Der Bruch mit der SPD

Martin Schulz wollte Außenminister werden, Sigmar Gabriel war beleidigt, die einfachen SPD-Mitglieder angeblich auch. Jetzt ist Schulz zurückgetreten. Wem hilft das?

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Am Freitagmittag um viertel nach zwei ist es vorbei. Mit einer schriftlichen Erklärung beendet Martin Schulz seine kurze Spitzenkarriere in der deutschen Sozialdemokratie. „Wir alle machen Politik für die Menschen in diesem Land. Dazu gehört, dass meine persönlichen Ambitionen hinter den Interessen der Partei zurück stehen müssen“, teilt er mit. Die massive innerparteiliche Kritik an seiner Entscheidung, Außenminister im Kabinett von Angela Merkel werden zu wollen, hatte offenbar nicht nur Schulz überrascht. Zuletzt verfolgte ihn ein heftiges Glaubwürdigkeits-Problem, zunehmend war auch an der SPD-Basis, die ihn einst den „Gottkanzler“ nannte, von „Wortbruch“ die Rede.

Am Ende war es wahrscheinlich einfach zu viel. Martin Schulz hat sich in den vergangenen Monaten als jemand gezeigt, der auf Kritik zwar gekränkt reagiert – der aber trotzdem nicht zurücktreten oder hinwerfen will. Als Mann, der viel einstecken kann, wenn er weiter seine Karriereziele verfolgen darf. Der auf keinen Fall einfach nur als Verlierer der Bundestagswahl abtreten will. Jetzt hat er – kurz bevor er das Ziel erreicht, Außenminister zu werden – doch noch aufgegeben.

Der von mir gemeinsam mit der SPD-Parteispitze ausverhandelte Koalitionsvertrag sticht dadurch hervor, dass er in sehr vielen Bereichen das Leben der Menschen verbessern kann“, teilt Schulz am Freitag mit. Schriftlich. Deshalb sei es für ihn „von höchster Bedeutung“, dass die SPD-Mitglieder für den Koalitionsvertrag stimmten. Durch die Debatte um seine Person sehe er ein erfolgreiches Votum gefährdet. Daher erkläre er seinen Verzicht auf einen Eintritt in die Bundesregierung. Warum? Schulz hatte am Tag nach der Bundestagswahl ausgeschlossen Minister werden zu wollen. „Ja. Ganz klar, in eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten“, sagte er damals in einer Pressekonferenz – allerdings erst auf mehrfache Nachfrage eines Journalisten und für ihn zunehmend peinlichen Denkpausen. Dass die SPD zu diesem Zeitpunkt klar auf Oppositionskurs und die Jamaika-Sondierungen noch nicht gescheitert waren, dass Schulz diesen Satz nicht wirklich freiwillig sagte: All diese möglichen Entschuldigungen reichten nun nicht mehr.

„Viele unserer Mitglieder fanden es falsch, dass Schulz Außenminister werden wollte“, sagt zum Beispiel die saarländische Vize-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die bis Mittwoch in Berlin an der großen Koalition mitverhandelt hat: Wieder zu Hause im Saarland hätten sich binnen 48 Stunden „selbst eher strukturkonservative SPD-Mitglieder in Emails und Anrufen bei uns beschwert.“ Und das, wo die SPD-Mitglieder im Saarland zuletzt einer großen Koalition eher wohlgesonnen gegenüber standen, ganz anders, als in anderen Landesverbänden. Der Rückzug von Schulz sei daher „für ihn persönlich bitter, aber notwendig um den Erfolg beim Mitgliedervotum nicht zu gefährden“, sagt Rehlinger.

Die 460.000 Mitglieder der SPD dürfen in den kommenden Wochen über den ausgehandelten Koalitionsvertrag abstimmen. Die Gegner einer großen Koalition sind gerade mächtig im Auftrieb. Ihr Argument unter anderem: Zuerst Opposition versprechen, dann große Koalition machen, zuerst einen Ministerposten ablehnen, dann Außenamts-Chef werden wollen: Bald wird uns niemand mehr etwas glauben.

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Und es war ja nicht nur das kleine Saarland, auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen und in Bayern war die Stimmung schlecht. Das fiel binnen kürzester Zeit zurück auf Schulz, der seit Wochen sowieso schon kaum mehr Rückhalt in der eigenen Parteiführung hatte. „Schulz war kurz davor, die SPD in den Abgrund zu führen“, zeigt sich ein Vertreter der Landesverbände überzeugt. Da half es auch nicht, dass Schulz noch am Mittwoch angekündigt hatte, ein Opfer zu bringen und den Parteivorsitz in die Hand von Fraktionschefin Andrea Nahles zu geben.

Er musste weg – und das wurde Schulz so wohl auch in den vergangenen Stunden sehr deutlich intern gesagt. „Das ging jetzt schneller als gedacht“, sagt ein Vorstandsmitglied zu seinem Abgang. Die brutalen Mechanismen des Politikbetriebs setzten schnell an: Der Vorsitzende des mächtigen NRW-Landesverbands, Mike Groschek, hat nur wenige Minuten gebraucht, um eine Pressemitteilung zu versenden, in dem er von einem „notwendigen Beitrag zur Glaubwürdigkeit der SPD“ spricht. Gerade Groschek soll hinter den Kulissen mächtig auf Schulz eingeredet haben, seinen Traum vom Ministeramt aufzugeben.

