Archive for 6. Januar 2018

Verwandt mit Glanz und Gloria

Einfach immer die Straße durch, über den Gehweg fahren, und schon sind Sie da.“ Die Beschilderung wirkt so unkompliziert wie der Hausherr selbst. Weil es an diesem Tag ziemlich geschneit hat, ist ein Gehweg nicht auszumachen. Dafür steht Philipp Prinz von Thurn und Taxis bereits vor dem Eingangstor und müht sich mit der Mülltonne ab.

Hallo, grüß Gott, leicht gefunden das Haus ohne Nummer?“ Natürlich. Es ist sozusagen ein Heimspiel zwischen einem gebürtigen Allgäuer und mir, einem ehemaligen Beute-Bayern. Schnee? Das bisserl? Da haut’s im Allgäu ganz anders was ’nunder.

Während Philipp von Thurn und Taxis die graue Tonne hinter sich über den Weg zerrt, ist Yago in seinem Element. „Ein Bayerischer Gebirgsschweißhund. Aber nicht wie üblich braun, sondern schwarz.“ Yago kommt allerdings nicht aus Bayern, sondern von einem Züchter bei Stettin. „Vor 15 Monaten habe ich ihn geholt“, erzählt Philipp von Thurn und Taxis, während er die Haustür aufschließt. „Bayerische Gebirgsschweißhunde sind eine ideale Mischung aus Jagd- und Familienhund.“ Der verspielte Yago ist ein bildschönes Exemplar. Und für den leidenschaftlichen Jäger der ideale Weggefährte.

An der Haustür steht TT und gegenüber ein Fahnenmast. „Der musste sein“, erklärt Philipp von Thurn und Taxis fröhlich. „Das war eine der ersten Taten, als ich das Haus gekauft habe.“ Da hängt die Fahne der Familie, Rot-Blau. Und zwar ständig. „Auf- und Abhängen, je nachdem, ob man zu Hause ist, wäre doch lächerlich. Also bleibt die Fahne immer oben.“

Das Haus ist gemütlich, ein Forsthaus von 1929. „Ich habe es vor eineinhalb Jahren gekauft. Die Vorbesitzer hatten es in einen Top-Zustand gebracht. Ich musste nur die Böden machen lassen.“ Im Erdgeschoss sind Arbeits-, Wohn-, Esszimmer und Küche. „Wo wollen wir uns hinsetzen?“ Gegenfrage: Wo sind Sie denn am liebsten? Also sitzen wir in der Küche bei einem Kaffee. Schicke Lampen über dem Tisch! „Nein, Ikea. Aber passt doch, nicht wahr?“

Philipp Prinz von Thurn und Taxis ist gebürtiger Allgäuer und in Schwangau bei Füssen aufgewachsen – mit Blick auf Schloss Neuschwanstein. Der 36-Jährige arbeitet beim Mittelrhein-Verlag, in dem auch unsere Zeitung erscheint, als Geschäftsführer der Presse-Zustelldienst GmbH. 2005 ist er zu unserem Unternehmen gekommen. Zuvor hat er sein BWL-Studium in Heidelberg abgeschlossen mit Schwerpunkten Logistik, Marketing und Sportmanagement.

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Thurn und Taxis – der Name ließ Reporter in der Regenbogenpresse lange mit der Zunge schnalzen. Ein Objekt der Begierde: Gloria von Thurn und Taxis. Ihre schrillen Auftritte in den 80er-Jahren ließen selbst die britische Königsfamilie etwas blass aussehen. Das ist längst vorbei und Tante Gloria mittlerweile eine der erfolgreichsten deutschen Unternehmerinnen. Die schlagartige Wende bei Bayerns Gloria trat mit dem Tod ihres Mannes Johannes Prinz von Thurn und Taxis im Dezember 1990 ein. Er war ab 1982 das elfte Oberhaupt der Familie und nannte sich Fürst von Thurn und Taxis. Er war Erbe des riesigen Vermögens der Familie (Privatbanken, zahllose Immobilien, Indus-triebeteiligungen, eine Brauerei und Europas größter privater Waldbesitz), bevorzugtes Mitglied des internationalen Jetsets, Lieblingssymbol der Soraya-Blätter und blieb bis 1980 unverheiratet. Nach seinem Tod verlangte der Staat etwa 45 Millionen Mark Erbschaftsteuer. Und zum ersten Mal wurde Geld das beherrschende Thema in Schloss Emmeram in Regensburg, seit 1812 Stammsitz der Familie.

Die riesige Anlage, ursprünglich ein um 739 gegründetes Benediktinerkloster, gehört zu den größten Schlössern in Deutschland, angefüllt mit mobilen und immobilen Kostbarkeiten. Philipp von Thurn und Taxis, dessen Familie am direktesten mit den Regensburgern verwandt ist, sagt mit hörbarem Stolz: „Was die Gloria da gemeistert hat, war ganz, ganz großartig.“

Wie kommen aber nun Thurn und Taxis ins schöne Allgäu? „Mein Großvater Rafael wurde 1926 sozusagen mit dem Kauf von Schloss Bullachberg versorgt. Hier hat er bis zu seinem Tod 1996 gewohnt.“ Philipps Eltern, Christa und Max Emanuel, bauten vor 40 Jahren ein Haus in Schwangau. Das Schloss zu halten – finanziell unmöglich. 2006 erwarb die Porsche AG das Anwesen, seit September 2011 steht es wieder zum Verkauf.

