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Er war der Urenkel von Kaiser Wilhelm II. (†1941)

Wer ist und Wer war Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, der am 29. September 2015 im Alter von 76 Jahren nach schwerer Krankheit starb. In unserem Hausarchiv haben wir ein gemeinsames Gespräch aus 2011 mit Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, über seinen Urgroßvater, den letzten deutschen Kaiser, standesgemäßes Heiraten und den unerfreulichen Erbstreit mit seinem Neffen gefunden.

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Herr Prinz von Preußen, ist es eine Bürde oder ein Privileg, dem Geschlecht der Hohenzollern anzugehören?

Preußen: Schwer zu beantworten. Ich glaube, es ist eher ein Privileg. Aber offengestanden – ich fühle mich wie jeder andere deutsche Staatsbürger auch, mit allen Rechten und Pflichten.

Nur dass Ihre Mitmenschen mit Ihnen vermutlich nicht so umgehen wie mit einem normalen Bürger.

Preußen: Ach wissen Sie, die Begegnungen sind meist positiv. Ich stoße oft auf ein starkes Interesse an meiner Familie. Und weil ich als Historiker über meine Familie geforscht und publiziert habe, kann ich gut darauf eingehen.

Es wird nicht viele Bürger geben, in deren Wohnzimmer ein Foto steht, das sie als Baby auf dem Arm des letzten Kaisers zeigt.

Preußen: Gut, das ist etwas Besonderes. Meinen Urgroßvater Wilhelm II. habe ich natürlich nur als Baby erlebt; da war ich gerade drei Monate alt. Aber meinen Großvater, den Kronprinzen Wilhelm, habe ich noch kennengelernt. Er wohnte nach dem Krieg in Hechingen, dem Stammsitz der Hohenzollern, und hat uns, meinen Bruder Michael und mich, eigenhändig in einem Opel-Cabriolet auf die Burg hinaufgefahren. Das war für uns Steppkes natürlich höchst spannend.

Sie lebten damals nicht dort?

Preußen: Nein, wir wohnten in einem Dorf bei Bremen. Ich bin 1939 in Berlin-Grunewald geboren und in Cadinen in Ostpreußen aufgewachsen. Mein Vater verwaltete dort ein kaiserliches Gut. Am 20. Juli 1944 war mein Vater beim Generalfeldmarschall Georg von Küchler in Königsberg, und der riet ihm, so schnell wie möglich mit seiner Familie weit nach Westen zu fliehen. Die Front sei nicht zu halten.

Ihre Familie ist dann gleich bis zur Weser geflüchtet.

Preußen: Meine Eltern, sechs Kinder und zwei Damen, die uns auf dem ostpreußischen Gut in der Wirtschaft geholfen hatten. Wir lebten in der Villa eines Bremer Kaufmanns, der aus Angst vor der Roten Armee bis nach Südamerika geflüchtet war. Die Kommunisten in der Bürgerschaft empörten sich darüber, dass wir nach Bremen gezogen waren.

Hatten die Kommunisten Angst, dass Ihr Vater die Monarchie wieder einführen würde?

Preußen: Ich weiß auch nicht, warum sie protestierten. Bürgermeister Wilhelm Kaisen, ein alter Sozialdemokrat, hat sich sehr für uns eingesetzt. Er lebte später in unserem Dorf und hatte eine kleine Viehwirtschaft. Meinen Vater hat er immer im Kuhstall empfangen und ihn „Louis Ferdi“ genannt. Ein sehr bemerkenswerter Mann.

Wie haben die Bremer Kinder Sie aufgenommen?

Preußen: In der Schule rief man uns „Kronscheißer, Kronscheißer“ hinterher. Wir verstanden das gar nicht.

War Ihnen denn nicht klar, aus welcher Familie Sie kamen?

Preußen: Überhaupt nicht. Das spielte bei uns zu Hause nicht die geringste Rolle. Meine Eltern hatten während des Krieges und in den Nachkriegsjahren etwas anderes zu tun, als uns einzubläuen, dass wir zum ehemaligen Kaiserhaus gehörten.

In welchem Alter haben Sie dann realisiert, aus welcher Familie Sie stammten?

Preußen: Als ich aufs Gymnasium kam. Ein Geschichtslehrer meinte, als Prinz von Preußen müsse ich besonders gute Geschichtskenntnisse haben. Hatte ich aber nicht, und das war blamabel. Also begann ich, meinen Vater über die Familie auszufragen.

Trauerte man in Ihrer Familie den alten Herrscherzeiten hinterher?

Preußen: Nein, überhaupt nicht. Die waren froh, den Krieg überlebt zu haben.

Hat Ihr Vater gedient?

Preußen: Mein Onkel Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen und ältere Bruder meines Vaters, wurde 1940 im Frankreichfeldzug schwer verwundet und starb dann. Bei seiner Beerdigung standen in Potsdam 50 000 Menschen schweigend Spalier. Daraufhin hat Hitler den gesamten Hochadel aus der kämpfenden Truppe herausgenommen.

Werden Sie heute noch manchmal mit Königliche Hoheit angeredet?

Preußen: Ja, das kommt vor.

Und? Wie reagieren Sie?

Preußen: Ich lasse es geschehen. Die Menschen, die mich so ansprechen, werden sich etwas dabei denken. Die bürgerliche Anrede ist allerdings „Prinz von Preußen“. Nachdem der Adel 1918 abgeschafft worden war, wurden die Adelsbezeichnungen Namensbestandteil.

