Das Haus Sayn-Wittgenstein zählt zu den ältesten des deutschen Hochadels

6. Mai 2017 at 13:02 Hinterlasse einen Kommentar

Eine geschickte Heirat machte die Linie Sayn-Wittgenstein-Sayn Mitte des 19. Jahrhunderts sogar für kurze Zeit zu einer der reichsten Adelsfamilien in ganz Europa. Es gibt aber noch zwei weitere Familienzweige der Adelsdynastie: die Linien Sayn-Wittgenstein-Hohenstein sowie Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die eng mit dem dänischen Königshaus verbunden ist.

Beim Fürstenhaus Sayn-Wittgenstein handelt es sich im Grunde um drei Adelsfamilien: bereits 1605 trennte sich die Adelsdynastie in drei Hauptlinien. Die Linie Sayn-Wittgenstein-Hohenstein vertritt Fürst Bernhart und Fürstin Katharina, geb. Gräfin von Podewils-Dürniz mit Erbprinz Wenzel auf Schloss Schwarzenau im Kreis Siegen-Wittgenstein. Katharina zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein leitet als Kunsthistorikerin das Hamburger Büro des Londoner Auktionshauses Sotheby’s.

Sayn-Wittgenstein-Berleburg und das dänische Königshaus

Chef des Fürstenhauses ist Prinz Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg auf Schloss Berleburg, verheiratet mit Prinzessin Benedikte von Dänemark, die jüngere Schwester von Königin Margrethe von Dänemark. Das Paar bewohnt gemeinsam mit Erbprinz Gustav und seiner Freundin Carina Axelsson Schloss Berleburg im Wittgensteiner Land.

Olympiasiegerin Nathalie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

Ihre jüngste Tochter Prinzessin Nathalie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg ist eine preisgekrönte Dressurreiterin. Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 gewann sie mit der dänischen Equipe die Bronzemedaille. Sie züchtet in Berleburg Pferde. Sie heiratete – fast wie im Märchen – den Tischler und Sohn einer deutschen Reitsportlegende Alexander Johannsmann. 2010 kam Sohn Konstantin (Taufpatin: die dänische Kronprinzessin Mary), 2015 Töchterchen Louisa zur Welt.

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Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

Nach ihrer Hochzeit mit Alexander zu Schaumburg-Lippe sorgte Marie Louise zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, genannt Lilly, für den Jet-Set-Glamour und spektakuläre Society-Auftritte in der Familie. Nach ihrer Scheidung war zunächst Schluß mit der Rolle als gefeierte Partyqueen. Sie zog mit Sohn Heinrich Donatus nach München. 2003 heiratete Lilly Sayn-Wittgenstein-Berleburg den griechischen Modedesigner Lambros Milona, lebte mit ihm in Mailand und Verbier und bekam die gemeinsamen Tochter Lana. Das Paar hat sich inzwischen getrennt. Lilly Sayn-Wittgenstein-Berleburg reist heute als Markenbotschafterin für Bulgari durch die Welt.

Adelsfamilie Sayn-Wittgenstein-Sayn – Geschickte Heiratspolitik

Stammsitz der Adelsfamilie Sayn-Wittgenstein-Sayn ist der kleine Ort Sayn am Mittelrhein bei Koblenz. 1828 heiratete Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn erst die sagenhaft reiche Prinzessin Stefania Radziwill, nach ihrem Tod die enorm schöne russische Fürstin Leonilla und ließ für sie das prächtige Schloss im neugotischen Stil umbauen. Doch seine lebenslustigen Söhne verjubelten große Teile des Vermögens.

Wiedererstanden aus Ruinen – Stammschloß Sayn

Aber erst seit dem Jahr 2000 erstrahlt das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stammschloß wieder in neuem, alten Glanz. Der heutige Chef der Adelsfamilie Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn und seine Frau Gabriela hatten es mit Unterstützung des Landesdenkmalamtes wieder aufgebaut. Die beiden haben sieben Kinder, darunter Erbprinz Heinrich (verheiratet mit Donna Priscilla Incisa della Rocchetta) und Prinz Casimir. Der Ex-Frau von Letzterem – Corinna zu Sayn-Wittgenstein (geborene Larsen) – wird übrigens eine Affäre mit König Juan Carlos von Spanien nachgesagt.