In Philipps eigenem Haus in Neuhäusel stehen Reisetruhen seines Großvaters Raphael – als Einrichtungsgegenstände und Erinnerungsstücke. Fotos oder Gemälde der Familie: Fehlanzeige. Ohnehin ist alles ziemlich normal in diesem Hause Thurn und Taxis. Er ist stolz auf Forsthaus Eisenköppel, sein eigenes Heim „mit genügend Platz auch für Kinder“. Nur der „Garten“ mit rund 7.500 Quadratmetern: „Da muss ich mir noch was einfallen lassen, wie ich das hinbekomme.“

Wie ist es eigentlich, so einen traditionsreichen Namen zutragen, mit Verwandtschaft im gesamten einst regierenden europäischen Hochadel? Philipp Gabriel Franz Joseph Magnus Maria Lamoral Prinz von Thurn und Taxis, Herrgott, das klingt doch … „Ach was“, sagt er abwinkend. „Die Leute sagen Herr von Thurn und Taxis.“ Und Vorteile? Das Gesicht wird etwas eisig. Während der Schulzeit ließen ihn Lehrer spüren, was sie von einem TT halten. Abitur machte er schließlich in England. Und: „Jeder glaubt, dass man ungeheuer reich sei.“ Dabei hat vor allem einer das Vermögen – der Sohn von „Tante Gloria“, Albert Prinz von Thurn und Taxis, der als drittjüngster Milliardär weltweit gilt. Der 28-Jährige ist nun „der Fürst“ als Chef des Hauses – und Rennfahrer.

Wie wäre Philipp Prinz von Thurn und Taxis eigentlich früher angesprochen worden? „Mit Durchlaucht. Aber das sagt hier doch niemand zu mir.“ Moment mal. „Durchlaucht, danke für das Gespräch.“ Er lacht hell auf.

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6. Januar 2018 at 19:00 Hinterlasse einen Kommentar

Ist es möglich, heutzutage einem leibhaftigen Burgvogt gegenüberzustehen?

Es ist – zumal in Zeiten, in denen eigentlich nichts von vornherein ausgeschlossen werden kann. Busso von der Dollen war Burgvogt auf der Marksburg über Braubach. Mag die Bezeichnung auch etwas einschüchternd wirken („Platz dem Landvogt“ wie im Wilhelm Tell), so steht in Wirklichkeit ein überaus freundlich wirkender Herr vor einem an der Haustür. „Kommen Sie herein“, sagt Dr. Busso von der Dollen. „Der Tee ist fertig.“

In dem wunderbaren Haus aus dem 19. Jahrhundert schaut einen die Vergangenheit sozusagen an. Vorfahren „in Öl und Uniform“ aus dem 18. Jahrhundert, feine Silberstiftzeichnungen in eleganten Rahmen zeigen hübsch frisierte junge Damen. Und über der Tür zum Wohnzimmer ist das 19. Jahrhundert vertreten. „Der kämpfte im Altmärkischen Ulanenregiment bei Mars-la-Tour.“ Halleluja, wie war das noch mal? Ach ja, 1870, deutsch-französischer Krieg irgendwo bei Metz. Prima jelaufen für die Preußens, zack, zack.

Nun, der etwas klirrende Eindruck ist vollkommen falsch bei Busso von der Dollen. Hoch gewachsen, sehr schlank, korrekt gekleidet, gütige Augen – ziemlich so, wie sich landläufig ein Herr von Stand vorgestellt wird. Im gemütlichen Wohnzimmer ist die Atmosphäre denn auch schon viel eher so, wie sie den Tatsachen entspricht. Einige alte Möbel, ein Sofa aus Weimar, das Christoph Martin Wieland gehörte, dem bedeutenden Schriftsteller der Aufklärung und Teil des berühmten Weimarer Viergestirns mit Goethe, Schiller und Herder. Überhaupt: Weimar ist in diesem Raum überall präsent. Klassisch gerahmte Stiche von Stadt und Persönlichkeiten dekorieren die Wand über dem Sofa.

Das hat natürlich einen Grund. Busso von der Dollen ist in der Stadt der deutschen Klassik am 3. Mai 1938 zur Welt gekommen. Aber auch in eine Zeit hineingeboren, die schrecklich gewesen ist und sein ganzes weiteres Leben bestimmt hat. Der Vater gilt seit 1944 als vermisst in der Ukraine. „Nie wieder habe ich irgendetwas über ihn gehört.“ 1949 stirbt sein Bruder nach langem Leiden an Tuberkulose. „Mit einem Mal war unsere Familie sehr klein geworden“, sagt Busso von der Dollen. Die Erlebnisse in diesen und den folgenden Jahren haben ihn geprägt. Es ist seiner Stimme anzuhören.

1953 kommt er mit seiner Mutter Lenore nach Bonn. Die harten und entbehrungsreichen Jahre nehmen kein Ende. Beide kommen bei Freunden unter auf dem Bonner Venusberg; mit Mühe versucht Lenore von der Dollen, sich und den Sohn durchzubringen. Sie hatte die Kunstgewerbeschule besucht – „aber wer brauchte damals schon Zeichnungen?“ Busso von der Dollen ist natürlich kein Einzelschicksal. Millionen haben Ähnliches nach dem Zweiten Weltkrieg durchmachen müssen. Trotzdem rührt jede persönliche Schilderung immer wieder ganz besonders an. Der Sturz aus „gutbürgerlichen“ Verhältnissen in ein „gelitten sein“ und ein abhängiges Leben – das prägt. Die Erinnerung lässt sich auch nie verdrängen. Die Mutter kämpfte um eine Rente; erst 1961 wurde sie bewilligt.