Ziemlich großzügig, finden Sie nicht?

Preußen: Stimmt, für eine sogenannte Revolution war das schon ziemlich bemerkenswert. Die Adelsbezeichnungen hätten ja auch, wie in Österreich, gänzlich abgeschafft werden können. Aber die Weimarer Republik war auch sonst sehr großzügig.

Womit zum Beispiel?

Preußen: Sie haben meinem Urgroßvater erlaubt, 59 Eisenbahnwaggons mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen aus den preußischen Schlössern nach Doorn ins holländische Exil holen zu lassen.

Sind Sie Republikaner?

Preußen: Ja, ich bin Republikaner, voll und ganz.

Die königlichen Familien Europas sind durch jahrhundertelange Heiratspolitik verwandt und verschwägert. Haben sich diese Kontakte erhalten?

Preußen: Einer meiner Taufpaten war der spätere König von Dänemark, Friedrich IX. Die spätere Königin der Niederlande, Juliana, war meine Patentante, und auch die Mutter des jetzigen Königs von Schweden, Prinzessin Sibylla, deren Mann leider bei einem Flugzeugunfall ums Leben gekommen ist. Man sieht sich häufiger. Ich habe zum Beispiel Kontakt zu Königin Beatrix und meiner Cousine Königin Margrethe von Dänemark. Sie ist auch die Patentante meines Sohnes Friedrich Wilhelm.

Ist der Kontakt zu den britischen Royals, den Windsors, ähnlich eng?

Preußen: Windsor heißen sie ja erst seit dem 17. Juli 1917. Bevor sie sich im Krieg umbenannten, waren sie noch Sachsen-Coburg-Gotha – ein deutsches Fürstenhaus. Das Verhältnis zu den Engländern war natürlich seit dieser Zeit immer etwas angespannt, obwohl ich mit Prinz Charles einige sehr freundliche Begegnungen hatte.

Die beiden Weltkriege wirken bis heute nach?

Preußen: Ich denke, dass die kriegsbedingten Animositäten für die Generation von Prinz William nun keine Rolle mehr spielen.

In welcher Sprache wird auf Ihren Familienfeiern gesprochen?

Preußen: Mit den Windsors haben wir nur Englisch gesprochen.

Und die Dänen?

Preußen: Königin Margrethe spricht fließend Deutsch, aber als ich bei ihr zu Gast war, habe ich hauptsächlich Französisch gesprochen, weil ihr Mann Prinz Henri Franzose ist und sie untereinander Französisch sprechen.

Wird im Hochadel streng nach regierenden und nicht mehr regierenden Familien unterschieden?

Preußen: Nein, die ehemals Regierenden werden so behandelt, als ob sie noch regieren würden. Das fand ich immer sehr souverän und kollegial. Ein regierender König wird natürlich am Tisch besser platziert als jemand, der aus einem nicht mehr regierenden Königshaus kommt. Das kann man nachvollziehen. Aber die Titulaturen, die man hier meist gar nicht mehr kennt, sind bei solchen Anlässen natürlich noch gang und gäbe.

Und wie verhält man sich gegenüber der verarmten osteuropäischen Verwandtschaft, etwa den Bulgaren?

Preußen: Bei König Simeon von Bulgarien steht auf sämtlichen Karten „S. M.“, Seine Majestät. Bei Konstantin von Griechenland spielt England noch eine große Rolle. Wenn einer aus seiner Familie heiratet, kommt sogar die Queen.

Wenn Sie der oder Ihrer dänischen Cousine begegnen, redet man sich mit Vornamen an?

Preußen: Ja, nur mit Vornamen. Die Queen ist für mich Tante Elizabeth.

Die Performance Ihrer Vettern und Cousinen auf den Thronen Europas ist sehr unterschiedlich. Was macht einen erfolgreichen Monarchen heutzutage aus?

Preußen: Im Gegensatz zum deutschen Kaiserreich, das eine konstitutionelle Monarchie war, haben wir es heute mit parlamentarischen Monarchien zu tun. Die königlichen Familien können von den Parlamenten abgesetzt werden. Wenn die Performance nicht stimmt, wie Sie es nennen, können sie jederzeit in Rente geschickt werden. Aber bislang halten sie sich alle, also müssen sie doch irgendeine positive Ausstrahlung haben, oder?

Sie haben ihre Krone aber nicht für hervorragende Leistungen bekommen, sondern qua Geburt.

Preußen: Wenn sie völlig unqualifiziert wären, hätten die Parlamente sie aber schon lange abgesetzt. Es sind doch undankbare Jobs. Diese Familien haben nichts zu sagen, und die Journalisten ziehen über sie her.

Der Chef des Hauses Hohenzollern, Ihr Neffe Prinz Georg, hat einmal in einem Interview erklärt, er sei bereit, im Falle des Falles die Kaiserwürde wieder anzunehmen, dazu fühle er sich verpflichtet.

Preußen: Wenn er das so sieht, ist ihm das unbenommen. Aber schon zu Zeiten meines Vaters waren weniger als ein Prozent der Deutschen für die Monarchie.

Welche Mitglieder Ihrer Familie bewundern Sie?