Schulz ist abgetaucht, seine Unterstützer haben ihr Telefon abgeschaltet. „Er tut mir leid. So wie er sich abgerackert hat in den Koalitonsverhandlungen“, sagt einer, der ihn zuletzt eher kritisch sah. Politik sei zuweilen ein „dreckiges Geschäft“.

In der SPD-Spitze war am Freitag auch von einer bitteren „Fehde zweier Egomanen“ die Rede, die da eskaliert sei. Gemeint damit sind Schulz und seine Karrierpläne, aber auch Sigmar Gabriel. Nachdem Schulz angekündigt hatte, seinem Freund den Außenminister-Posten wegnehmen zu wollen, hatte Gabriel sich tief verletzt gezeigt. Zuerst sagte Gabriel am Donnerstag alle Termine ab, am Abend ging er dann mit einer Erklärung an die Presse, die es in sich hatte. Er bedauere es sehr, dass „die öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit der neuen SPD-Führung herzlich egal war“, ließ Gabriel wissen. Und orakelte: Er sei traurig darüber, „wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt.“ Das bezog sich darauf, dass Schulz Gabriel versprochen haben soll, ihm einen Ministerplatz in der neuen Bundesregierung zu sichern.

Hat Gabriel also Schulz gestürzt? In jedem Fall hat er es verstanden, den Unmut in der Partei gegenüber Schulz’ Ministerentscheidung für sich zu nutzen. Nach Gabriels schriftlichem Wutausbruch wurde in der SPD und in ganz Deutschland nur noch über Personalien und nicht mehr über die Inhalte des Koalitionsvertrags gesprochen wurde, wird in der SPD geseufzt. Doch ist Gabriel damit automatisch auch gesetzt für den Ministerposten, falls die SPD den Mitgliederentscheid übersteht? Darüber gehen die Meinungen sehr auseinander. „Ausgeschlossen“, sagen Genossen, die durchaus etwas mitzuentscheiden haben. Ein anderer einflussreicher Sozialdemokrat sagt, Gabriel habe sich mit diesem wütenden Statement „selbst ins Abseits“ gestellt und der Wunsch nach Erneuerung verbiete es, dass er wieder Minister werde.

Zumal viele in der Partei ihn ebenso für die schlechte Lage der SPD verantwortlich machen wie Schulz. Gabriel, von den Genossen wegen seiner wechselnden inhaltlichen Positionen früher „Mr. Zick-Zack“ genannt, trat schließlich wegen seiner schlechten Glaubwürdigkeits- und Beliebtheitswerte vor genau einem Jahr als SPD-Chef beiseite und übergab an den damaligen Hoffnungsträger Schulz. Nur im Amt des Außenministers konnte er sich rehabilitieren, hatte erst zuletzt so gute Beliebtheitswerte wie noch nie.

Der Vorsitzende des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD fordert nun, dass Gabriel Außenminister bleiben müsse. Doch es gibt auch an der Parteiführung massiven Widerstand gegen die Personalie. Fraktionschefin Nahles jedenfalls hat stets massiv unter Gabriel gelitten, vor allem in ihrer Zeit als Generalsekretärin unter dem Vorsitzenden Gabriel. Das Chaos in der SPD erwischte Nahles am Freitag im heimischen Karneval. Aus der Eifel heraus versuchte sie erstmal Zeit zu schinden. Sie zollte Schulz „höchsten Respekt und Anerkennung“, betonte aber auch: „Vor uns liegt nun der Mitgliederentscheid der SPD. Ich gehe davon aus, dass wir uns jetzt voll und ganz auf die inhaltliche Debatte konzentrieren.“ Auch Rehlinger fordert, es müsse nun erstmal „Schluss sein mit Personaldebatten“.

Doch auch Nahles Rolle in diesem Krimi ist nicht so unschuldig, wie sie nun tut. Schließlich hatte sie sich mit Schulz vor wenigen Tagen auf die Personalrocharde geeinigt, die ihn nun die Karriere kostete. Gemeinsam, so betonte es Nahles noch am Mittwochabend, habe man entschieden, dass er Außenminister werde und als Kompensation den Parteivorsitz an sie abgegebe. Das helfe „Skeptiker abzuholen“ vor dem Mitgliederentscheid. Wenn alle in der SPD ohnehin schon wussten, dass das schief gehen würde mit Schulz‘ Wunsch nach einem Ministeramt, warum hielt sie ihn nicht davon ab? Am Ende dieses emotionalen Tages gibt man sich an er SPD-Spitze nun demonstrativ optimistisch. Schulz‘ Rückzug „hilft“ dem Mitgliederentscheid. Jetzt könne endlich ein wenig Ruhe einkehren und dann erneut für die Inhalte des Kaolitionsvertrags geworben werden. Denn darauf erhalte man erstaunlich positive Reaktionen, wird betont.