Busso von der Dollen geht 1959 zur Bundeswehr und verlässt sie 1963 wieder als Offizier. An der Uni Bonn beginnt er sein Studium: Geschichte, Geografie und Soziologie. Lernen und Lehren sind seine Welt; bis 1983 bleibt er als wissenschaftlicher Assistent. Seine damalige Frau ist Studienrätin. „Plötzlich war Schluss an der Uni. Ich musste mich nach einer neuen Aufgabe umsehen.“ Ein Glücksfall trat ein. Er bewarb sich als Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung und blieb deren Bundesgeschäftsführer von 1984 bis 1995 – mit Wohnsitz auf der Marksburg. Deshalb auch „Burgvogt“. Anschließend leitet er das Europäische Burgeninstitut in Schloss Philippsburg, unterhalb der Marksburg. Und seit 2001 ist er im Ruhestand. „Rentner.“

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Sein Traum war, eine Wohnung in einem historischen Haus zu mieten. „Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagt er und blickt aus dem Fenster. Vom Arbeitszimmer sieht er auf Burg Lahneck. „Eine wunderbare Anlage. Ich mag sie sehr.“ Ein beziehungsreicher Ausblick. Denn über Burgen hat der Historiker unendlich viel publiziert. Und gegenüber von Lahnstein liegt Stolzenfels. Ein schöner Prospekt für einen guten Preußen.

Er ist viel herumgekommen, meist in Burgen-Angelegenheiten. Bis nach Japan, wo 1990 eine Kopie der Marksburg errichtet wurde. In Weimar ist er oft. Und sonst in seiner thüringischen Heimat? „Über Weihnachten und Neujahr bin ich seit einigen Jahren regelmäßig dort. In einem schönen Haus, das mich an unser altes in Weimar erinnert.“ Dann schließt sich der Kreis.

6. Januar 2018 at 18:58 Hinterlasse einen Kommentar

Der feine, weiße Kies knirscht unter den Schuhsohlen

Der Butler steht schon vor dem Residenzschloss bereit, um die große, schwere Holzpforte zu öffnen. Wer durch diese Tür tritt, findet Einlass in eine Welt, in der die Zeit stehen geblieben scheint. Der Hauch der Geschichte durchweht die hohen Räume. Im Augenblick riecht es dort aber vor allem nach Weihnachten. Carl Fürst zu Wied, der Chef des Hauses, legt Wert auf dieses sensorische Erlebnis und hat deshalb das Treppengeländer mit frischem Tannengrün umwickeln lassen. Besser als „nur“ der großformatige Adventskranz, der früher in der Weihnachtszeit von der Decke hing. Dessen Duft war zu schnell verflogen, das Sinneserlebnis dahin.

Überhaupt: Das Wohnen in einem großen Schloss – immerzu zieht es, die Fenster sind nicht richtig dicht, die riesigen Räume, die hohen Decken. „So ein Haus“, sagt Fürst Carl, „ist kalt, feucht, mühsam und groß.“ Und doch wohnt er mit seiner Familie gerne und aus voller Überzeugung in diesem historischen Gebäude, dessen Heizkosten allein schon jedem Normalsterblichen einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Der Chef des Neuwieder Fürstenhauses hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition über die Zeit zu retten, sie aufrecht zu erhalten und auch seine Kinder dafür zu erwärmen. „Man gibt ja einen Stab weiter“, erklärt der Adlige, der erst vor Kurzem seinen 50. Geburtstag mit zahlreichen Gästen feiern konnte.

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Früher, als von Demokratie noch keiner zu träumen wagte, da waren seine Vorfahren Herrscher über ein ansehnliches Territorium zwischen Rhein und Wied. Zunächst waren sie Grafen, später Fürsten. Graf Johann Friedrich Alexander, der Enkel Friedrichs III., wurde 1784 in den Reichsfürstenstand erhoben. Seitdem erbt stets der älteste Sohn den Fürstentitel vom Vater. Das heutige Familienoberhaupt ist der achte Fürst zu Wied; seit Anfang 2001 trägt er den Titel, den er einfach hat, den ihm niemand verleiht. „Ich will nicht so heißen, ich bin’s lieber“, kommentiert er die Frage nach seinem Titel mit einem breiten Lachen. Sein offizieller Name lautet „nur“ Prinz Carl zu Wied. Ob man ihn denn mit „Durchlaucht“ ansprechen solle? „Nun“, erklärt der Fürst, „das ist eine Form der Ehrerbietung, die man nicht einfordern kann, sondern die man entgegengebracht bekommt.“ Und zum Thema Anrede sagt er auch: „Herr zu Wied ist sicher falsch.“

Auch wenn es den Adel nicht mehr gibt, so ist die Fürstenfamilie doch etwas Besonderes. Das hat Carl Fürst zu Wied schon als kleines Kind zu spüren bekommen. „Man ist eben auffällig als Kind“, sagt er und bezieht dies vor allem auf die Familiengeschichte und die besonderen Wohnverhältnisse. Doch es ist noch mehr, was sie abhebt von Bürgerlichen. Im Neuwieder Schloss sorgen zehn dienstbare Geister für viele Annehmlichkeiten. Der Butler, der Chauffeur, die Hauswirtschafterinnen und Reinigungskräfte: Sie alle halten den Haushalt am Laufen. „Diese Mitarbeiter braucht man aber auch“, betont Fürst Carl. „Hier ist ja ständig etwas zu tun. Ohne Apparat geht es einfach nicht.“ So steht selbstverständlich frischer Kaffee in einer silbernen Karaffe, frisches Gebäck und das feine Porzellan mit dem Familienwappen bereit, wenn Durchlaucht Gäste im Grünen Salon empfängt.