Preußen: Den Großen Kurfürst, Friedrich Wilhelm. Als er 1640 in Brandenburg an die Regierung kam, fand er ein Land vor, das vom Dreißigjährigen Krieg verwüstet und entvölkert war. Was tat er? Er holte Migranten ins Land, die Hugenotten aus Frankreich und Holländer aus der Heimat seiner Frau Luise Henriette von Oranien. Friedrich II. führte diese Politik weiter und sagte, wenn Türken kämen und wollten das Land peuplieren, würde er ihnen Moscheen bauen. Friedrich der Große ist mein Lieblingsverwandter.

Welches Familienmitglied sehen Sie am kritischsten?

Preußen: Meinen Urgroßvater. Er war ein Unglück – für Deutschland und für unsere Familie. 1888 bestieg er den Thron, 30 Jahre später hatte er die Monarchie verspielt. Wilhelm II. hat 1914 versagt. Er wollte den Krieg zwar nicht und war kein Militarist, auch wenn er zehnmal am Tag die Uniform wechselte. Aber er hat keinen ernsthaften Versuch unternommen, den Krieg zu verhindern.

Und nachdem Ihr Urgroßvater abgedankt hatte, ließ sich Ihre Familie auch noch mit den Nazis ein.

Preußen: Der vierte Sohn des Kaisers, Prinz August Wilhelm, wollte schon 1930 der NSDAP beitreten. Der Kaiser war strikt dagegen, aber der Prinz drohte ihm: Wenn du mir das verbietest, werde ich bei Hitler oder Göring vorstellig. Er hat sich damit durchgesetzt.

Dabei hat der Ex-Kaiser selbst auf die Nazis gesetzt und davon geträumt, mit ihrer Hilfe in Deutschland wieder die Monarchie einzuführen.

Preußen: Eine Zeitlang meinte er, er könne den Schwung der Nazis ausnutzen, aber das war naiv. Hitler hätte nie einen Kaiser über sich geduldet. Am Ende hat er Hitler allerdings durchaus kritisch gesehen.

Kaiser Wilhelm hat noch im Exil darauf beharrt, dass der Erstgeborene nicht Erbe und Chef des Hauses werden kann, wenn er nicht ebenbürtig heiratet.

Preußen: Das führte dazu, dass mein Vater meinen jüngeren Bruder zum Erben und Chef des Hauses bestimmte. Als dieser bei einem Manöverunfall 1977 zu Tode kam, ernannte er meinen einjährigen Neffen Prinz Georg als dessen Sohn zum Nachfolger. Denn als mein Bruder die Gräfin Donata zu Castell-Rüdenhausen heiratete, glaubte er, dass nun wenigstens einer seiner Söhne eine standesgemäße Ehe zustande gebracht habe.

Das war doch der Fall.

Preußen: Eindeutig nicht. Die Familien, die in der zweiten Abteilung des Genealogischen Handbuchs der Fürstlichen Häuser stehen, waren für die erste Abteilung, zu der wir gehören, nicht ebenbürtig.

Das müssen Sie uns erklären.

Preußen: In der ersten Abteilung sind die regierenden und ehemals regierenden Häuser, die Regenten Europas verzeichnet. Das sind insgesamt 42 europäische Häuser. Die Mitglieder der ersten Abteilung wurden wegen der hoheitlichen Stellung ihrer Häuser mindestens mit dem Prädikat Hoheit beziehungsweise Königliche oder Kaiserliche Hoheit versehen. Die Fürsten zu Castell sind keine dieser dynastischen Familien, sondern gehören zur zweiten Abteilung …

… und sind damit für einen Prinzen von Preußen eine Mesalliance, eine Missheirat?

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Friedrich Wilhelm von Preußen mit Gattin Sibylle – Waltraud Freydag 14. April 1940-2010, Heirat am 22. August 1967. Die Ehe wurde 1975 geschieden. (1 Kind); Ehrengard von Reden, Heirat am 23. April 1976. Die Ehe wurde 2002 geschieden. (3 Kinder); Sibylle Kretschmer, Heirat am 23. März 2004.

Preußen: Nach den strengen Maßstäben der alten Hausgesetze und des Kaisers – ja. Ich war in zweiter Ehe mit einer Frau uradliger Herkunft verheiratet, da war der Bruch der alten Hausgesetze offensichtlicher.

Ist das noch zeitgemäß?

Preußen: Nein, es war auch nie zeitgemäß, denn seit der Goldenen Bulle 1356 wurde in einem Regentenhaus nie der unstandesgemäß Heiratende selbst enterbt. Man wurde als Kron- oder Erbprinz geboren. Unsicherheiten über die Nachfolge hätten unnötige politische Unruhe geschaffen. Einzig dessen Nachfahren wurden von der Erbfolge ausgeschlossen. Bis auf eine Ausnahme sind alle europäischen Thronfolger und selbst der japanische Kaiser Akihito mit bürgerlichen Frauen verheiratet.

Sie haben 1994, nach dem Tod Ihres Vaters, gegen Ihre Enterbung geklagt und als Erstgeborener das Erbe beansprucht. Wie ist das Verfahren ausgegangen?

Preußen: Es ist noch nicht abgeschlossen. 2004 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die sogenannte Ebenbürtigkeitsklausel sitten- und verfassungswidrig ist. Daraufhin musste sich das Landgericht Hechingen erneut mit dem Fall befassen und entschied, dass der gesamte Erbvertrag von 1938 hinfällig sei.

