School in Wien ein – Erste Karterfahrung mit acht. Vater Karl schenkt ihm ein Rennkart. Von nun an trainiert Ferdinand fünf Mal die Woche – Alexander Wurz erkennt sein Talent und wird sein Mentor – 2012: Erster Sieg in der Kart-EM – Seit 2014 fährt er Formel Renault. Mama Francesca, Schwester Eleonore, Schwester Gloria und Vater Karl Habsburg sind die größten Coaches.

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Sie haben ihn angetrieben, genervt – das SiegerGen eingeimpft.

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Ferdinand Wurz erkennt sein Talent. Er wird sein Berater. Wurz kennt die Rädchen, die gedreht werden müssen, um in die Formel 1 zu kommen.

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Er will Niki Lauda in dessen Kernkompetenz, der Formel-1, nachfolgen. Da ist es selbsterklärend, dass er die Kinopremieren in Ungarn ebenso wie in Österreich besuchte. „Lauda ist eine wahnsinnig interessante Person. Von dem möchte ich mir vieles abschauen“, schwärmt der kleine Kaiser.

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Was indes das Menschliche betrifft, möchte er lieber nach Kimi Raikkönen geraten: Genauso bescheiden will er bleiben, nur durch Talent und nie durch Eskapaden auffallen. Ferdinand kennt keine Scheu, wenn es gilt, auch berühmte Rennfahrer zu okkupieren, wo immer er eines halbhaft wird. Alexander Wurz hat ihn schon kennengelernt und lobt den auratischen Azubi mit Emphase: „Er ist ein ganz toller Kerl. Natürlich wissen wir, was hinter seinem Namen steckt, und kennen die Verbindung zwischen Österreich und Ungarn. Aber was wirklich hinter Ferdinand Habsburg steckt, ist ein ganz ehrgeiziger, akribischer und talentierter junger Fahrer. Er gibt alles. Mich saugt er förmlich aus.“

Europameisterschaft, Weltmeisterschaft, Formel-1. So lautet der Plan. Doch wer finanziert all das? „Meine Eltern unterstützen mich bei allem, was ich tue. Sie sind zwar selten selbst vor Ort, doch das finde ich gut, da es mir den Druck nimmt.“ Die Mischung ist gut bemessen: Talent und Reichtum. Man erinnere sich an Laudas Anfänge, als er sich mit geliehenen 200.000 Dollar in die Formel 1 einkaufte. Das bleibt dem jungen Habsburger erspart bleiben, dafür bürgen die Eltern mit Sicherheit.

— Werden Sie auch manchmal mit Kaiserliche Hoheit angesprochen?

FERDINAND HABSBURG:

Oft sogar. Speziell auf meiner Facebook-Fanseite. Das finde ich lustig, cool. Ich habe meinen Vater gefragt, was das bedeuten soll. Er hat gemeint, das sei Ausdruck von Respekt unserer Familie gegenüber. Schon irgendwie bemerkenswert.

— Sie hatten schon als Baby Fototermine, in der Schule Geschichtsunterricht über die eigene Familie. Wie war das?

FERDINAND HABSBURG:

Ich bin ja seit Tag eins mit diesen Dingen konfrontiert, ich kenne es nicht anders, darum ist es für mich Normalzustand. Und ich habe auch meinen Namen nicht zum ersten Mal im Geschichtsbuch in der Schule gelesen. Mir wurde lang vorher über unsere Familie erzählt. Die Zusammenhänge habe ich erst mit der Zeit verstanden: Wer was war und wie alles funktioniert hat. Das Lustige ist, ich gehe auf eine internationale Schule und da wird kaum über österreichische Geschichte gesprochen. Insgesamt vielleicht zwei Unterrichtsstunden. Klar, dass ich alles gewusst habe.

Apropos Geschichte: Gibt es da jemanden, mit dem Sie sich gewissermaßen seelenverwandt fühlen, der Sie inspiriert?

FERDINAND HABSBURG:

Ich bin durch die Familiengeschichte stark geprägt und ich versuche, diese Geschichte weiter zu schreiben. Nicht auf politischer Ebene, sondern im Rennsport. Dort will ich ein völlig neues Kapitel öffnen.

Sie wollen also Rennfahrer werden. Wie sind Sie auf dieses Idee gekommen?