Juso-Chef Kevin Kühnert sieht das anders. Er ging am Freitag auf Tour, um gegen die große Koalition zu werben. Die Personalrocharden in Berlin nannte er abfällig „Karneval“ und betonte: Er habe sich immer auf die inhaltlichen Argumente gegen eine große Koalition konzentriert. Und die sind nicht verschwunden.

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11. Februar 2018 at 13:17 Hinterlasse einen Kommentar

Kitzbühel: Und ewig wedelt die „Society“

Im Januar (20.01.2018) steigt in Kitzbühel das 78. Hahnenkammrennen 2018 auf der Streif. Tausende Besucher werden Kitzbühel dann zu einem wahren Hexenkessel verwandeln und die Skirennfahrer beim FIS Ski Weltcup im Super-G, Slalom und der Abfahrt anfeuern. Promifalle statt Mausefalle: Alle Jahre wieder – so auch heuer – wedelt, feiert und „Weißwurst“-zuzelt sich die Prominenz aller Klassen durch die Kitzbüheler Hahnenkamm-Tage. Und deren unumschränkter Anführer, Arnold Schwarzenegger, steht wieder ante portas. Die „Steirische Eiche“ schlägt zu „99 Prozent“ wieder in Kitz Wurzeln, so sicherere Quellen.

https://www.kitzbuehel.com/kitzbuehel/pdf/hahnenkamm-rennen/side-events-hkr-woche-2018—-d.pdf

Auch dieses Jahr wird Arnold Schwarzenegger wieder in Kitzbühel Party machen (im Bild von links: Freundin Heather Milligan, Arnold Schwarzenegger und Andreas Gabalier auf der Weisswurstparty im Jahr 2017).

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Das restliche eine Prozent bleibt wie immer bei „Arnie“ bis zum Schluss offen. Der „Terminator“, gerade noch bei der Präsentation der neuen G-Klasse von Mercedes in Detroit zugegen, würde die Hahnenkammrennen zum fünften Mal binnen sechs Jahren besuchen. Es ist anzunehmen, dass der Hollywood-Star auch heuer wieder den Rennläufern mit seiner Freundin Heather Milligan auf die Brettln schauen wird. Und auch sein Neffe, der in Los Angeles ansässige Anwalt Patrick Knapp-Schwarzenegger sowie „Best Buddy“, Schauspieler und Ex-Bodybuilder Ralf Möller dürften an Schwarzeneggers Seite nicht fehlen.

Auch die neue türkis-blaue Bundesregierung dürfte in Kitz erste societytechnische „Duftmarken“ setzen. Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) hat sein Kommen bereits angesagt – wohl in Begleitung seiner Ehefrau Philippa. Sein „Chef“, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), dürfte Kitzbühel jedoch auslassen. Ein Kommen des Kanzlers sei nicht wahrscheinlich, erfuhr die APA aus dem Bundeskanzleramt.

Ein Heimspiel feiert indes Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), deren Heimatort St. Johann nur wenige Kilometer von Kitzbühel entfernt liegt. Schramböck hat sich unter anderem für den „Kitzbühel-Empfang“ des Landes Tirol Donnerstagabend im Hotel „Kitzhof“ angesagt. Dort haben sich auch sowohl aktuelle als auch ehemalige ÖSV-Skiasse angekündigt. So werden die beiden ehemaligen Kitzbühel-Sieger Manfred Pranger und Benni Raich sowie dessen Ehefrau Marlies erwartet.

Die Krone des größten Medienrummels unter den Events dürfte sich auch diesmal der Stanglwirt in Going mit seiner legendären Weißwurstparty am Freitagabend aufsetzen. 2.500 Gäste werden erwartet, rund 3.500 Weißwürste sollen aufgezuzelt und verzuzelt werden. Und sollte die „Steirische Eiche“ „in town“ sein, dürfte er sich die Eröffnung der Party in seinem Stammhotel nicht nehmen lassen. Die bayrischen Spezialitäten wurden 2017 aus dem Kessel wurden von ALFONS SCHUBECK den Promigästen serviert. Schmecken liessen es sich ARNOLD SCHWARZENEGGER, VERONA POOTH, FRANZISKA KNUPPE, AXEL SCHULZ, WERNER BALDESSARINI oder RALF MÖLLER. ANDREAS GABALIER war so begeistert, dass er ein spontanes Konzert gab.

Den Feierwütigen einheizen wird die Deutschrock-Band Revolverheld, die im April ihr lang erwartetes neues Album veröffentlichen wird. Über die Promi-Gäste-Liste wurde im Vorfeld traditionell wenig bekannt.