Welche Konsequenzen hatte diese Entscheidung?

Preußen: Der Beschluss machte meinen Vater, der aufgrund des Erbvertrages lediglich ein einflussloser Vorerbe sein sollte, der auch keine Erbenbestimmung hätte vornehmen können, zum Vollerben. Nun konnte er im Rahmen seiner Testierfreiheit einen Erben einsetzen – und durch die Hintertür wurde damit die vom Verfassungsgericht als sittenwidrig bezeichnete Ebenbürtigkeitsregelung durch seine Erbenbestimmung weiter praktiziert. Die ganze Situation ist für uns sehr erniedrigend und in hohem Maße unerfreulich.

Ihr Neffe Prinz Georg, der Chef des Hauses, hat sich verlobt.

Preußen: Mit einer Prinzessin von Isenburg.

Ebenbürtig? Erste Abteilung?

Preußen: Nein, nicht nach unseren alten Hausgesetzen.

Wenigstens Protestantin?

Preußen: Nein, auch nicht. Sie ist katholisch.

Herr Prinz von Preußen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

5. Juli 2017 at 05:17 Hinterlasse einen Kommentar

Affären – Still behandelt

Der 1968 in Eutin geborene Vater von sechs Kindern ist ein Enkel von Louis Ferdinand von Preußen und der erste Sohn von dessen erstem Sohn, Friedrich Wilhelm von Preußen, und der Bürgerlichen Waltraud Freydag.

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Kein Wunder, dass er als Jugendlicher mit seinem Namen unglücklich war. Eine Zeitlang studierte er inkognito. Heute steht er zu seiner Herkunft, „aber ich gehöre nicht dazu“. Dennoch hält er die Monarchie in Deutschland für wünschenswert. Ihr traut er eine stärkere Vermittlung von Werten, Stabilität und Orientierung zu. „Royals stehen für Traditionen, sie haben einen starken Werbeeffekt, und die märchenhaften Avancen beglücken unser Herz.“ Bundespräsidenten blieben nur mit Worten in Erinnerung. „Diese Ebene der Worte ist nötig, aber sie berührt Menschen nicht im Innersten. Es geht kein Ruck durch Deutschland. Erst wenn unser Herz angerührt wird, fühlen wir uns angesprochen. Wie viele Leute schauen denn königliche Hochzeiten im Fernsehen und freuen sich über königlichen Nachwuchs, wie jetzt in Monaco?“ Seine eigenen sechs Kindern kennen die Familiengeschichte. „Sie wissen aber, dass es wichtiger ist, zu Gottes Familie dazuzugehören. Das bewahrt sie vor adeligem Dünkel.“

Zaghafter Beifall erklingt, als die Kinder singen. Die Anspannung weicht aus dem Gesicht des neuen Pfarrers. Philip Kiril Prinz von Preußen hat gerade seine Predigt beendet, seine sechs Kinder singen mehrstimmig ein englisches Loblied und die Gemeinde klatscht dankbar. Es war ein langer Weg bis zu diesem Moment am Sonntagnachmittag, als der Prinz von Preußen in sein Amt als Pfarrer der evangelischen Gemeinde von Birkenwerder (Oberhavel) eingeführt wird. Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers ist wegen seiner Äußerungen und Schriften umstritten. Er schreibt für die konservative Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“, die von Politikwissenschaftlern als „Sprachrohr der Neuen Rechten mit Brückenfunktion zum Rechtsextremismus“ bezeichnet wird. In einer Fernsehsendung von Frank Plasberg hat er sich öffentlich für die Wiedereinführung der Monarchie ausgesprochen. Auch wegen seiner konsequenten Haltung gegen Abtreibung wird er kritisiert. Er selber sieht sich anders: „Ich passe in keine Schublade. Manche sehen mich als zu konservativ, andere wieder als zu modern.“ Auf jeden Fall sei er von der Bibel überzeugt als Grundlage seiner Arbeit.

Als Kind und Jugendlicher erlebte ich von Mitschülern und sogar einer Lehrkraft viele negative Reaktionen. Daher habe ich bis zirka 24 meinen Namen eher versteckt und nur als „Philip Preußen“ studiert. Durch ein Schlüsselerlebnis und mit Gottvertrauen im Gepäck habe ich dann aber erkannt, dass mein Name, meine Herkunft Aufgabe und Chance bedeutet. Seitdem stehe ich zu meiner Herkunft und setze den damit verbundenen Aufmerksamkeitsfaktor als Hebel zur positiven Wertemultiplikation ein. Es gibt auch heute noch Menschen, die von negativen Vorurteilen bestimmt sind, wenn sie meinen Namen hören. Gerade auch in meiner Landeskirche habe ich den Eindruck, dass manche meiner Vorgesetzten einen Hohenzollern eher als Belastung sehen statt als große Chance. Und sicherlich gibt es vor allem im linken Spektrum der Gesellschaft nach wie vor einige Antipathien. Aber bei meinen Mitmenschen stoße ich meistens auf positive Offenheit und große Sympathien. Und spätestens wenn man mich persönlich kennenlernt, sind die meisten angenehm überrascht, weil ich ohne Dünkel daherkomme.

