Was wäre also unsere Adelsserie, ohne auf das wesentliche Symbol der Familien von Stand einzugehen?

8. Januar 2018 at 15:28 Hinterlasse einen Kommentar

Ein Wappen zu führen, gilt immer als etwas Besonderes. Adlige Familien besitzen natürlich eins, viele bürgerliche Familien ebenso. Und auch Weingüter, die etwas auf sich halten, schmücken sich damit. Ein Wappen vermittelt schließlich den Eindruck von Tradition und einer Jahrhunderte währenden Bedeutung.

Kundiger Kenner der Materie ist Rolf Zobel aus Lahnstein. Er ist, wie es so treffend heißt, ein interessierter Laie auf dem Gebiet. Wenn man ihn fragt, sagt der gebürtige Stuttgarter: „Ich bin ein Wappensammler.“ Allerdings hat er eine Meisterleistung vollbracht.

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Ihm ist es zu verdanken, dass es erstmals ein Wappenbuch für Rheinland-Pfalz gibt: Rolf Zobel „Wappen an Mittelrhein und Mosel“, 548 Seiten broschiert, 90 Euro (ISBN 987-3-8370-5292-3).

Neben dem Saarland, in dem an einem Wappenband gearbeitet wird, war unser junges Bundesland in diesem Sinne ein Niemandsland. „Es war Siebmacher-frei“, sagt Rolf Zobel und lacht, als er in ein fragendes Gesicht blickt.

Der Nürnberger Johann Ambrosius Siebmacher (um 1561 geboren und am 23. März 1611 gestorben) war Autor und Begründer eines später noch vielfach aufgelegten Wappenbuches, einer wichtigen Quelle der Heraldik des deutschen Sprachraums. So wie man zum Adelsverzeichnis immer noch Gotha sagt (wir berichteten zum Serien-Auftakt), sprechen Heraldiker vom Siebmacher.

Dass Rheinland-Pfalz bis zum Erscheinen seines Buches im Jahr 2009 ein Siebmacher’sches Nichts war liegt daran, dass die Wappen aus historischen Gebieten zusammengestellt werden mussten, aus denen unser Bundesland gewachsen ist: Trier, Mainz, Köln, Pfalz, Luxemburg, Nassau und Hessen.

Aber, Herr Zobel, nun mal zur Geschichte der Wappen. Wie sind sie denn eigentlich entstanden? Und bitte daran denken: Wir führen kein Expertengespräch. Um eine komplizierte Geschichte relativ knapp zu fassen, stellt sich das so dar: Wappen sind eine Erscheinung, die nur in Westeuropa vorkommt und sich im Hochmittelalter herausgebildet hat.

Zeichen und Bilder auf den Schilden von Kriegern gab es zwar bereits in der Antike, um seine Träger kenntlich zu machen. Aber erst mit dem hochmittelalterlichen Turnierwesen, also etwa im 12. Jahrhundert, entstand das, was wir heute als Wappen bezeichnen.

So ein Wappen besteht aus einem Schild mit Bild, einem Helm mit Helmdecke und einem Helmkleinod,“ sagt Rolf Zobel. Während eines Turniers sollten die Teilnehmer schließlich für die Zuschauer erkennbar sein. „Immerhin waren die Reiter komplett in einer Rüstung verpackt. Da war natürlich auch kein Gesicht zu erkennen.“

Also wurde ein Wappen zum Erkennungszeichen, zu einer Art frühem Firmenlogo. Das Wappen wurde auf dem Waffenrock, der über der Rüstung getragen wurde, wiederholt, kam auf die Pferdedecken, und schließlich dachten sich die Ritter auch noch originelle Embleme mit einem hohen Wiedererkennungswert aus, die auf dem Helm angebracht wurden.

Tatsächlich ist also das Turnierwesen für die Verbreitung der Wappen und für das Entstehen der fantastischen Helmzier verantwortlich“, fasst Rolf Zobel zusammen. „All das entwickelte sich zu einer bunten Kriegsmodenschau.“

Die Wappen – die personengebunden waren und die der Träger im Laufe seines Lebens auch mehrfach wechseln konnte – wurden von den schwer gewappneten Reiterkriegern, den Rittern, auch als individuelle Kennzeichen auf Siegeln und Grabplatten verwendet. „Panzerreiter, die reich genug waren, um sich selbst zu finanzieren, konnten den Ehrentitel Ritter erhalten“, erzählt Rolf Zobel.

Alles war aber dermaßen kostspielig, dass die meisten freiwillig auf diese Auszeichnung verzichteten. Als sich im 14. Jahrhundert schließlich der militärische Niedergang der Ritter abzeichnete, endeten auch die Turniere, diese Fortsetzung der römischen Gladiatorenkämpfe.

Im Mittelalter, und jetzt kommen wir eigentlich zur Verbreitung der Wappen, hatten sehr viele Personen ein Wappen. Denn jeder, der einen amtlichen Posten bekleidete, Verträge schließen konnte oder mit Geld zu tun hatte, musste siegeln und benötigte dafür ein Kennzeichen. Denn erst mit mindestens einem Siegel wurde ein Dokumet unverfälschbar. „Bei uns im Erzbistum Trier begann das mit Balduin von Luxemburg“, erinnert Rolf Zobel.

Zur weiteren Verbreitung der Wappen gehören auch die Ministerialen. Sie waren im Heiligen Römischen Reich eine Oberschicht ursprünglich unfreier Dienstmannen (Dienstleute) im Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdienst.

Sie wurden von ihrem Grundherrn mit einer besonderen Funktion betraut wie etwa der Leitung eines Hofes, der Führung der Finanzen (Kanzlei) oder der Leitung verschiedener Besitzungen. Ministerialen waren oft Hörige aus der Schicht des Bauernstandes. Unter Kaiser Karl IV. begann eine großzügige Erhebung in den Briefadel.

Die Ministerialen wollten schließlich, weil sie die gleiche Arbeit wie Adlige verrichteten, eine Gleichbehandlung. Nach dem beliebten Motto „Ehre statt Geld“ gab es Adelsbriefe plus Wappen. Fürsten, Herzöge, Grafen machten das im Reich mit den Adelsbriefen nach, sodass es zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert eine Wappenspitze gab.

Das, was wir als „Familienwappen“ bezeichnen, ist eigentlich erst ein Statussymbol des 19. Jahrhunderts. Die Preußen räumten mit den unzähligen Wappen auf. Ein Wappen wurde – gegen Bezahlung – gewährt und Schluss.

Der 80-jährige Rolf Zobel ist vor allem von der Wappenkunst in Deutschland begeistert. „Sie brennt bei uns ein Feuerwerk ab.“ Zobel, der 1972 zum BWB, dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, nach Koblenz kam, ist fasziniert von seiner „neuen“ Heimat. „Hier ist ein Wanderparadies, und auf diesem Wege wurde ich auch zum Wappensammler“, erzählt er.

In Franken gibt es Schloss Zobel und die Familie „Zobel von Giebelstadt“. Deren Wappen, das ein Pferd zeigt, verzierte er spaßeshalber für sich mit Pfauenfedern. „Um zu dokumentieren, dass ich mich in diesem Fall mit fremden Federn schmücke …“ Denn mit Adel hat er nur „beruflich“ zu tun, aber mit Freude und wegweisenden Ergebnissen.

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Bürgerliche Adelige mit langem Stammbaum

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