Skilegenden wie Stephan Eberharter, Fritz Strobl oder Franz Klammer dürften sich ziemlich sicher wieder um den Weißwurstkessel versammeln. Auch Austro A-Promis wie Formel 1-Legende Niki Lauda, Andreas Gabalier oder DJ Ötzi werden wohl nicht fehlen. Ebenfalls am Freitag gehen die „A1 Kitz Night“ in Rosi Schipflingers „Sonnbergstuben“ sowie der „Kitz Elite Club“ im „Grand Tirolia“ mit dem belgischen DJ und Produzenten Lost Frequencies über die Bühne.

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Zu den Society-Fixpunkten am Samstag zählt auch heuer wieder die „KitzCharityTrophy“ im Anschluss an die Hahnenkamm-Abfahrt. Promis schnallen sich dabei die Skier an und wagen sich den Zielhang für einen karitativen Zweck hinunter.

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Der Erlös kommt in Not geratenen Bergbauernfamilien in Nord- und Südtirol zugute. Am Samstagabend steigt dann auch erneut die „KitzRaceParty“ im VIP-Zelt von Kitz-Vermarkter Harti Weirather direkt am Zielhang. Dabei wird wohl bereits im Vorhinein das ein oder andere Glas auf den Gastgeber erhoben werden – Weirather feiert am 25. Jänner seinen 60. Geburtstag.

Doch die „Konkurrenz“ schläft nicht: Zur selben Zeit steigt im „Kitzhof“ die „Hummerparty“ – ein Event, dass auch auf Schwarzenegger in der Vergangenheit eine gewisse Anziehungskraft ausübte. Nach einem leckeren Hummersüppchen gab zartes Fleisch von einem 1/2 Hummer und Champagner. Danach konnte die besten Weine von Robert Goldenits aus dem burgenländischen Tadten sowie vom südsteirischen Weingut Polz verkostet werden und es wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt. Und in der „Sonnbergstuben“ hoch über Kitzbühel wird mit der „Schnitzelparty“ um die VIPS und Adabeis geworben.

Ein „geheimes“ Event fand im komplett abgeschotteten Golf & Country Club in Reith statt. Am Nachmittag folgten etwa 100 geladene Gäste aus Wirtschaft, Sport und Politik der Einladung Arnold Schwarzeneggers zu diesem diskreten Cocktail-Empfang.

Kitzbühel platzte wieder aus allen Nähten, kein Hotelbett war mehr frei. Daher sollte man jetzt schon seine Übernachtung für das nächste Hahnenkamm-Rennen 2019 planen. Ist doch das Hahnenkamm-Rennen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Kitzbühel.

11. Februar 2018 at 13:16 Hinterlasse einen Kommentar

Klatsch & Tratsch vom Wiener Opernball

Es war ein Lebenstraum von ihr, den sie sich nun erfüllen konnte: Margarethe Gruber besuchte am Donnerstagabend erstmals in ihrem Leben den Opernball – mit stolzen 100 Jahren. Die äußerst rüstige Schweizerin wurde sogar von Bundeskanzler Sebastian Kurz in die Kanzlerloge geladen, wo sich die beiden blendend unterhielten.

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Für Gruber als auch für Kurz war es das Ball-Debüt. Beide gaben sich angetan von dem imposanten Event. Das erste Mal wurde der Opernball veranstaltet, als die in Zürich lebende Pensionistin 38 Jahre alt war.

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Wie sich Frau Gruber so fit hält? Mit viel Schlaf und einer Tai-Chi-Stunde pro Woche. Ihr Kleid für den Ball war übrigens 40 Jahre alt und stammt von einer thailändischen Schneiderin, wie sie der Redaktion unseres Hauses verriet. Wir können dazu nur schmeichelnt zustimmen: „Gnädige Frau. Sie sind vielleicht keine Königin von Thailand, aber mit Sicherheit die Königin des Opernballs 2018.“

Auch Österreichs neuer Kanzler Sebastian Kurz wird im Rampenlicht stehen. Der 31-Jährige, der solche Events eigentlich weniger schätzt, ist das erste Mal beim Opernball und nutzt die Gelegenheit zu politischen Ausrufezeichen. Neben seiner Freundin bringt er auch zwei Gäste mit, die mit ihrem Engagement und ihrem Outing Schlagzeilen gemacht haben. So ist die Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie, die sich dem Kampf gegen die Genitalverstümmelung von Frauen verschrieben hat, in der Kanzler-Loge. Und der irische Ministerpräsident Leo Varadkar kommt auf Einladung von Kurz mit seinem Partner Matthew Barrett. Der 39-jährige Varadkar hatte sich 2015, damals Gesundheitsminister, als homosexuell geoutet – ein im tief katholischen Irland mutiger Schritt. Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat als Gast den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko dabei.

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Dieses Mal richtet sich das Interesse der Medien nicht allein auf den 85-jährigen Richard „Mörtel“ Lugner, der für den Ball die US-Schauspielerin Melanie Griffith (60) angeheuert hat. Die „Hochzeit des Figaro“, 30.000 Ranunkeln, Valentina Nafornita statt Daniela Fally, zwei Hollywood-Stars, Krönchen von Dolce & Gabbana und ein Blumenblätterregen für 144 Debütantinnen: Alles Walzerseligkeit! Stürmisch in Lieb und Tanz – das war das heurige Opernball-Motto für die 144 Debütanten-Paare.