Weil das Fürstenhaus das seinerzeit wichtigste Privileg – keine Steuern zu zahlen – nicht mehr genießt, muss sich der Fürst ums Geldverdienen kümmern. Der studierte Betriebswirt ist auch Arbeitgeber in Neuwied, beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Die meisten sind in seinem Forst tätig – dem Fürsten gehören große Waldflächen in Neuwied und Umgebung. Holz- verkauf spült Geld in die Kasse wie auch die Mieteinnahmen aus seinen Immobilien. Drittes Standbein der Firma ist die Vermögensverwaltung. Gern werben Fürst und Fürstin für Wohltätigkeitsvereine und für Stiftungen und stellen sich in den Dienst der guten Sache. Bei Spendenaufrufen ist ein prominenter Name manchmal eben ganz hilfreich.

Als die Fürstenfamilie neulich auf der deutschen „Hochzeit des Jahres“ in Potsdam war, da waren viele Blaublüter versammelt. Prinz Georg Friedrich von Preußen, der Ururenkel von Kaiser Wilhelm II., heiratete Prinzessin Sophie von Isenburg. Bei ihr handelt es sich um die Schwester von Isabelle Fürstin zu Wied. Das wiederum bedeutet: Gäbe es das Kaiserreich noch, wäre Isabelle die Schwägerin des Kaisers. Was Carl Fürst zu Wied von seinem prominenten Schwippschwager hält? „Der Georg ist nett und unprätentiös.“ Gleichwohl sei eines bei der Hochzeit wichtig gewesen: „Man muss sich anständig benehmen.“

6. Januar 2018 at 18:56 Hinterlasse einen Kommentar

Plötzlich steht man da als Schlossbesitzer

Annabelle ist Eisbrecher. Etwa 60 Zentimeter lang und vielleicht 40 Zentimeter hoch. Annabelle ist ein Mops. Und zutraulich. Der Hund ist im diplomatischen Dienst bei Heide Prinzessin von Hohenzollern. „So ein Hund kann ungeheuer wichtig sein bei Seminaren oder Veranstaltungen, wenn fremde Menschen aufeinandertreffen. Ein Hund bricht schnell das Eis, und schon haben die unterschiedlichsten Leute ein gemeinsames Thema.“ Heide Prinzessin von Hohenzollern muss es wissen. Ihr Schloss „Burg Namedy“ ist ein Veranstaltungsort der Extraklasse. Hier, im Stadtteil von Andernach, finden hervorragende Konzerte statt, exklusive Konferenzen, Führungsseminare oder Vorstandssitzungen. Hochzeiten werden in Park und Schloss gefeiert.

Jetzt, im November, beginnt der traditionelle Weihnachtszauber: Am 26. das Adventssingen im Innenhof der Burg und am Tag darauf, am Sonntag, dem 1. Advent, ist das Schloss ein Erlebnis-Weihnachtsmärchen. Die Säle sind festlich geschmückt, zwischen 11 und 18 Uhr gibt es Weihnachtslieder und Erzählungen, Leckereien und Schmankerln, und man kann auch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk kaufen. Die Kinder sind gut behütet beim Basteln oder Ponyreiten. Es ist eine Wohltätigkeits-Veranstaltung. Der Eintritt kostet 5 Euro. An solchen Tagen ist Annabelle als Eisbrecher nicht so wichtig. Da läuft alles wie von selbst. Dann ist Heide Prinzessin von Hohenzollern als Geschäftsfrau durchaus zufrieden. Denn der Deckungsbeitrag stimmt, zumindest einigermaßen. „Deckungsbeitrag ist zu meinem Lieblingswort geworden“, sagt sie mit einem gewissen Seufzen. Denn Einnahmen, Ausgaben und Unterhaltskosten des Schlosses halten sich dann sozusagen die Waage.

Schlossherrin zu sein und einen wahrhaft großen Namen zu tragen, ist das eine. Ein Haus mit 35 Zimmern zu erhalten, 40 Hektar Park und Land zu pflegen und überhaupt die ganze Anlage bewahren zu können, das ist eine tägliche Herausforderung. Das muss man nicht nur können, man muss es wollen. Wahrscheinlich braucht es dafür ein besonderes Gen. Das wird dann aktiv, wenn zwei Menschen plötzlich ein Schloss erben.

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Als Heide Hansen 1970 Godehard Prinz von Hohenzollern heiratete, lebten beide in München. Er als Bankkaufmann und anerkannter Kunstfreund. Sie, 1943 im Saarland geboren, ist in München aufgewachsen und verwurzelt. „Grüß Gott“, sagt sie heute noch zur Begrüßung. Die Kinder Carlos (1978) und Anna (1983) kommen in Bayern zur Welt. 1988 stirbt Godehards Mutter Ilse, sein Vater, Albrecht von Hohenzollern, war da bereits seit elf Jahren tot. Godehard und Heide von Hohenzollern erben.