Die „Mamarazza“ Marianne (Manni) Sayn-Wittgenstein-Sayn

Prinzipalin des Hauses ist seine Mutter, geborene Freiin Marianne von Mayr-Melnhof. Sie heiratet 1942 den späteren Adelserben. Als Fürst Ludwig 1962 im Alter von 46 Jahren in Sayn von einem betrunkenen Lastwagenfahrer überfahren wird, kehrt die Witwe in ihre Heimat Österreich zurück. Die Mutter von fünf Kindern macht ihr Hobby zum Beruf – Marianne („Manni“) zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wird zur berühmten Fotografin der High Society.

Den von „Paparazzo“ abgeleiteten Spitznamen „Mamarazza“ gab ihr Prinzessin Caroline von Monaco. Für ‘Manni’ stehen als Nachfahrin der österreichischen Kaiserin Maria Theresia selbst im Spanischen Königshaus sonst verschlossene Türen offen. Sie wird zum Tee gebeten und darf überall fotografieren. Von Aristoteles Onassis und Maria Callas über Gianni Agnelli bis zu Romy Schneider oder Luciano Pavarotti, Queen Mum oder König Juan Carlos hatte sie nahezu alle, die in Adelskreisen oder Showbizz Rang und Namen haben, vor ihrer Linse.

Vierzig Jahre lang ist die heute 95jährige zudem gesellschaftlicher Mittelpunkt der Salzburger Festspiele. Bis 2010 lud sie alljährlich Freunde wie Gunter Sachs, Curd Jürgens und zahllose Prominente zum legendären ländlichen Mittagessen in ihr Jagdhaus in Fuschl ein. Leonard Bernstein, Margaret Thatcher, Sean Connery, Bianca Jagger, Thomas Gottschalk, Dennis Hopper oder Prinz Charles mit Camilla: sie alle ließen sich von ihr gern mit Schnitzeln bewirten. ‘Manni’ Sayn-Wittgenstein-Sayn ist 20fache Großmutter, 23fache Urgroßmutter und zweifache Ururgroßmutter. Als ihre Schwiegertochter ist auch die Schauspielerin Sunnyi Melles eine zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Nachruf

Der Prätendent und Majordomus unseres Hauses hat seine tiefe Ergebenheit und Trauer an der Nachricht, das Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg plötzlich in Bad Berleburg verstorben ist, gegenüber der Familie in seinem Mitgefühl und seiner Anteilnahme über den Sterbefall zum Ausdruck gebracht. Die Beileidbekundung wurde in mündlicher Form der Familie ausgesprochen. Prätendent und Majordomus unseres Hauses: „Eine Stimme, die uns vertraut war, schweigt. Ein Mensch, der immer für uns da war, ist nicht mehr. Er fehlt uns. Was bleibt, sind dankbare Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann“.

Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg wurde 82 Jahre alt. Prinz Richard Casimir Karl August Robert Konstantin wurde am 29. Oktober 1934 in Gießen, als das älteste von fünf Kindern von Prinz Gustav Albrecht zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1907-1944 vermisst im Krieg, 1969 für tot erklärt) und dessen Ehefrau Gräfin Margareta Fouché d’Otrante (1909-2005), geboren. Am 3. Februar 1968 heiratete Richard in Schloss Fredensborg Prinzessin Benedikte von Dänemark (*1944), eine der drei Töchter von König Frederik IX. (1899-1972) und seiner Gattin Prinzessin Ingrid von Schweden (1910-2000), und jüngere Schwester von Königin Margrethe II.

Prinz Richard und Prinzessin Benedikte wurden Eltern von drei Kindern: Gustav (*1969), Alexandra (*1970) und Nathalie (*1975). Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg hinterlässt seine Ehefrau, seine Kinder sowie vier Enkelkinder.

Auch ohne Krone lebt es sich ganz komfortabel

Der Wittelsbacher Ausgleichsfonds ist eine diskrete Angelegenheit. Jahr für Jahr fließen daraus rund 14 Millionen Euro an die ehemalige bayerische Königsfamilie. Viel mehr weiß man nicht, denn nicht einmal der Bayerische Oberste Rechnungshof hat Einblick. Was bleibt vom Reichtum der Wittelsbacher, der einstigen bayerischen Herscherfamilie?

