Bürgerliche Adelige mit langem Stammbaum

8. Januar 2018 at 15:25 Hinterlasse einen Kommentar

Gabriele von Schoenebeck hat von ihrem Fenster aus einen schönen Blick auf die grünen Wiesen von Luchert, einem Ortsteil von Horhausen (Kreis Altenkirchen). Ihr Elternhaus, in dem sie heute mit ihrer Mutter Regina lebt, ist zwar kein Rittergut mehr, aber gemütlich.

Die Wände zieren, was ihr am Herzen liegt: Belege der bewegten Familiengeschichte. Eine Stammrolle, auf altem, durchscheinendem Papier, hängt liebevoll gerahmt im Wohnzimmer. Sie zeigt, dass sich der Stammbaum der Familie von Schoenebeck bis ins Jahr 1585 zurückverfolgen lässt. Außer in Deutschland lassen sich Ahnen der Familie von Schoenebeck in skandinavischen Ländern finden, in Deutschland gibt es einen rheinischen und westfälischen Zweig.

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Auch das Wappen der von Schoenebecks lässt sich hier bewundern, dazu alte, verblichene Familienfotos, ernst dreinblickende Menschen, die sich und ihre vielen Kinder für den Fotografen herausgeputzt haben. „Das rechts ist mein Vater. Er hatte 16 Geschwister“, erinnert sich Gabriele von Schoenebeck. Sie selbst ist Einzelkind, hat aber diverse Vettern und Cousinen.

Der wohl berühmteste Vorfahr in ihrer illustren Ahnenreihe ist Bernhard Constantin Friedrich Joseph Vinzenz Maria von Schoenebeck. Geboren wurde er 1760 bei Windhagen, gestorben ist er 1835 in Altenkirchen. Constantin von Schoenebeck lebte auf dem Rittergut Düstenau bei Peterslahr. „Heute erinnert nur noch ein alter Ziehbrunnen an das einstige Rittergut Düstenau“, bedauert Gabriele von Schoenebeck.

Aber zurück zu ihrem Vorfahr: Die Eltern Bernhard Constantins starben beide im Jahr 1761, sodass er bei der Großmutter auf der Düstenau aufwuchs. Für den kleinen Constantin war nach Tradition der Familie die naturwissenschaftliche Laufbahn vorgezeichnet; alle seine Verwandten waren angesehene Gelehrte und Beamte im bergischen und kölnischen Diensten.

Er besuchte die Lateinschule in Linz am Rhein, ging dann auf das Montanergymnasium in Köln und wurde am 22. Mai 1776 an der Universität Köln immatrikuliert. Er belegte Philosophie und Naturwissenschaften und ließ sich in die medizinische Fakultät aufnehmen. 1779 ging er an die Universität Duisburg und beendete dort 1783 sein Studium mit einer Dissertation über die tierische Wärme.

Er befasste sich viel mit Kunst, Literatur und Naturwissenschaften und gab damals schon anonym eine Zeitschrift heraus mit dem Titel „Gesetzbuch der reinen Vernunft“. 1785 heiratete er die Schwester seines Freundes Johann Peter Eichhoff, Barbara Eichhoff. Für Aufsehen sorgte der Schriftsteller, Gelehrte und Bibliothekar auch, als er von 1786 bis 1787 mit seinem Schwager Johann Peter die „Niederrheinische Monatsschrift“ herausbrachte. In der Zeitung ging es unter anderem darum, abergläubische und religiöse Vorurteile unter den Einflüssen der Naturwissenschaft aufzulösen. 1787 fing er dann als Arzt in Kirchen mit seiner Arbeit an, ab 1805 war er als Arzt in Altenkirchen tätig. Das Paar hatte sechs Kinder.

Am 21. August 1824 wurde er „Königlicher Kreisphysikus zu Altenkirchen“, also erster Amtsarzt des Kreises Altenkirchen im Regierungsbezirk Koblenz. Sein Leben war mehr als bewegt, davon zeugen verschienene Dokumente wie etwa ein Testament, in dem er seine Kinder aus erster Ehe enterbte, da diese mit schuld seien, dass er pleite war und der Familienbesitz verkauft werden musste.

Auch seiner ersten Frau attestierte er in dem Dokument wenig Schmeichelhaftes. So habe sie auf seine Kosten gelebt und sein Vermögen auf unverantwortliche Weise verschwendet. Die Betroffene war im Jahr 1811 verstorben, Constantin von Schoenebeck hatte trotz dieses ersten ehelichen Fiaskos noch mal den Schritt vor dem Traualtar gewagt und 1817 Margarethe Schmidt aus Hachenburg geehelicht. Mit ihr hatte er fünf Kinder.

Außergewöhnlich ist auch die Inschrift seines Grabsteins, die er selbst festgelegt hat. Dort heißt es „Ruhe versagte man mir im Leben – mir gab sie die Mutter Erde bergend im Schoß“, zitiert Gabriele von Schoenebeck, die sich besonders für diesen Urahnen interessiert.

Der Grabstein steht heute in der Kreisstadt Altenkirchen am Gesundheitsamt. Auch wenn dieser Grabstein davon zeugt, dass Constantin Schoenebeck nur wenig Ruhe zu Lebzeiten fand, so scheint er wenigstens etwas Glück in zweiter Ehe gefunden zu haben. Auch davon zeugt sein Testament. Darin heißt es: „Zum Universalerben meines sämtlichen Vermögens setze ich hiermit meine sämtlichen Kinder II. Ehe ein, meine jetzige Ehefrau, geborene Margaretha Sofia Schmitz, hat mir ein Vermögen eingebracht und sich jederzeit als eine vortreffliche Ehefrau und Mutter betragen, sie verdient daher vorzüglich berücksichtigt zu werden.“ Diese und andere Dokumente finden sich ebenfalls in der reichhaltigen Familiensammlung, die Hobbyahnenforscherin Gabriele von Schoenebeck in den Jahren zusammengetragen hat.

Sie selbst bezeichnet sich eher als „bürgerliche Adelige“, gibt aber zu, dass sie gern auch Adelssendungen im Fernsehen verfolgt so wie die Prinzenhochzeit im vergangenen Jahr.

Die gelernte Bürokauffrau arbeitet seit einer Erkrankung auf 400-Euro-Basis bei der Verbandsgemeinde. In ihrer Freizeit engagiert sie sich viel ehrenamtlich, so zum Beispiel in der katholischen Bücherei in Horhausen. Dafür wurde sie auch schon mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet.

Außerdem hatte sie mal mit anderen Mitgliedern einen Familienverband gegründet, um zum Beispiel das Denkmal vor dem Gesundheitsamt restaurieren zu lassen. „Leider war es schwer, den Kontakt zu allen zu halten“, sagt sie. Dafür hat sie den Kontakt zur Vergangenheit bewahrt, damit ihre Familiengeschichte nicht in Vergessenheit gerät.

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Entry filed under: Grafschaft Montfort, Stammhaus Montfort.

Einer, der die Welt ein bisschen besser macht Was wäre also unsere Adelsserie, ohne auf das wesentliche Symbol der Familien von Stand einzugehen?

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