Verkaufen oder behalten? Das Gen scheint aktiv zu werden. Heide von Hohenzollern macht sich auf den Weg nach Namedy. Sie kennt das Schloss. Jetzt lernt sie auch seinen Zustand kennen. „Schwamm im Gemäuer, keine funktionierende Elektrizität und eine 100 Jahr alte Dampfheizung“, erzählt sie, während sie die Tür zum Spiegelsaal öffnet, heute das ästhetische und kulturelle Herz des Hauses. „1988 stand ich hier in einer Art riesiger Abstellkammer. Wassereinbrüche hatten Decke und Paneele zerstört. Eigentlich war alles in einem vollkommen maroden Zustand.“ Trotzdem: „Es ist das Elternhaus meines Mannes.“ Das Gen wird hyperaktiv.

Godehard und Heide von Hohenzollern ziehen nach Namedy. Der Spiegelsaal mit seiner delikaten Akustik ist nach einem Vierteljahr bereit für Probekonzerte. Denn der Kunstfreund Godehard setzt auf Konzerte. Die Andernacher Musiktage werden geboren; Yehudi Menuhin übernimmt die Schirmherrschaft bis zu seinem Tod 1999. Menuhin war einer der größten Geigegenvirtuosen des vergangenen Jahrhunderts.

Was dann in 21 Jahren von Godehard und Heide von Hohenzollern geleistet wurde, ist wie ein Kunst-Märchen. Klassik, Jazz, Lesungen, Theater, Kabarett mischten sie mit so leichter Hand, wie es nur zwei wirkliche Könner vermögen. Adel und Bürgertum in einer der denkbar glücklichsten Verbindungen.

Das Haus ist lange Zeit irgendwo immer Baustelle. Land und später auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz helfen. Aber Schloss „Burg Namedy“ ist kein staatliches und luxussaniertes Objekt; jeder, der denkmalgeschützt lebt, weiß, wie teuer „Eigentum verpflichtet“ in Wirklichkeit zu stehen kommen kann – Schulden inklusive. Der gemeinnützige Förderkreis Burg Namedy sammelt Mitglieder und natürlich Spenden zur ideellen und materiellen Unterstützung.

Nach dem Tod Godehards Prinz von Hohenzollern 2001 steht seine Witwe da mit einem Schloss, Mitarbeitern, die bezahlt werden müssen, und einem kompletten Veranstaltungsprogramm. Mit neuen Konzepten und weiteren Ideen hat diese Begegnungsstätte ihren guten Ruf ausbauen können. Tochter Anna ist fest im Betrieb, sie kümmert sich um Marketing und Personalführung. Jeder hat seine Aufgaben, auch Mops Annabelle, Ruprecht, ein Jack-Russel-Terrier, und Rosa Rosenrot, eine Berner Sennenhündin.

Die Buga in Koblenz hatte einen Verwurzelungseffekt für Heide von Hohenzollern. Sie war als Buga-Botschafterin und Moderatorin unterwegs und hat die Heimat so erst richtig kennengelernt. „Jetzt bin ich bekennende Rheinländerin und endlich angekommen“, sagt die Ex-Münchenerin.

Das „Grüß Gott“ wird sie deshalb hoffentlich nicht ablegen. Schließlich repräsentiert sie die Linie Hohenzollern-Sigmaringen. Und die ist – katholisch!

6. Januar 2018 at 18:53 Hinterlasse einen Kommentar

Limburger führen über den Adel Buch

Schon im Flur fällt der Blick des Besuchers auf deckenhohe Vitrinenschränke, hinter deren halb blinden Scheiben sich lederne Bände mit goldenen Lettern auf dem Buchrücken stapeln. Es riecht nach Staub, und das passt gut. Denn bei Starke wird die Familiengeschichte deutscher Adelshäuser aufbewahrt.

Der Limburer Verlag gibt seit 1951 das „Genealogische Handbuch des Adels“ (GHdA) heraus. Ein Nachschlagewerk, das im Volksmund noch immer als Der Gotha bekannt ist. Denn bis 1944 erschien in der thüringischen Stadt der „Gothaer Hof-Kalender“, erstmals 1785 als „Gothaischer Hof-Kalender zum Nutzen und Vergnügen eingerichtet“ im Justus Perthes Verlag erschienen.

Der Name ist Programm: „Der Gotha war ursprünglich keine historische Datensammlung, sondern ein Lieferant für Klatsch und Tratsch“, beschreibt die heutige Verlegerin Christina Salem die Publikation, die allen, die sich dafür interessierten, Auskunft über neue eheliche Verbindungen und Familienzuwachs in adeligen Häusern gab. „Das Interesse am Adel war schon immer groß“, sagt Salem, „die Leute wollen einfach wissen, wer mit wem verbandelt ist.“

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Christina Salem und ihr Vater Hans-Jürgen Kretschmar, der das Genealogische Adelshandbuch mitbegründet hat.

Wer sich heutzutage für derlei Verbindungen interessiert, dem liefert die Verlegerin eine profunde Quelle. Das GHdA wird weltweit als Standardwerk angesehen, wer sich über blaublütige Kreise einlesen will, schlägt auch in New York oder Tokio in dem Adelsalmanach von der Lahn nach. Im GHdA zu erscheinen, ist eine Frage des Prestiges – denn rein kommt nur, wer von Geburt an adelig ist. Angeheiratete müssen draußen bleiben.

Bisweilen halten sich allerdings auch Blaublüter ihrerseits mit Auskünften über ihren aktuellen Familienstand bedeckt, erklärt die Verlegerin: „Wenn auch die dritte Ehe gescheitert ist, ein Kind nicht genannt werden soll oder will, kommt es schon vor, dass Personen im Register als Leerstelle mit den berühmten drei Pünktchen erscheinen.“ Über rund 90 Prozent der deutschen Adeligen lässt sich im GHdA jedoch etwas lesen.