Schlösser, Kunst und Grundbesitz – all das wurde nach 1918 aufgeteilt. Einen Teil bekam der damals noch junge Freistaat, den anderen brachten Politik und Unterhändler in den sogenannten Wittelsbacher Ausgleichsfonds ein.

Ein Spaziergang durch die Gartenanlagen vor Schloss Nymphenburg, der einstigen Wittelsbacher Sommerresidenz in München. Hinter Wasserfontäne und Blumenrabatten erstreckt sich die barocke Schlossanlage mit ihrem Zentralbau und je zwei auffälligen Zwillingsgebäuden, links und rechts. In einem wohnt Herzog Franz von Bayern, der Chef des Hauses Wittelsbach. Wäre Bayern noch Monarchie – dann wäre er der König. Für seinen Lebensunterhalt sorgt aber nicht der Freistaat Bayern – sondern der sogenannte Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Das Schloss Nymphenburg gehört seit dem Ende der Monarchie dem Freistaat, 1923 hat sich Bayern mit den Wittelsbachern auf den Ausgleichsfonds geeinigt. Neben den Schlössern haben sich in über 700 Jahren Wittelsbacher Herrschaft auch noch andere Schätze angesammelt. Nach dem Ersten Weltkrieg ist es Politik und Adel gelungen, eine pragmatische und immer noch funktionierende Aufteilung für das Wittelsbacher Vermögen zu finden: Um eine Zersplitterung zu vermeiden, hat man eine Stiftung gegründet.

Der Ausgleichsfonds ist wie eine Stiftung organisiert. Im Stiftungsrat sitzen auch Beamte aus Finanz- und Kultusministerium. Nur der Oberste Bayerische Rechnungshof (ORH) darf seit fast 40 Jahren nicht mehr in die Bücher schauen. Darauf hatten sich Finanzministerium und ORH geeinigt. Die Grünen rütteln sachte am Wittelsbacher Ausgleichsfonds und wollen für den ORH Einblick in die Schatulle. Denn immerhin erwirtschaftet der Ausgleichsfonds so viel Geld, dass immer noch rund zwei Dutzend Wittelsbacher daraus alimentiert werden.

Der Historiker Gerhard Immler ist als leitender Direktor im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zuständig für das Geheime Hausarchiv der Wittelsbacher. Für ihn ist der Ausgleichsfonds ein geglückter historischer Vertrag. Auf seiner Grundlage sind bis heute etwa die von Ludwig dem Ersten gesammelten Kunstschätze in Pinakothek oder Glyptothek dauerhaft ausgestellt. Außerdem sichert er auch den Wittelsbachern bis heute ein Auskommen, ohne dass dies dem Steuerzahler noch Geld kosten würde. Denn: „Die Vermögenserhaltung steht auf jeden Fall auch als ein Zweck dieser Stiftung ganz im Vordergrund. Es werden also immer nur Erträge an die Angehörigen des Hauses Wittelsbach ausgeschüttet. Und man geht nicht etwa daran Bilder aus der Neuen Pinakothek abzuhängen und versteigern zu lassen, nur um das Einkommen von Familienangehörigen zu steigern.“ Die unfassbar wertvollen Rubensbilder und antiken Statuen bleiben also im Wittelsbacher Ausgleichsfond gebunden.

Die Vermögensverwaltung des Ausgleichsfonds erwirtschaftet jährlich rund 14 Millionen Euro an Erträgen für die Wittelsbacher. Und zwar vor allem aus Mieteinnahmen, weil gleich nach dem ersten Weltkrieg einige Landgüter verkauft wurden. Gerhard Immler: „Man hat dann begonnen, den Verkaufserlös in Mietshäuser in München zu investieren und das hat sich langfristig als sehr rentabel erwiesen.“ Darunter solche Perlen wie der Grüne Block an der Münchner Prinzregentenstraße, oder die Arcohäuser – Laden- und Gewerbeflächen in der teuren Fußgängerzone. Die 14 Millionen Euro Erträge teilt Herzog Franz unter den anderen, rund zwei Dutzend Wittelsbachern auf. Wie genau ist geheim. In den Büchern steht der gesamte Immobilienbestand zwar mit 124 Millionen Euro – der Verkehrswert dürfte er aber um ein Vielfaches darüber liegen. Die Verschwiegenheit des Wittelsbacher Ausgleichsfonds ist legendär.