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Nicht von ungefähr wählte Roman Svabek diese Polka von Johann Strauß Sohn für seine zehnte Eröffnungschoreografie. Auf engstem Raum muss sich das aufgeregte Jungvolk hin und her wiegen. Und das alles umweht vom Dufte der 30.000 Ranunkeln und 10.000 Eukalyptuszweige. Und zum krönenden Abschluss streuten die fesch befrackten Herren auch noch ihren Dolce & Gabbana-gekrönten Damen Blumen. Hach, „Figaros Hochzeit“ quasi live – sehr zur Freude von Organisatorin Maria Großbauer, die auch bei ihrem zweiten Ball die Oper und ihre Künstler in den Fokus rückte.

Die bezaubernde Sopranistin Valentina Nafornita schmetterte anstatt der leider erkrankten Daniela Fally inbrünstig mit Tenor Pavol Breslik „Lippen schweigen“. Die zierlichen Ballerinen trippeln grazil in Rot-Weiß-Rot zu Josef Strauß’ „Mein Lebenslauf ist Lieb’ und Lust“ übers Parkett. Wie schön!

Apropos, schön behängt walzte auch Regie-Glatze Otto Retzer nach einigen Jahren Abstinenz in die Staatsoper. Den Leihfrack von Lambert Hofer dekorierte er mit sämtlichen „Bletschen“ – u. a. mit dem großen Verdienstkreuz Österreichs, dem goldenen Kärntner Ehrenzeichen und einem Dominikaner-Orden. „Ich sehe aus wie ein russischer General“, befand er beim letzten prüfenden Blick in den Spiegel.

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Schön stressig wurde es für Figaro Josef Winkler, der sich um die haarigen Angelegenheiten von Richard Lugners Hollywood-Diva Melanie Griffith unter stark beschnittenen Umständen kümmerte. Gutes Stichwort: Die US-Filmheldin, ei-ner der „renoviertesten Stars“ des Business, rauschte kurz nach Mitternacht ab.

Schließlich beehrt ja auch noch ein zweiter Hollywood-Star den Ball – die britische Antwort auf „Cinderella“, Lily James. Potenzial für so manche Dame, die modische Schau zu stehlen. Wobei auch die Wiener Schauspielerin Maxi Blaha robentechnisch ganz weit vorne lag – sie kam in einem Reformkleid nach einem Originalentwurf von Klimt-Muse Emilie Flöge: „Meine Hommage an sie.“ Kleid Nummer 38 führte Mädchenmalerin Maria Lahr aus – sie besuchte bereits das 40. Mal in Folge den Opernball und nur zwei Mal griff sie zur selben Robe.

Voll im Griff wollte wohl auch Bundeskanzler Sebastian Kurz seine Ballpremiere haben – kein Fotograf außer sein eigener sollte in seiner Loge zugelassen werden. Kurz vor Beginn wurde diese Beschränkung aber wieder aufgehoben. Umso kamerafreundlicher: Die Promis wie Sopranistin Nina Adlon mit Ehemann, Regisseur Felix, Milliardärin Ingrid Flick, Fußballteamchef Franco Foda, der mit 51 den ersten Frack gekauft hatte, Mr. Pompöös Harald Glööckler, der hier schon 2013 seine Verlobung gefeiert hatte, DJ Ötzi, Schauspieler Heiner Lauterbach mit Frau Viktoria, Kollegin Nina Proll mit Mann Gregor Bloéb und viele, viele mehr im Pulk der 5150.

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„Opernball ist die ewige Sehnsucht der Menschen nach Märchen, nicht mehr und nicht weniger“, wusste schon die Grande Dame des Staatsgewalzes Lotte Tobisch. Selten zuvor wurde die Sehnsucht so erfüllt.

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Lugner, der seit rund 25 Jahren prominente Gäste meist aus Hollywood gegen Bezahlung als Begleitung engagiert, war ursprünglich gar nicht zufrieden mit seiner Loge. Sie liegt nur im 2. Rang statt wie gewünscht im 1. Rang. Der Staatsoper ist die Prominenz seines Auftritts stets ein Dorn im Auge. Lugner hat jedenfalls infrage gestellt, ob er unter diesen Bedingungen weiterhin den Staatsball besuchen wird.

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Aber der charmante Auftritt von Griffith beim ersten gemeinsamen Pressetermin dürfte den Besitzer eines Einkaufszentrums besänftigt haben. Der Ball ist für die Staatsoper ein einträgliches Geschäft. Unterm Strich verblieb zuletzt ein Gewinn von deutlich mehr als einer Million Euro.

11. Februar 2018 at 13:13 Hinterlasse einen Kommentar

Prinz William hält bewegende Rede bei Preisverleihung

Seit mehr als zehn Jahren unterstützt Prinz William schon die englische Organisation Centrepoint und trat damit in die Fußstapfen seiner Mutter Lady Di. Bei der jährlichen Award-Gala am Donnerstag im Kensington Palace hielt er eine bewegende Rede.