Mein Großvater Louis Ferdinand hat leider aufgrund seiner im Zwei-Klassen-Denken verhafteten Gesinnung entschieden, seine beiden ältesten Söhne wegen bürgerlicher Heirat – also dem, was heute üblicherweise als royale Märchenhochzeit in den europäischen Königshäusern ganz selbstverständlich ist – zu enterben. Das war überaus tragisch und töricht. Er hat dadurch nicht nur Ehen und Familien zerstört, sondern unbewusst auch die Axt an den Zusammenhalt des Hauses Hohenzollern gelegt. Dort, wo heute noch Familientreffen der Hohenzollern stattfinden, ist es ganz entgegen der Preußischen Maxime mehr Schein als Sein. Bestimmte Familienmitglieder, auch ich, werden systematisch ausgegrenzt und wurden über Jahre teilweise juristisch angegangen.

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In der Kurzatmigkeit und steigenden Orientierungslosigkeit unserer Tage wirkt ein Königshaus als Garant von Stabilität und Beständigkeit. Schauen Sie auf unsere Bundespräsidenten seit 1949: Elf an der Zahl – und die beiden Vorgänger von Joachim Gauck traten vorzeitig zurück. Wenn wir demgegenüber nach England blicken: Queen Elizabeth II., die jüngst ihr 60. Kronjubiläum feierte. Über 60 Jahre Kontinuität und Stabilität! Sodann das Argument des nationalen Zusammenhalts: Belgien ist gespalten in Flamen und Wallonen, aber das Königshaus wirkt wie eine patriotische Klammer. In allen Monarchien erleben Sie das: Ein König, eine Königin eint das Land! Zustimmungen von Rechts und – etwas weniger – auch von Links, von Arm und Reich, von Alt und Jung. Jüngst erst wieder das Oranje-Fest, der Königstag in den Niederlanden: Ein Land taucht auf Straßen und Plätzen in die Farben des Königshauses und jubelt ihm zu. Und bei uns käme noch hinzu: Auch Ost und West würden dadurch emotional besser verbunden. Derzeit haben wir solche enge patriotisch-emotionale Verbundenheit nur auf den Fanmeilen zur WM oder EM alle zwei Jahre jeweils für einige wenige Wochen.

Mit einem König oder einer Königin wären wir auch schlagartig das leidige Thema Bereicherung im Amt los, das bei Wulff das Amt des Staatsoberhauptes so peinlich beschädigt hat. Das hat ein Monarch schlicht nicht nötig. Noch etwas Wirtschaftliches: Alt-Bundespräsidenten kosten nur, Könige kurbeln gleichzeitig Konsum – Kleidung von Kate und Baby-George regelmäßig ausverkauft – und Tourismus – Buckingham Palace – an!

Und dann die Aura einer Königsfamilie – was für ein Prestigegewinn für ein Land. Das entscheidende Argument ist aber: Nur eine Königsfamilie kann über Generationen hinweg das emotionale Vorbild sein, das uns in Deutschland so schmerzlich fehlt. Die TV-Quoten bei den Hochzeiten der europäischen Königshäuser beweisen das. Und sind die Royals mal nicht so vorbildlich, wirkt auch das noch indirekt wertestabilisierend. Denn „bei Hofe“ achtet die Presse genau darauf, dass das Sehnsuchts-Ideal erfüllt werden möge: Eine glückliche Ehe und eine harmonische Großfamilie. Betrügt ein Royal seinen Ehepartner, ist das ein Skandal – und das ist gut so! Geht hingegen bei uns ein Minister fremd oder ist ein Bundespräsident wiederverheiratet – nachdem er, noch verheiratet mit der ersten Frau, seine Geliebte schon geschwängert hatte! – ist das angeblich egal oder gar modern. Wir brauchen die Monarchie gegen das emotionale Wertevakuum. Und gegen die demografische Krise: Was für ein Hype um Baby-George – und so geht das jedes Mal, wenn ein Kronprinzenpaar frisch verheiratet ist und über die Jahre als junges Paar: „Wann bekommen sie endlich ein Kind? Ach ist es süß! Wann kommt das nächste?“ Das ist viel effektivere mediale Werbung für Kinder – die überdies nichts kostet – als alle Initiativpapiere oder Kampagnen der Familienministerin zusammen.

5. Juli 2017 at 05:14 Hinterlasse einen Kommentar

Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen (Historiker)

Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen (* 9. Februar 1939 in Berlin; † 29. September 2015 ebenda) war ein deutscher Historiker und Angehöriger des Hauses Hohenzollern, das bis 1918 die preußischen Könige und deutschen Kaiser stellte.

Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen wurde 1939 als Sohn von Louis Ferdinand von Preußen, bis 1994 Chef des Hauses Hohenzollern, und dessen Ehefrau Kira Kirillowna Romanowa in Berlin-Grunewald geboren. Er war das älteste von sieben Kindern und der erste Urenkel Kaiser Wilhelms II., der zwei Jahre nach der Geburt seines Urenkels starb. Seine frühe Kindheit verbrachte Prinz von Preußen im ostpreußischen Cadinen, bevor sich die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig im Bremer Ortsteil Borgfeld ansiedelte.

Nach dem Besuch des Hermann-Böse-Gymnasiums in Bremen und dem Abitur am Internat Schloss Plön studierte Prinz von Preußen Geschichtswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und erlangte im Februar 1971 bei Hans-Joachim Schoeps mit der Dissertation „Die Reichsgründung im Spiegel neutraler Pressestimmen“ den Grad eines Doctor philosophiae.