Die Grünen halten das so für nicht hinnehmbar. „Da lebt das adelige Leben fort, obwohl der Adel abgeschafft ist“, sagt Schulze. „Eine Begründung dafür kann es in einem demokratischen Staat eigentlich nicht mehr geben.“ Die Bayerischen Landtagsgrünen wollen deshalb mehr Transparenz für den Souverän – das Bayerische Volk. Und sei es über den unabhängigen Obersten Bayerischen Rechnungshof. Der, so ein Antrag im Landtag, soll den Wittelsbacher Ausgleichsfonds endlich einmal wieder unter die Lupe nehmen dürfen, meint Claudia Stamm von den Grünen. „Es geht uns ganz klar nicht darum den Wittelsbacher Ausgleichsfonds abzuschaffen, sondern es geht uns darum hinzuschauen, geht alles mit rechten Dingen zu. Und da gehört eine Prüfung durch den ORH eindeutig dazu,“ so Claudia Stamm.

Dafür gibt es einige kuriose Details der verworrenen Finanzbeziehungen (siehe unten). Und das Ministerium weist auf einen Umstand hin, der die aus der Zeit gefallene Konstruktion besonders plastisch macht: Wie zu Königs Zeiten bevorzugt der Ausgleichsfonds die männlichen Nachkommen der Familie. Das Geld geht zunächst an die Chefs der jeweiligen Linien der Wittelsbacher. Frauen erhalten nur „bis zu ihrer Vermählung“ Geld aus dem Fonds. Verwitwet die Frau eines Clan-Oberen, wird sie weiter alimentiert – allerdings nur bis zu einer möglichen Wiedervermählung. Gegen die Regelung klagten vor Jahrzehnten mal die Prinzessinnen Hilda, Gabriele und Sophie (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43278738.html) und beriefen sich auf den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz. Erfolglos.

Offiziell ist der Wittelsbacher Ausgleichsfonds eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Der Freistaat nimmt die Aufsicht formell wahr. In den Verwaltungsrat hat sich Herzog Franz aber honorige Persönlichkeiten aus der freien Wirtschaft geholt. Dem Gremium sitzen die Ex-Chefs von Münchner Rück und BMW, Hans-Jürgen Schinzler und Bernd Pischetsrieder vor. Staatsräte aus den Ministerien nehmen an den Sitzungen nur teil.

Der Geschäftsführer des Wittelsbacher Ausgleichsfonds Michael Kuemmerle sieht dafür eigentlich keine Notwendigkeit – schließlich sei man eine Stiftung und erhalte keine Steuergelder.

„Als Stiftung des öffentlichen Rechts unterliegen wir einer Aufsicht des Staates, es gibt entsandte Staatskommissare, die uns kontrollieren im Rahmen ihres Auftrages und wir – wie andere Stiftungen auch – machen einen Jahresabschluss. Das heißt, wir haben einen ganz normalen, geprüften, testierten Jahresabschluss und insofern obliegt es dem ORH ob er ein Interesse hat den Wittelsbacher Ausgleichsfonds zu prüfen.“

Denn bislang gilt eine Vereinbarung zwischen Finanzministerium und Rechnungshof – auf eine Prüfung zu verzichten. Wie so eine Rechnungshof-Prüfung rechtlich überhaupt wieder eingeführt werden kann – das diskutieren gerade die Beamten. Finanzminister Markus Söder hält sie aber ohnehin für unnötig. Die aktuelle Nachfrage sei eine „klassische Neiddiskussion“. Denn der umtriebige Heimatminister weiß halt, wie sehr so ein bisserl Rest-Monarchie den Untertanen das Herz wärmt. Und so müssen wohl alle unter Bayerns weißblauem Himmel, die es ganz genau wissen wollen mit dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds sich Erbsenzähler und republikanische Spaßverderber schimpfen lassen.

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