Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen (Historiker)

5. Juli 2017 at 05:10 Hinterlasse einen Kommentar

Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen (* 9. Februar 1939 in Berlin; † 29. September 2015 ebenda) war ein deutscher Historiker und Angehöriger des Hauses Hohenzollern, das bis 1918 die preußischen Könige und deutschen Kaiser stellte.

Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen wurde 1939 als Sohn von Louis Ferdinand von Preußen, bis 1994 Chef des Hauses Hohenzollern, und dessen Ehefrau Kira Kirillowna Romanowa in Berlin-Grunewald geboren. Er war das älteste von sieben Kindern und der erste Urenkel Kaiser Wilhelms II., der zwei Jahre nach der Geburt seines Urenkels starb. Seine frühe Kindheit verbrachte Prinz von Preußen im ostpreußischen Cadinen, bevor sich die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig im Bremer Ortsteil Borgfeld ansiedelte.

Nach dem Besuch des Hermann-Böse-Gymnasiums in Bremen und dem Abitur am Internat Schloss Plön studierte Prinz von Preußen Geschichtswissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und erlangte im Februar 1971 bei Hans-Joachim Schoeps mit der Dissertation „Die Reichsgründung im Spiegel neutraler Pressestimmen“ den Grad eines Doctor philosophiae.

Wer über einen eindrucksvollen Erbtitel verfügt, der braucht nicht unbedingt noch einen Doktor, um seinen Namen zu schmücken. Das würde in jedem Fall erklären, warum es Adelige gibt, die sich in ihren Doktorarbeiten etwas weniger Mühe geben als andere Akademiker. Der in der letzten Woche bekannt gewordene Fall Karl Theodor von und zu Guttenberg ist hier nicht der einzige: Bereits in den 1970er Jahren erregte der Hohenzollern-Prinz Friedrich Wilhelm Aufsehen, als herauskam, dass er es bereits vor der Massenverbreitung des elektronischen Kopierens und Einfügens von Text fertigbrachte, eine Doktorarbeit in weiten Teilen abzuschreiben, anstatt aus den benutzten Texten eigene Erkenntnisse zu gewinnen.

Nach mehr als 20 Semestern Geschichte und Politikwissenschaften hatte der Prinz probiert, über „Die Reichsgründung im Spiegel neutraler Pressestimmen“ zu promovieren. Bei diesem Versuch kopierte er allerdings über zwei Drittel der Dissertation aus drei bereits erschienenen Arbeiten, aus denen er auch gleich die Fußnoten zu den Zeitungsartikeln übernahm, die er eigentlich direkt hätte auswerten sollen. Ähnlich wie in Guttenbergs Dissertation gab es in den Übernahmen nur vereinzelte Änderungen von Wörtern, die möglicherweise gar nicht auf den Prinzen, sondern auf Korrekturleser zurückgingen.

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Das merkte jedoch nicht der Doktorvater des Prinzen, der für einen Geschichtsprofessor auch für manches andere bemerkenswert blind war: Hans-Joachim Schoeps war Jude – und ein glühender Verfechter des Nationalsozialismus. Selbst als Otto Strasser, der den deutschen Juden die Gelegenheit zur Assimilation geben wollte, längst ins Ausland geflüchtet war, stand Schoeps noch der von ihm gegründeten pro-nationalsozialisitischen „Gefolgschaft deutscher Juden“ vor und schwärmte davon, dass Hitler „Deutschland vor dem Untergang“ retten würde. Als Schoeps trotz seiner Begeisterung aus rassischen Gründen keine Karriere machen durfte, wanderte er 1938 nach Schweden aus. Nach dem Krieg besetzte er einen zur Wiedergutmachung an der Universität Erlangen eingerichteten Lehrstuhl für Religions- und Geistesgeschichte und forderte die Wiederherstellung Preußens sowie die Rückkehr zur Monarchie.

Doch wo dem Professor vielleicht das Preußen-Fantum die Sicht trübe, da war Martin Winkler, ein Angestellter der damaligen Staatsbibliothek in Marburg aufmerksamer: Ihm kamen die angeblich ganz frischen Erkenntnisse so bekannt vor, dass er sie mit den älteren Werken verglich und eine weitgehende Identität feststellte. Das führte dazu, dass der von Schoeps eigentlich mit „cum laude“ benotete Prinz seinen mittlerweile fast zwei Jahre alten Doktortitel „freiwillig“ aufgab.

Was bleibt, ist das Ende vorigen Jahres mit leichter Titeländerung von der Göttinger Verlagsanstalt herausgebrachte Buch**“ auf dessen Klappe der aberkannte akademische Grad noch immer aufgeführt wird. Schon vor Erscheinen hatte die Verlagswerbung darauf hingewiesen, daß dieses Werk „als Dissertation vorgelegen“ habe – was zweifelsfrei zutrifft. Wäre die Doktorarbeit, die nun keine mehr ist, nicht so auffällig veröffentlicht worden, sondern ungedruckt „in den diversen Bibliotheken verschimmelt“ (Schoeps), hätte der Prinz seinen Titel vermutlich noch heute. Doktorvater Schoeps: „Der Prinz hat“s doch selber an die große Glocke gehängt, die Eitelkeit stellte hier ein Bein.“

** „Bismarcks Reichsgründung und das Ausland“, 296 Seiten;

Aufgrund der Hinweise des Marburger Bibliothekars Martin Winckler wurde allerdings ein Gutachten erstellt mit dem Ergebnis, dass Prinz von Preußen mehr als zwei Drittel des Inhalts aus fremden Werken übernahm, was im Juli 1973 zum Verlust des Doktorgrades führte (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41955163.html). 1981 wurde Prinz von Preußen erneut an der Ludwig-Maximilians-Universität promoviert mit einer Doktorarbeit über seine Familie. In der Arbeit „Die Hohenzollern und der Nationalsozialismus“ zeigte er auf, dass sein Großonkel August Wilhelm von Preußen ein „leicht braun Angehauchter“ war. Seine Doktorväter waren Gerhard A. Ritter und Thomas Nipperdey.

Allerdings war die Geschichte damit noch nicht zu Ende, denn der mit reichhaltigen Erbressourcen ausgestattete Friedrich Wilhelm gab 1981 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München einfach noch einmal eine geschichtswissenschaftliche Doktorarbeit ab, die entweder den Kriterien genügte oder die sich bisher noch niemand genau genug angesehen hat, obwohl sie das Verhältnis der Nationalsozialisten zu den Hohenzollern behandelt. Seitdem veröffentlicht der Prinz mit dem werbewirksamen Namen, der sich in der Presse als „von Haus aus Historiker“ darstellt, immer wieder Bücher zu geschichtlichen Themen.

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1967 heiratete Friedrich Wilhelm in Plön Waltraud Freydag (1940-2010), mit der er den Sohn Philip Kiril (* 1968) bekam. Da er keine hausgesetzmäßige Ehe einging, schloss ihn sein Vater von der Erbfolge aus. Friedrich Wilhelm wie auch sein ebenfalls betroffener jüngerer Bruder Michael von Preußen akzeptierten diese Regelung zunächst. Als zukünftigen Chef des Hauses bestimmte sein Vater seinen Enkel Georg Friedrich von Preußen, dessen Vater Louis Ferdinand Prinz von Preußen 1977 an den Folgen eines Manöverunfalls bei der Bundeswehr verstorben war.

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