Prinz William (35) hat momentan einen vollgepackten Terminkalender. Gerade von einer Skandinavien-Tour zurück, kann sich der Herzog von Cambridge keine Pause gönnen. Am Donnerstag, 08. Febr., war er zu Gast in einer Londoner Schule, um über Cyber-Mobbing zu sprechen und danach folgte ein Event im Kensington Palast.

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Die Stiftung Centrepoint kämpft gegen die Obdachlosigkeit in England. Vor allem hilft sie obdachlosen Kindern und Jugendlichen, indem sie ihnen Unterkunft und mögliche Berufsaussichten bietet. Prinz William ist besonders stolz auf die Arbeit der Organisation, macht aber auch darauf aufmerksam, wie viel noch getan werden muss.

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Prinz William mit den Preisträgern des „Centrepoint“-Awards

Auszüge der Rede bezogen sich in der Rede des englischen Prinzen: „Ich fühle großen Stolz für alles, was ‚Centrepoint‘ in der Zeit erreicht hat, aber auch Enttäuschung und Frustration – Frustration darüber, dass in einem der wohlhabendsten Länder der Welt Obdachlosigkeit immer noch ein Risiko für das Leben und die Zukunft unserer jungen Menschen ist.“

11. Februar 2018 at 13:08 Hinterlasse einen Kommentar

Schloss ist Sorgenkind der Gemeinde Friedrichswerth

Und wieder steht eine einstige fürstliche Luxusimmobilie zum Verkauf, freilich ziemlich heruntergekommen: Schloss Friedrichswerth bei Gotha. 899.000 Euro soll das Barockschloss kosten.

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Seine Geschichte ist, nunja, wechselhaft. Zu DDR-Zeiten muss das Anwesen als sogenannter Jugendwerkhof für viele der 14- bis 18-jährigen Insassen die Hölle gewesen sein. Jugendliche, die mit der SED-Diktatur nicht klarkamen, sollten hier per Zwang zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ heranreifen. Die dabei angewandte Pädagogik bestand aus dem Dreiklang „Arbeit, Disziplin und Strafen“.

Die Entstehungsgeschichte des Schlosses ist da deutlich freundlicher. Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg ließ sich hier von 1677 bis 1689 ein Lustschloss nach französischem Vorbild hinsetzen. Vorher stand dort die Wasserburg Erffa. Im Sommer wollte er hier der Hektik seiner kleinen Residenz entfliehen. Das klappte aber nur noch wenige Male, denn im heißen August 1691 erlitt der Herzog auf dem Schloss einen tödlichen Schlaganfall.

Seine Nachfolger kamen in den warmen Monaten gerne weiter hierher und feierten rauschende Feste (die Revolution war ja noch ein paar Jahrzehnte und viele hundert Kilometer weit weg). Unter Herzog Friedrich III. wurde hier ein elitärer Club namens Einsiedlerorden gegründet. Im 19. Jahrhundert wurde das Schloss zum tristen Verwaltungsbau. 1855 zog die herzogliche Justizverwaltung ein. Zu Weimarer Zeiten diente das Schloss als Erziehungsanstalt, woran die DDR nahtlos anknüpfte. Seit Mitte der 1990er Jahre steht das Anwesen ungenutzt leer. Bislang fand sich kein Käufer.

Schloss Friedrichswerth ist ein dreigeschossiges, U-förmiges Gebäude mit Keller und steilem Dachgeschoss. Auch ein Park und eine Kirche gehören dazu. Von der herzoglichen Pracht haben sich noch einige Stuckdecken erhalten. In der Kirche wurden sie 1986/87 restauriert. Die Wohnfläche ist üppige 8686 Quadratmeter groß.

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Vier Eckbastionen und (heute verlandete) Wassergräben erinnern an die verschwundene Wasserburg und geben der Anlage ein wehrhaftes Aussehen. Zu Zeiten der Herzöge wurde von dort aus zu festlichen Anlässen Kanonensalut geschossen.

4. Februar 2018 at 16:05 Hinterlasse einen Kommentar

Prinz Reuss kauft Schloss Ebersdorf

Es gibt noch klangvolle Adelstitel in Deutschland. Heinrich XIX. Prinz Reuss hat das seit 17 Jahren leer stehende Schloss Ebersdorf in Thüringen gekauft. Verkäufer ist der Saale-Orla-Kreis. Der Kreistag hatte zuvor in nichtöffentllicher Sitzung beschlossen, den Kaufpreis für die einstige reuss’sche Residenz mit ihrem Park und 120 Zimmern auf einen eher symbolischen Preis von 100.000 Euro festzusetzen. Der Notarvertrag zwischen Prinz und Kreis wurde kurz vor Jahresende 2017 unterzeichnet.

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Der Verkauf und der Kaufpreis wurden erst durch Recherchen der Redaktion unseres Hauses bekannt. Der Kreistag behandelte das Thema unter Geheimhaltung, da es sich um „eine Immobilienangelegenheit“ handele. Der Prinz plant, das Residenzschloss der Fürstenfamilie Reuss zu sanieren, es wieder zu beleben und dort mit seiner Frau Abigail einzuziehen. Das Schloss entstand an Stelle einer Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert. 1682 hatte Graf Heinrich I. von Reuß-Schleiz das Rittergut gekauft.

