Sayn oder nicht Sayn war die Frage

8. Januar 2018 at 15:17 Hinterlasse einen Kommentar

Rund ums neugotische Schloss liegt trotz grauen Himmels fröhliche Aufbruchstimmung in der Luft: Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn und seine Frau Gabriela starten mit ihrem Team in eine Jubiläumssaison. Der Gastgeber lächelt. Aber er denkt auch seufzend an einen Leitsatz im Wappen: „Nicht ohne Mühen.“ Und daran herrschte in den vergangenen 25 Jahren wahrlich kein Mangel.

Sayn oder nicht Sayn? Das war 1987 die Frage“, erinnert sich der vormals in München als Vermögensverwalter einer Bank tätige 68-Jährige mit seiner Frau, die auf Schloss Weissenstein (Pommersfelden/Bayern) aufgewachsen ist. Mögen sie Menschen trotz Schicksalsschlägen ums Leben zwischen Schloss, Schmetterlingen und Stiftungen auch beneiden: Die Eltern von sieben Kindern haben dafür schwer geschuftet – „auch mit der Hände Arbeit“, meint die adelige Macherin lachend, die gerade aus dem Schmetterlingsgarten kommt.

Als das Paar 1975 in den Ort zog, wo die Familie mit dem Sayner Löwen im Wappen seit Jahrhunderten ihre Wurzeln hat, musste es viele Gemäuer aus dem Dornröschenschlaf wecken – ebenso tapfer wie unromantisch. Die Tochter von Rudolf Graf von Schönborn-Wiesentheid und Helene Prinzessin von Thurn und Taxis dachte als Kind, dass jeder Fürst ein schönes Schloss besitzt. Aber ihr Mann Alexander, dessen Mutter Fürstin Marianne („Mamarazza“) nach dem frühen Tod ihres Mannes das Fotografieren zum Beruf machte, konnte ihr zunächst nur Ruinen in einem verwilderten englischen Landschaftsgarten zu Füßen legen. Von diesem Niedergang waren auch andere Denkmäler gezeichnet – die Sayner Hütte etwa oder auch Gebäude der ehemaligen Abtei.

Also krempelten die Nachfahren der einstigen Grafen von Sponheim und Sayn die Ärmel auf: Zunächst ließen sie die gut 800 Jahre alte Stammburg wieder als Ausflugsziel restaurieren. Als sich Fürstin Gabriela 1987 entschloss, einen Schmetterlingsgarten aufzubauen, hielten sie „viele für durchgeknallt“: Doch die tropische Zauberwelt zog plötzlich wieder in Scharen Touristen nach Sayn: Die bunten Falter sind heute ein neues Wappentier, das viele Fassaden im Ort schmückt.

Die Familie empfindet die Glashäuser nicht nur als Attraktion, sondern vor allem als Refugium: „Mit den weltweit entstandenen Schmetterlingsgärten verschwinden Falter mittlerweile auch wieder von Roten Listen, weil sie gezüchtet werden. In tropischen Ländern wie Costra Rica leben Menschen heute von der Zucht der Falter, also mit der Natur und nicht nur beim Roden von Wäldern gegen sie“, freut sich die Initiatorin, die ebenso wie ihr Mann zudem ehrenamtlich in unzähligen Organisationen tätig ist – auch als wichtige Netzwerker in und für Sayn wie auch für den Natur- und den Denkmalschutz. Fürst Alexander ist beispielsweise Präsident der Deutschen Burgenvereinigung und Vize-Chef von Europa Nostra, einem internationalen Verbund von Organisationen, die bedeutsames Kulturerbe bewahren wollen.

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Zur Lebensaufgabe mit vielen Entbehrungen wurde aber für das Fürstenpaar der Wiederaufbau des heute öffentlich genutzten Schlosses. Das Land hat geholfen – aber letztlich mit einem viel geringeren Anteil als zunächst avisiert. Aber seit dem Jahr 2000 bietet es mit dem Rheinischen Eisenkunstguss-Museum, Salons, dem Schlossrestaurant „Sayner Zeit“ und der Kapelle mit dem berühmten Armreliquiar der Heiligen Elisabeth ein elegantes Ambiente für Hochzeiten und Kongresse. Hier laufen viele Fäden zusammen, auch fürs Projekt „Kulturpark Sayn“ mit mehreren Tourismus-Magneten oder die Meisterwerke-Idee, mit der die Region zwischen Trier, Koblenz, Sayn und Maria Laach mit gemeinsamer Marke wirbt.

Ins Jubiläumsjahr fällt für den Familienchef auch eine besondere Reise: Er wandelt auf den Spuren des zaristischen Feldmarschalls Fürst Peter und seines Sohnes Ludwig, der mit seiner Frau Fürstin Leonilla 1848 das Schloss in Sayn erbauen ließ. Wegen zu liberaler Positionen hatten sie das Zarenreich verlassen müssen, in dem sie Land für 100.000 Bauern, 36 Städte und 600 Dörfer besaßen. Zum 200. Jahrestag des Siegs in den Befreiungskriegen wird der deutsche Adelige in Russland wieder gefeiert: Denn Feldmarschall Fürst Peter Sayn-Wittgenstein hatte auch Petersburg vor Napoleons Truppen gerettet. Zum Dank wurde er in den Fürstenstand erhoben – mit goldenem Schwert im Wappen.

Nachfahre Alexander kämpft heute mit friedlichem Florett – mit guten Ideen, aber auch einem Vertrag. Als in den 60er-Jahren die alte Freitreppe in den Schlosspark abgerissen wurde, verpflichtete sich das Land: Sie wird wiederaufgebaut und die Straße verlegt, wenn das Schloss keine Ruine mehr ist. Beharrlich erinnert der Fürst an die Zusage, auch um Sayn vom Verkehr zu entlasten. Die Freitreppe würde die Arbeit fürs Ensemble mit Park, Burg und Schloss noch krönen.

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