Wer über einen eindrucksvollen Erbtitel verfügt, der braucht nicht unbedingt noch einen Doktor, um seinen Namen zu schmücken. Das würde in jedem Fall erklären, warum es Adelige gibt, die sich in ihren Doktorarbeiten etwas weniger Mühe geben als andere Akademiker. Der in der letzten Woche bekannt gewordene Fall Karl Theodor von und zu Guttenberg ist hier nicht der einzige: Bereits in den 1970er Jahren erregte der Hohenzollern-Prinz Friedrich Wilhelm Aufsehen, als herauskam, dass er es bereits vor der Massenverbreitung des elektronischen Kopierens und Einfügens von Text fertigbrachte, eine Doktorarbeit in weiten Teilen abzuschreiben, anstatt aus den benutzten Texten eigene Erkenntnisse zu gewinnen.

Nach mehr als 20 Semestern Geschichte und Politikwissenschaften hatte der Prinz probiert, über „Die Reichsgründung im Spiegel neutraler Pressestimmen“ zu promovieren. Bei diesem Versuch kopierte er allerdings über zwei Drittel der Dissertation aus drei bereits erschienenen Arbeiten, aus denen er auch gleich die Fußnoten zu den Zeitungsartikeln übernahm, die er eigentlich direkt hätte auswerten sollen. Ähnlich wie in Guttenbergs Dissertation gab es in den Übernahmen nur vereinzelte Änderungen von Wörtern, die möglicherweise gar nicht auf den Prinzen, sondern auf Korrekturleser zurückgingen.

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Das merkte jedoch nicht der Doktorvater des Prinzen, der für einen Geschichtsprofessor auch für manches andere bemerkenswert blind war: Hans-Joachim Schoeps war Jude – und ein glühender Verfechter des Nationalsozialismus. Selbst als Otto Strasser, der den deutschen Juden die Gelegenheit zur Assimilation geben wollte, längst ins Ausland geflüchtet war, stand Schoeps noch der von ihm gegründeten pro-nationalsozialisitischen „Gefolgschaft deutscher Juden“ vor und schwärmte davon, dass Hitler „Deutschland vor dem Untergang“ retten würde. Als Schoeps trotz seiner Begeisterung aus rassischen Gründen keine Karriere machen durfte, wanderte er 1938 nach Schweden aus. Nach dem Krieg besetzte er einen zur Wiedergutmachung an der Universität Erlangen eingerichteten Lehrstuhl für Religions- und Geistesgeschichte und forderte die Wiederherstellung Preußens sowie die Rückkehr zur Monarchie.

Doch wo dem Professor vielleicht das Preußen-Fantum die Sicht trübe, da war Martin Winkler, ein Angestellter der damaligen Staatsbibliothek in Marburg aufmerksamer: Ihm kamen die angeblich ganz frischen Erkenntnisse so bekannt vor, dass er sie mit den älteren Werken verglich und eine weitgehende Identität feststellte. Das führte dazu, dass der von Schoeps eigentlich mit „cum laude“ benotete Prinz seinen mittlerweile fast zwei Jahre alten Doktortitel „freiwillig“ aufgab.

Was bleibt, ist das Ende vorigen Jahres mit leichter Titeländerung von der Göttinger Verlagsanstalt herausgebrachte Buch**“ auf dessen Klappe der aberkannte akademische Grad noch immer aufgeführt wird. Schon vor Erscheinen hatte die Verlagswerbung darauf hingewiesen, daß dieses Werk „als Dissertation vorgelegen“ habe – was zweifelsfrei zutrifft. Wäre die Doktorarbeit, die nun keine mehr ist, nicht so auffällig veröffentlicht worden, sondern ungedruckt „in den diversen Bibliotheken verschimmelt“ (Schoeps), hätte der Prinz seinen Titel vermutlich noch heute. Doktorvater Schoeps: „Der Prinz hat“s doch selber an die große Glocke gehängt, die Eitelkeit stellte hier ein Bein.“

** „Bismarcks Reichsgründung und das Ausland“, 296 Seiten;

Aufgrund der Hinweise des Marburger Bibliothekars Martin Winckler wurde allerdings ein Gutachten erstellt mit dem Ergebnis, dass Prinz von Preußen mehr als zwei Drittel des Inhalts aus fremden Werken übernahm, was im Juli 1973 zum Verlust des Doktorgrades führte (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41955163.html). 1981 wurde Prinz von Preußen erneut an der Ludwig-Maximilians-Universität promoviert mit einer Doktorarbeit über seine Familie. In der Arbeit „Die Hohenzollern und der Nationalsozialismus“ zeigte er auf, dass sein Großonkel August Wilhelm von Preußen ein „leicht braun Angehauchter“ war. Seine Doktorväter waren Gerhard A. Ritter und Thomas Nipperdey.

Allerdings war die Geschichte damit noch nicht zu Ende, denn der mit reichhaltigen Erbressourcen ausgestattete Friedrich Wilhelm gab 1981 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München einfach noch einmal eine geschichtswissenschaftliche Doktorarbeit ab, die entweder den Kriterien genügte oder die sich bisher noch niemand genau genug angesehen hat, obwohl sie das Verhältnis der Nationalsozialisten zu den Hohenzollern behandelt. Seitdem veröffentlicht der Prinz mit dem werbewirksamen Namen, der sich in der Presse als „von Haus aus Historiker“ darstellt, immer wieder Bücher zu geschichtlichen Themen.