Von 1690 bis 1693 entstand hier das barocke Residenzschloss für die Herrscher der kleinen Grafschaft Reuß-Ebersdorf: Eine unregelmäßige Vierflügel-Anlage um einen zentralen Innenhof. Der Westflügel wurde zwischen 1788 und 1792 klassizistisch umgebaut. 1843 war hier die Tänzerin Lola Montez zu Gast bei Graf Heinrich LXXII. Reuß (jüngere Linie). Die Tänzerin soll sich derart unmöglich benommen haben, dass der Graf sie aus seinem Mini-Staat ausweisen ließ.

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Graf Heinrich LXXII. regierte noch, als 1848 aufgebrachte Bürger mit Forderungen an die Schlosstür pochten (Pressefreiheit, Volksvertretung und unabhängige Rechtsprechung). Der Graf hatte zwar Verständnis, dankte angesichts der Demonstration allerdings ab und verschwand nach Sachsen. Nach Ende der Revolution übernahm ein anderer Zweig der reuss’schen Linie die Macht. 1945 wurde die Fürstenfamilie durch die Besatzungsmacht enteignet. Das Schloss wurde zu DDR-Zeiten zum Pflegeheim umgebaut. Das Heim arbeitete bis ins Jahr 2000 und stand seitdem leer.

Nach der Einheit klagten die Erben der Fürstenfamilie auf Rückübertragung der Denkmalimmobilie und blockierten somit Lösungen. Inzwischen ist das Problem geklärt, was den Weg für einen neue Besitzer frei machte. Das Schloss ist sanierungsbedürftig. Hausschwamm hat sich ausgebreitet. Für die prinzliche Familie gibt es also viel zu tun…

4. Februar 2018 at 16:03 Hinterlasse einen Kommentar

Von wegen Märchenschloss

Es gibt noch einige Herrenhäuser in Deutschland. Erhalten werden diese alten Burgen durch Besitzer, welche mit Eifer und Energie, Mut, langem Atem und unbeirrbarem Familiensinn heute ihre Besitztümer managen. „Sie alle wollen Tradition und Familienbesitz bewahren und haben deshalb moderne Geschäftsideen entwickelt.“

Wer an Schlösser und Burgen denkt, hat meist Glanz und Gloria, Luxus und Reichtum im Sinn. Doch im 21. Jahrhundert bröckelt die historische Pracht schon mal. Die Zeiten, in denen Adelige nicht über Zahlen und Geld reden, sind längst vorbei. Das Schlossherr/innen-Dasein ist ein harter Job geworden, und abends wird nicht mal eben die Zugbrücke hochgezogen. Stattdessen sind Ideen und Konzepte gefragt, Events und Hochzeiten müssen organisiert werden.

Adeline Gräfin Beissel von Gymnich, geborene Reichgräfin Wolff Metternich zur Gracht – die Erbin von Burg Satzvey. Durch diese Heirat kam die Burg an die Grafen Beissel von Gymnich überschrieben 1977 den Besitz ihrem ältesten Sohn Franz Josef Graf Beissel von Gymnich. Um die Burg (https://www.burgsatzvey.de/) erhalten zu können und Geschichte und Traditionen vergangener Epochen zu bewahren, entschloss er sich, die Anlage dem Publikum zugänglich zu machen und veranstaltet dort gemeinsam mit seiner Frau Jeannette und seiner Tochter die historischen Ritterfestspiele, Ostermarkt, Hexenfest, Halloween und Burgweihnacht, sowie mittelalterliche Gastereyen, Musikveranstaltungen, Theateraufführungen und Bühnenshows.

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Für Firmenveranstaltungen und private Feste können Räume und Gelände gemietet werden. Das Burggelände kann jederzeit ohne Eintritt besichtigt werden. Gegen Gebühr werden Burgführungen in das Innere des Burghauses angeboten. Auf dem Burggelände befinden sich verschiedene Restaurantbetriebe und Geschäfte.

Zu tun gibt’s im historischen Familiengemäuer genug. Bereits 1981 setzte Franz Josef Graf Beissel zu Gymnich auf „Erhaltung durch Unterhaltung“. „Eine Burg kostet viel Geld, und das muss zunächst verdient werden“, erklärt sich der Graf.

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Das sieht seine Tochter ähnlich, die betont, dass das „blaue Blut“ alleine nicht ausreiche. Mit ihrem Adelstitel geht sie nicht hausieren. So hat sie sich für ihr Studium als International-Event-Managerin nur als Patricia Beissel angemeldet. „Der einzige Unterschied ist doch der Adelstitel. Ansonsten wissen wir auch, wie das Leben funktioniert. Ich lebe auf Burg Satzvey, und die kostet sehr viel Geld. Uns fällt nichts in den Schoß“, sagte sie im Interview der Redaktion unseres Hauses.