Ob es sich tatsächlich um „echten Adel“ handelt, prüft der Deutsche Adelsrechtsausschuss in Marburg. Dort befindet sich das Deutsche Adelsarchiv, das im ehemaligen Wohnhaus des Philosophen Martin Heidegger untergebracht ist. Seine Gründung geht auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, als Flüchtlingslisten erstellt werden mussten. Heute versteht sich das Archiv als Forschungsstätte für Wissenschaftler, Hobbyhistoriker, Schüler und Studenten. Es wird von 23 Vereinigungen des Historischen Adels getragen und ist für die Redaktion des GHdA verantwortlich, wofür es im direkten Austausch mit den deutschen Adelsfamilien steht. Daher ist im Almanach bislang auch noch kein einziges falsches Wappen erschienen.

Dennoch ist in Limburg vor einigen Jahren ein Fauxpas passiert: „Wir haben auf einem Einband eine falsche Adelskrone gedruckt – mit neun Spitzen, wie es einem Grafen gebührt, dabei haben Freiherrn bloß sieben“, gesteht Salem. Damals hatte der Band, der die Freiherrn versammelt, auf dem Titel tatsächlich zu viele Zacken in der Krone.

Solche Unterscheidungen spielen eine wichtige Rolle, denn innerhalb der einzelnen Bände des GHdA bleiben die Adeligen auf der jeweiligen Stufe in der Hierarchie unter sich: Der Hochadel ist im leuchtend roten Band „Fürstliche Häuser“ versammelt, zu denen auch regierende Adelsfamilien zählen. Die Grafen erscheinen in Tannengrün; Freiherren und Barone, die gleichrangig sind, teilen sich einen rotbraunen Band. Familien mit einem einfachen „von“ im Namen stehen auf der niedrigsten Stufe – ihr Band „Adelige Häuser“ ist in schlichtes graues Leinen gekleidet.

Das GHdA erscheint in einer Auflage von 2000 Stück. „Reich wird man damit nicht, aber es ernährt seinen Mann“, erklärt Seniorchef Hans Jürgen Kretschmar (87) lächelnd, der das Genealogische Handbuch des Adels mitbegründet hat. Das Nachschlagewerk in Gesangbuchgröße wird im gehobenen Management gern als Benimmratgeber oder zum Rekrutieren von Führungspersonal bemüht. Zwar spürt auch der Starke-Verlag die Konkurrenz durch Klatschpresse und Internet. Grund zur Sorge ist das aber nicht: „Der Adel setzt auf Seriosität“, weiß Salem. „Persönliche Daten im Internet zu veröffentlichen, käme den meisten nicht in den Sinn.“

6. Januar 2018 at 18:50 Hinterlasse einen Kommentar

Einmal Prinz zu sein

Was sich Kölner Karnevalisten erträumen, ist für den Spross einer alten Familie des europäischen Hochadels Lebensaufgabe und Berufung in einem: Emanuel Prinz zu Salm-Salm folgt seinem Vater Carl Philipp, 14. Fürst des Geschlechts. Der Prinz bewundert an ihm den wohlwollenden Umgang mit Mitgliedern der Familie und die Disziplin, mit der das Familienoberhaupt seinen Pflichten als Manager des Stammsitzes, der Wasserburg Anholt, nachkommt. So sei sein Grundverständnis für Adel „historisch gewachsen“, sagt der Erbprinz, aber er habe den Begriff Adel für sich weiter gefasst, ihm eine eigene Definition gegeben: „Christ sein ist Gnade, Gnade ist Adel, und Adel verpflichtet.“

Seinen Antrittsbesuch im Präsidium der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften machte Erbprinz Dr. Emanuel zu Salm-Salm (Foto: Mitte) jetzt in Korschenbroich. Im Liedberger Landgasthaus stellte der nach 21 Jahren im Amt scheidende Hochmeister Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein (Foto: rechts) dem Führungsgremium seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge vor. Begrüßt wurde Prinz Salm hier von Bezirksbundesmeister Horst Thoren (Foto: links), selbst Mitglied im Präsidium des Bundes, der dem zukünftigen Hochmeister als Geschenk eine Schützen-Willi-Handpuppe überreichte.

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Übrigens: Handpuppe Schützen-Willi ist im Korschenbroicher Stdtagebiet regelmäßig als kleiner Botschafter für das Brauchtum unterwegs. Denn Horst Thoren hat eine der plüschigen, freundlichen Figuren der Stadtverwaltung geschenkt, bei der Kindergärten sie inklusive CD mit Willis Lied ausleihen können.

Zieht die Wasserburg Anholt, Sitz der Fürstenfamilie Salm-Salm, mit Museum, Hotel und Golfanlage viele Besucher an, so lebt der Erbprinz weitgehend zurückgezogen auf dem nahen Haus Rhede im Kreis Borken. Mit der beschaulichen Ruhe ist es seit dem 27. März im Westmünsterland vorbei. Da wählten ihn die historischen Schützenbruderschaften zu ihrem Hochmeister. Seither steht er an der Spitze der größten deutschen Schützenvereinigung, in der über 400 000 Schützen in 1300 Bruderschaften organisiert sind. Von seinem Vorgänger im Amt, Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein, der sich nach 22 Jahren zurückgezogen hat, weiß er, was die Schützen von ihrem Hochmeister erwarten: Offenheit, Herzlichkeit und das Bekenntnis zu Tradition und Heimat. Prinz Salm-Salm sieht im neuen Amt die Fortsetzung einer Familientradition. Der erste Hochmeister, Franz Fürst und Altgraf zu Salm-Reiferscheidt-Dyck, der den Schützenbund 1928 als Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus gründete, „war mit der Schwester meines Großvaters verheiratet“.