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1967 heiratete Friedrich Wilhelm in Plön Waltraud Freydag (1940-2010), mit der er den Sohn Philip Kiril (* 1968) bekam. Da er keine hausgesetzmäßige Ehe einging, schloss ihn sein Vater von der Erbfolge aus. Friedrich Wilhelm wie auch sein ebenfalls betroffener jüngerer Bruder Michael von Preußen akzeptierten diese Regelung zunächst. Als zukünftigen Chef des Hauses bestimmte sein Vater seinen Enkel Georg Friedrich von Preußen, dessen Vater Louis Ferdinand Prinz von Preußen 1977 an den Folgen eines Manöverunfalls bei der Bundeswehr verstorben war.

5. Juli 2017 at 05:10 Hinterlasse einen Kommentar

Dafür hat sich das Gespött wohl gelohnt

Der hässliche Hirschgeweih-Hut, den Prinzessin Beatrice bei der Hochzeit ihres Cousins Prinz William und seiner Kate trug, ist für unfassbare 81.100,01 Pfund bei Ebay versteigert worden. Das sind rund 92.900 Euro!

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Der viel diskutierte Hut der 22-Jährigen war der Renner. Der Erlös soll an das Kinderhilfswerk Unicef und an die eigens für die Auktion gegründeten Aktion Children in Crisis (Kinder in der Krise) gehen, hatte Beatrices Mutter, Sarah Ferguson, erklärt. Den Hut hatte der irische Promi-Designer Philip Treacy kreiert, der auch die Hüte für Prinz Charles‘ Ehefrau Camilla oder Victoria Beckham entworfen hat.

Beatrice war damit ungewollt zur Facebook-Sensation geworden.

Auf einer „Fan“-Seite des sozialen Netzwerks mit dem Titel „Princess Beatrice’s Ridiculous Royal Wedding Hat“ machten sich Zehntausende über ihren „lächerlichen königlichen Hochzeitshut“ lustig. Der zu einer Schlaufe geformte blassrosafarbene Hut wurde mit Elchgeweihen, Innereien, einer Brezel und außerirdischen Wesen verglichen. Treacys Hüte können mehr als 3000 Dollar kosten.

5. Juli 2017 at 05:06 Hinterlasse einen Kommentar

König Salman reist mit schwerem Gepäck

Während die Zimmersuche im Vorfeld des G20-Gipfels für US-Präsident Trump zur Nervenprobe wird, darf es sich der saudische König Salman in der Royal Suite des „Vier Jahreszeiten“ gemütlich machen. Nicht ohne meinen Thron!

Der saudische König Salman bringt zum G20-Gipfel in Hamburg in der kommenden Woche seinen Thron mit und lässt den Herrschersessel in einem Luxushotel aufstellen. Der Direktor des „Vier Jahreszeiten“, Ingo Peters, sagte dem Magazin „Der Spiegel“, dass die Delegation der Golfmonarchie insgesamt 400 Hotelzimmer in Hamburg gebucht habe, davon allein 160 im „Vier Jahreszeiten“. Und der Monarch hat offenbar weitere Sonderwünsche.

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Für die Suite des Königs lasse das Hotel temporär Panzerglas vor den Fenstern montieren und Wände umsetzen. Im Grunde sei die Royal Suite aber viel zu klein für den König. Der Monarch brauche große Empfangsräume. „Unsere Festsäle haben in etwa das Format königlicher Wohnzimmer und werden mit Sofas und anderen Möbeln für die Zeit seines Aufenthalts zu Lounges und Wohnbereichen umgebaut“, sagte Peters. „Dort wird auch der Thron stehen, den der König mitbringen wird.“

Die größte Herausforderung für das Hotel sei aber die Logistik. Alle Gäste kämen zugleich an und würden sofort etwas wollen. Das Gepäck werde in fünf 7,5-Tonnen-Lastwagen gebracht und müsse sehr zügig und fehlerfrei auf die 160 Zimmer verteilt werden. „Das sind alles absolute VVVIPs, die gewohnt sind, dass ihnen mit einem Fingerschnipp auch nachts um drei jeder Wunsch sofort erfüllt wird – und wenn es ein halbes Lamm ist.“

Dem US-Präsidenten Donald Trump musste Peters übrigens absagen. Zum Zeitpunkt der Anfrage sei das Hotel bereits ausgebucht gewesen. „Ich musste letztlich neun oder zehn Anfragen abschlägig bescheiden, darunter eben auch eine aus den USA“, so der Hotelier. Medienberichten zufolge blieb die Suche der US-Delegation nach einem Hotelzimmer in Hamburg erfolglos – sie musste auf Berlin ausweichen.

Demnach residiert Trump während des Gipfels im Berliner Hotel Intercontinental am Tiergarten. Das heißt auch, dass er wohl jeden Tag von der Hauptstadt nach Hamburg pendeln muss. Für Peters ist das ganz klar eine Frage der Planung. Salman habe „einen exzellent arbeitenden Reisestab“, so Peters. „Die waren jetzt schon mehrmals im Vorfeld des Gipfels hier, haben alle Suiten und Zimmer fotografiert, Fluchtwege inspiziert und alle nötigen baulichen Veränderungen mit uns geplant“.