FERDINAND HABSBURG:

Durch das Kart. Das erste Mal hat mich mein Vater mit acht Jahren mitgenommen. Obwohl ich damals noch so jung war, wusste ich sofort: Das ist es. Und ich habe vieles ausprobiert: Tennis, Fechten, Kung-Fu. Kart wurde mein Fokus, alles andere habe ich weggeschmissen. Mit zehn Jahren fuhr ich das erste Rennen, da habe ich schon in Wien gelebt. Alles andere hat sich entwickelt, bis hin zur Formel Renault.

— Sie tragen den Doppeladler auf dem Helm und Ihre Website heißt „doubleeagle62“. Ist der Doppeladler Statement oder Tradition?

FERDINAND HABSBURG:

Der Doppeladler war meine Idee. Er ist die direkte Verbindung zu meiner Familie, zur Monarchengeschichte. „Double Eagle“ klingt auch total sportlich, klingt nach Speed. Und die 62 ist meine Glücksnummer, sie wurde mir in meiner ersten internationalen Saison zugeteilt. Jetzt will ich nur noch diese Nummer.

— Wie stehen Ihre Eltern zu Ihrem Berufswunsch Formel-1-Rennfahrer?

FERDINAND HABSBURG:

Viele Leute denken, dass meine Eltern das nicht gut finden. Was nur teilweise stimmt. Meine Mutter ist immer nervös, wenn ich fahre. Wären das nicht alle Eltern, wenn ihr Kind Motorsportler wird? Aber beide unterstützen mich, das ist das Wichtigste. Und solange sie mich nicht abhalten, werde ich unbeirrt weitermachen (lacht).

Während die meisten Rennfahrer noch Winterschlaf hielten, sind Sie in Neuseeland die Toyota-Racing-Series gefahren, mit großem Erfolg. Erzählen Sie uns darüber.

FERDINAND HABSBURG:

Mein Ziel war, dass ich Vollgas gebe, während meine zukünftigen Gegner daheim sitzen, schlafen und vom Rennfahren träumen. Diese sechs Wochen in Neuseeland waren meine stärkste, intensivste Rennerfahrung. Zweimal fuhr ich auf das Podium – Wahnsinn. Irgendwer hat mir dann den Titel „Rainmaster“ verpasst – darauf bin ich sehr stolz. Es passierte im einzigen Regenrennen: Ich fuhr die schnellste Rennrunde, bin von Platz zehn auf zwei vorgefahren. Überraschender Weise habe ich mich auf regennasser Fahrbahn total wohlgefühlt.

War Neuseeland auch so etwas wie ein Abnabelungsprozess, ein jugendlicher Walkabout auf dem Weg zur Unabhängigkeit?

FERDINAND HABSBURG:

Das war es. Es gab anfangs Ärger, weil ich gleichzeitig zur Schule hätte gehen sollen. Meine Lehrer nennen mich eh nur noch den Geist der Schule. In Neuseeland war ich oft allein unterwegs. Bin von Strecke zu Strecke gereist, war für mich verantwortlich: den Pass nicht vergessen, das Hotel bezahlen, auch sportliche Probleme waren zu lösen: Wen frage ich, was das Fahrtechnische anbelangt? An wen wende ich mich, wenn es ums Auto geht? Das war wichtig, nicht nur für meine Persönlichkeit, sondern auch für den Rennfahrer in mir. Wie kann ich ein kompletter Rennfahrer werden, wenn ich nicht weiß, wie ich in gewissen Situationen agieren muss? Einmal wurde ich bestraft, ungerecht, eh klar. Ich wählte bewusst meine Worte, um zu erklären, dass die Strafe nicht gerechtfertigt ist. Es hat nicht geklappt, die Strafe blieb aufrecht – wieder so ein Lernprozess.

Sie gelten als höflicher, gut erzogener Mensch, aber wenn Sie hinter Konkurrenten auftauchen, haben die Panik. Warum das?

FERDINAND HABSBURG:

Ich bin extrem ehrgeizig, bin sehr kompetitiv. Daran haben auch meine Schwestern großen Anteil. Sie habe mich immer gepusht, in allem der Beste zu sein, immer gewinnen zu wollen. Mittlerweile sind diese Eigenschaften Teil meines Rennfahrer-Egos.

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