Prinz Salm-Salm hat sich in die Pflicht nehmen lassen – nach einem langen Abwägungsprozess im Familienrat. Und er hat sich darauf eingestellt, dass er am Anfang einer längeren Amtszeit steht, denn er ist erst der fünfte Hochmeister in der 83-jährigen Geschichte des Bundes. Das Amt bedeute für ihn Dienst, sagt der Prinz, „Dienst mit den Gaben, die ich empfangen habe“. Er fühlt sich verpflichtet, „die mir gegebenen Talente gegenüber Mitarbeitern, Bedürftigen und auch gegenüber dem Allgemeinwohl einzusetzen.“ Dieses Pflichtbewusstsein bringt er auch der eigenen Familie entgegen. Dort sieht er sich als Verwalter, „dem es obliegt, das ihm Übergebene zu schützen und zu mehren“. In diesem Geist haben ihn seine Eltern erzogen. Haus Rhede als Wohnsitz des Prinzen ist auch Sitz der Salm-Salm’schen Vermögensverwaltung. Der promovierte Jurist sammelte berufliche Erfahrung unter anderem bei der Deutschen Bank und im Bankhaus Sal. Oppenheim, ehe er vor zehn Jahren in den Dienst seiner Familie trat. Heute leitet er die Vermögensverwaltung von seinem Schreibtisch aus, der im Turmzimmer von Haus Rhede steht.

Erbprinz Emanuel und das Haus Salm sind vitaler Teil des Adelstandes, der in Deutschland mit dem Ende der Monarchie 1918 juristisch unterging. Der Adel verlor seine Privilegien, seine Prädikate wurden zu Bestandteilen der Namen. In der Bundesrepublik leben heute rund 100 000 Menschen adliger Abstammung; sogar 23 Vereine gibt es, die unter dem Dach der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände zusammengeschlossen sind. „Adel ist nicht eine Sache des Namens oder des Geldes“, erklärt Dirk von Hahn, ehemaliger Vorsitzender der Vereinigung des Adels im Rheinland und Westfalen-Lippe. Adel zeige sich in vorbildlicher Haltung: „Wer adlig ist, stellt sich nicht in den Vordergrund.“ Diese These von Hahn könnte von Prinz Salm-Salm stammen. Sein Wunsch sei es, sagt der Erbprinz, die Öffentlichkeit billige jedem Menschen das Recht zu, sich als Individuum und nicht als Prototyp eines Standes zu verstehen.

So geht für den Erbprinzen auch die Frage ins Leere, ob Aufstieg und Sturz von Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg dem deutschen Adel zunächst genutzt und später geschadet haben. Die „Schnelllebigkeit unseres Zeitalters“ habe für solche Diskussionen allenfalls „im Feuilleton einen Platz“. Der Adel hingegen habe über große Zeiträume bewiesen, „dass er eine innere Kraft besitzt und er Krisen mit Glaube, Anstand und Würde meistert.“ Wenn es Menschen gelinge, Werte glaubhaft vorzuleben und somit der Allgemeinheit zu dienen, „dann freut es mich, wenn diese Menschen dem historischen Adel angehören“. Schwächen hätten alle Menschen genug: „Schauen wir auf die Stärken, das Positive, das in jedem Einzelnen steckt.“

Halt und Haltung, die Prinz Salm-Salm selbst lebt, sind Talente, die er als Arbeitgeber auch bei seinen Mitarbeitern schätzt. Wen er für sein Team auswählt, bei dem schaut er auf die familiären Verhältnisse, das soziale Umfeld und das private Engagement: „Der bisherige Lebensweg, die Vorbildung und die fachliche Qualifikation spielen eine wichtige Rolle.“ So hat er sich ein kompetentes Team zusammengestellt, mit dem er einen unaufgeregten Ton pflegt. Die Anrede „Prinz Salm“ ist geläufig, doch wird er auch noch mit „Durchlaucht“ angesprochen. Die alte Anrede vereinfache den Mitarbeitern den Umgang mit der Familie, „da sie sich auf eine Anrede beschränken und auch akademische Titel vernachlässigen können.“

Anerzogene Zurückhaltung und das Wissen um die Schwächen der Menschen diktieren Prinz Salm eine diskrete Lebensweise und einen dosierten Umgang mit den Medien. Homestorys lehnt er ab. Offen zeigt er sich aber, wenn er Institutionen oder Einrichtungen helfen kann, denen er sich verbunden fühlt. Dazu zählen öffentliche Auftritte und PR-Aktionen, die breite Aufmerksamkeit auf die Wasserburg Anholt in Isselburg lenken. Die Schützen und ihr Schützenbund sind nun hinzugekommen. Als Hochmeister hatte er Anfang Juni seinen ersten großen Auftritt beim Bundesköniginnentag im idyllischen Weinstädtchen Kobern-Gondorf. An der Mosel traf der echte Prinz aus altem Adel auf mehr als 300 Königinnen – „königliche“ Gespräche als Lohn für einen vollen Terminkalender: „Die Begegnungen mit den Menschen beschenken und entschädigen mich tausendmal.“ In diesem Sinne liebe er seine Schützen, ihre „Werte und Werke“.