5. Juli 2017 at 05:04 Hinterlasse einen Kommentar

Saudi-Arabien tauscht Kronprinz aus

Saudi-Arabien bekommt nach staatlichen Angaben überraschend einen neuen Kronprinzen. Mohammed bin Najef wurde von seinem Posten entbunden und durch den bisherigen stellvertretenden Kronprinzen Mohammed bin Salman ersetzt, wie aus einem am Mittwoch über die Nachrichtenagentur SPA veröffentlichten königlichen Dekret hervorgeht. Mohammed bin Salman gilt mit 31 Jahren als starker Mann Saudi-Arabiens und als Schrecken der internationalen Partner, ebenso wie der der Feinde des Königreichs.

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Nun steht fest, dass er im Falle des Todes seines 81-jährigen Vaters den Thron besteigen soll. Der 31-jährige Sohn von König Salman wird demnach Vize-Ministerpräsident, bleibt aber zugleich zuständig für seine bisherigen Aufgabenbereiche, darunter das Verteidigungsministerium. Prinz Bin Najef werde all seiner Ämter enthoben. Dem arabischen Nachrichtenkanal Al-Arabija zufolge wurde die Entscheidung des Königs vom Nachfolgeausschuss des Landes mit 31 von 34 Stimmen bestätigt. Die Einführungszeremonie sollte am Mittwochabend gehalten werden. Der bisherige Kronprinz Mohammed bin Naif verliert hingegen auch seine Position als Innenminister.

Die Entscheidung kommt nicht ganz überraschend: Mohammed bin Salman wurde von seinem Vater seit dessen Thronbesteigung 2015 in Stellung gebracht und ist seit geraumer Zeit zum Gesicht des ölreichen Landes geworden. So vertrat „MBS“, von der heimischen Presse stets beklatscht, König Salman bei wichtigen Reisen wie einem Antrittsbesuch bei US-Präsident Donald Trump. Der neue Kronprinz gilt als bestens mit den USA vernetzt. Als Hindernis für seine Thronbesteigung wurde nur sein junges Alter gesehen. Mohammed bin Salman war bereits als Vize-Kronprinz zuständig für Saudi-Arabiens Kriegseinsatz im Jemen. Auch in der Energiepolitik stellte er die Weichen, um das Königreich unabhängiger von den Einnahmen aus der Ölproduktion zu machen. Mohammed bin Salman ist unter anderem verantwortlich für den wohl ambitioniertesten Wirtschaftsumbau der Gegenwart: Durch das Billionen-Projekt „Vision 2030“ soll die Wirtschaft des Landes unabhängig vom Öl werden. Im Zuge dessen steht der 31-Jährige auch für eine vorsichtige Öffnung der ultrakonservativen saudi-arabischen Gesellschaft. Im Rahmen des Projekts sollen auch Frauen im Land gefördert werden. Zudem soll es mehr Unterhaltungsangebote geben. Bald soll in Saudi-Arabien etwa ein erstes Kino eröffnet werden.

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Zugleich ist er auch Verteidigungsminister und gilt als Architekt des neuen, aggressiven außenpolitischen Kurses des Königreichs, zu dem der Krieg im Nachbarland Jemen ebenso gehört wie die Konfrontation mit dem Iran und zuletzt die Eskalation des Streits mit den kleinen Emirat Katar. In einer aufsehenerregenden Analyse hatte der Bundesnachrichtendienst bereits 2015 vor unvorhersehbaren Konsequenzen einer auf persönliche Profilierung ausgerichteten, unberechenbaren Politik des unerfahrenen Prinzen gewarnt. Der Fernsehsender Al-Arabija berichtete, der König habe für den Abend in Mekka ein öffentliches Loyalitätsbekenntnis für seinen Sohn angeordnet.

5. Juli 2017 at 05:02 Hinterlasse einen Kommentar

Adeliger Besuch in Oberfranken

Das schwedische Königspaar wird die Bayreuther Festspiele besuchen. Während König Carl Gustav und Königin Silvia zum ersten Mal nach Bayreuth reisen, ist Kanzlerin Angela Merkel (CDU) seit Jahren Stammgast auf dem Grünen Hügel. Darüber hinaus werden Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), seine Stellvertreterin Claudia Roth (Grüne) und der slowakische Präsident Andrej Kiska zur Premiere am 25. Juli erwartet, wie die Stadt Bayreuth der Redaktion unseres Hauses am vergangenen Freitag mitteilte.

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Zahlreiche weitere Bundes- und Landespolitiker werden die Aufführung der Wagner-Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» in der Regie von Barrie Kosky unter der musikalischen Leitung von Philippe Jordan verfolgen. Die Riege der bayerischen Politiker wird angeführt von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der nicht nur von seiner kompletten Ministerriege mit Ausnahme von Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) begleitet wird, sondern auch von allen vier Fraktionsvorsitzenden sowie dem Präsidium des Landtags.

Auch Prominenz aus Film und Fernsehen will kommen, darunter Michaela May, Udo Wachtveitl, Ann-Kathrin Kramer, Harald Krassnitzer, Francis Fulton-Smith, Günter Maria Halmer und Ina Weisse. Darüber hinaus wird Dr. Michael I., von Hoennerscheid-Montfort I´Amaury wieder an der Seite seiner Cousine Fürstin Gloria von Thurn und Taxis erwartet.

5. Juli 2017 at 04:59 Hinterlasse einen Kommentar

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