Der Erbprinz lebt Begriffe wie „Dienst“, „Pflicht“ oder „Disziplin“. Dabei schöpft er Kraft aus seinem Glauben: „Wirklich zur Ruhe kommen und alles abgeben geschieht letztendlich für mich ausschließlich in der Anbetung.“ Oft besucht er auch wochentags die heilige Messe. Der Prinz ist Frühaufsteher. Im Sommer schellt sein Wecker um 5.30 Uhr. Ab 6 Uhr ist er dann im Stall zu sehen, reitet allein oder mit den Hunden aus. Der Vormittag gehört der Büroarbeit, am Nachmittag stehen auswärtige Termine in seinem Kalender. Abends folgt er oftmals gesellschaftlichen Verpflichtungen, doch mindestens zweimal wöchentlich bildet er seine Hunde aus. Manchmal bleibt anschließend noch Zeit für die Jagd. Es gibt sie, die Stunden am Tag, in denen sich der Prinz fallen lässt.

Kraft tankt Prinz Salm im Garten von Haus Rhede beim Rosenschneiden, einer Leidenschaft, die er mit seiner Frau Anne teilt. Wenn er von ihr liebevoll als „ein Geschenk“ spricht, dann wird der Erbprinz emotional wie nur selten: „Sie ist ein Mensch, dem ich alles anvertrauen und mit dem ich alles bereden kann. Sie hilft mir mit viel Humor, auch schwierige Situationen zu meistern.“

Mögen Kölner Karnevalisten träumen, einmal Prinz zu sein und ein großes Fest zu feiern, für Emanuel Philipp Nikolaus Johann Felix zu Salm-Salm bedeutet Prinz zu sein eine Lebensaufgabe, die er zu schultern bereit ist. Bleibt eine letzte Frage: Hat er bürgerliche Freunde schon einmal beneidet, weil sie sich unbeobachtet und anonym verhalten können? Prinz Salm ohne Bedenkzeit: „Nein!“

6. Januar 2018 at 18:47 Hinterlasse einen Kommentar

Falk Freiherr von Oeynhausen ist im Alter von 86 Jahren verstorben

Der Baron hat sich durch seine vielen Ehrenämter um den Kreis Höxter und die Region OWL verdient gemacht.

Als Gutsherr der Grevenburg zwischen Sommersell und dem Kloster Marienmünster ist er besonders in der Land- und Forstwirtschaft bestens vernetzt gewesen. Falk-Peter Freiherr von Oeynhausen wurde am 8. August 1931 geboren und starb am 25. November. Er wurde am Samstag, 9. Dezember, nach einer Trauerfeier, zu der 750 Trauergäste aus Adel, Wirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Politik, Kommunen und Gesellschaft erschienen waren, in der Familiengrablege bei Nieheim-Sommersell beigesetzt.

Baron Oeynhausen war Träger des Bundesverdienstkreuzes, Ehrenritter des protestantischen Johanniterordens und »Vater der Waldjugendspiele« auf NRW- und Kreisebene. Sein Engagement für den bäuerlichen Berufsstand hat ihm viele Ehrenämter beschert: 1976 bis 1997 Mitglied im Landwirtschaftlichen Kreisverband Höxter-Warburg, 1987 bis 1997 Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der WL-Land- und Forstwirtschaft und als Vizepräsident des Gesamtverbandes deutschlandweit unterwegs sowie Mitglied des Vorstandes der Sozialversicherung von Landwirtschaft-Forsten-Gartenbau.

Viele Jahre war der Freiherr Sprecher des CDU-Wirtschaftsrates, 1970 bis 1974 Kreistagsmitglied und Gründungspräsident des Rotary-Club Höxter. 1980 hatte er Rotary maßgeblich mit aus der Taufe gehoben. Der Club war ihm stets eine Herzensangelegenheit.

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Im Waldbauernverband hinterließ Falk von Oeynhausen Spuren in diversen Vorstandsfunktionen. Wer im Kreis Höxter in Sachen Forstwirtschaft und Natur einen Ansprechpartner suchte, fand ihn auf Gut Grevenburg. Der Verstorbene, der als junger Mann einmal Landmaschinenschlosser gelernt hatte und danach in den großen Gutsbetrieb Grevenburg/Oldenburg hineinwuchs, wird auch immer als Ideengeber für die jedes Jahr an den Schulen im Kreis laufenden Waldjugendspielen in Erinnerung bleiben. Als Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bezirksgruppe Höxter setzte er Maßstäbe. Für seine besonderen Verdienste um die Landwirtschaft wurde der Baron mit der Schorlemer-Plakette in Silber des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes geehrt. Auf Kreisebene bekam er die Ehrenmedaille des Kreises Höxter.

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Im Beirat der Vereinigte Volksbank EG, bei der Raiffeisen Lippe-Weser AG als ehrenamtliches Vorstandsmitglied sowie 30 Jahre als ehrenamtlicher Richter am Finanzgericht Münster war von Oeynhausen engagiert tätig.

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Mit seiner Frau Beate Freifrau von Oeynhausen lebte Falk Freiherr von Oeynhausen lange auf dem Gut. Der Familiensitz der Oeynhausens, die Wasserburg Grevenburg, ist ein bauhistorisches Weserrenaissance-Juwel von 1566, das nun Kinder und Enkel weiter erhalten müssen. Der Baron fühlte sich dem Familienerbe stets stark verpflichtet, nahm viele Renovierungen vor. Der Freiherr wird unvergessen bleiben.

6. Januar 2018 at 18:42 Hinterlasse einen Kommentar

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