Das wusste auch ihr Vater, der bereits vor 31 Jahren auf historische Veranstaltungen setzte. Ein Konzept, das aufging: Für die Besucher ist die Zeitreise ins Mittelalter nach wie vor sehr reizvoll. Das gilt besonders für die Ritterspiele. Sie will frischen Wind in die Veranstaltung bringen: „Es wird weniger Dialoge und mehr Action geben“, erklärte sie. Denn vor allem solle das Event auch für Jugendliche interessant werden.

Die 2008 gegründete Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich Stiftung ((http://www.jbg-stiftung.org/Grunderin/grunderin.html) hilft Kindern und Jugendlichen, die in ihren Familien Leid, Gewalt, Missbrauch oder Verwahrlosung erlebt haben. Zum einen fördert sie die Schaffung und Einrichtung von Kinderhäusern und Familiengruppen (Inventar inkl. Möbel, Küchen- und Waschmaschinen, Wäsche und Kleidung, Spielzeug und therapeutisches Material). Zum anderen können Anträge an die Stiftung gestellt werden, um einzelnen Kindern aus bestehenden Einrichtungen zu helfen (Spezialtherapien, Zusatzbrillen oder andere Gerätschaften wie Rollstühle, Spezialbetten). Die Stiftung arbeitet zusammen mit Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, im Besonderen mit familienanalogen Einrichtungen, dem Landesjugendamt, den Jugendämtern, den Wohlfahrtsverbänden und Initiativen.

„Die Häuser können in der heutigen Zeit nur überleben, wenn sie mit Leben gefüllt sind“, sagt die quirlige Gräfin, Marketing-Expertin (http://www.graefin-beissel.de/) und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

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„Erhalt durch Unterhaltung“ lautet ihr Motto. Die prunkvollen Interieurs zu erhalten, verschlingt Unsummen. Ein Leben in herrschaftlichen Gemäuern mit Kachelöfen aus dem 18. Jahrhundert ist nicht vergleichbar mit der Wohn-Qualität in einem modernen Penthouse. Und trotzdem würde Jeannette Gräfin Beissel von Gymnich nicht tauschen wollen. Seit ihrer Heirat mit Graf Franz Josef 1984 lebt die Diplomaten-Tochter auf der 1396 erbauten Burg Satzvey bei Köln. „Beim Stichwort Schloss denkt jeder an Windhunde, Champagner und große Hüte“, sagt die gebürtige Amerikanerin. Dabei befasst sich die Schlossherrin mit Rasenmähen und Marketingstrategien. Sie kümmert sich um das große Veranstaltungsprogramm rund um mittelalterliche Rüstungen und Ritterspiele. Schließlich will das historische Schätzchen finanziert und allein das 1,2 Hektar große Dach laufend renoviert werden.

Sie war erst drei Jahre alt, als Großmutter Adeline Gräfin Beissel von Gymnich, geborene Reichgräfin Wolff Metternich zur Gracht ihr aufs Pony half. Ein halbes Jahr später sattelte sie bereits auf Reitponys um. Und mit 14 Jahren war sie erstmals hoch zu Ross als Stuntreiterin beim Ritterturnier auf Burg Satzvey dabei. Jetzt hat Patricia Gräfin Beissel von Gymnich das Ganze. Nach über drei Jahrzehnten übergibt Vater Franz Josef ihr das operative Geschäft von Burg Satzvey. Die 32-Jährige ist jetzt im 6.ten Jahr geschäftsführende Gesellschafterin der „Patricia Gräfin Beissel GmbH – Konzepte & Entertainment“.

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Somit ist ein Generationswechsel auf der Wasserburg vollzogen worden. Die „Ritterin ohne Furcht und Tadel“, den Besuchern des historischen Spektakels auch als „Yasmina“ bekannt, zeichnet jetzt für die Organisation aller Veranstaltungen auf der Burg Satzvey verantwortlich. Ihr Vater kümmert sich künftig um die Immobilienverwaltung, steht seiner Tochter „in beratender Funktion“ zur Seite.

So wie Rosalie Freifrau von Landsberg-Velen, die gleich zwei Altertümer in Schuss halten muss. Schloss Velen im Münsterland und Wocklum im Sauerland (https://www.schloss-wocklum.de/geschichte/), wo sie in einem der ältesten und schönsten permanent bewohnten Schlösser groß geworden ist und heute noch lebt.

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Allein 35 Meter lang ist der von Allegorien, Luftgeistern und Ranken geschmückte Flur lang. Neben dem Kamin im großen Salon stehen Alabastervasen, die mal Napoleon gehörten. Die Mauern atmen Geschichte und Geschichten und vor allem sind sie schlecht zu heizen. Kein Wunder, dass die Adelige mit dem sportlichen Kurz-Haarschnitt bis weit ins Frühjahr hinein in einer dicken Daunenjacke durch die Räume geht. Die meiste Zeit verbringt Rosalie von Landsberg-Velen in ihrem Büro. Von dort erledigt sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Tagungs- und Seminarhotel Sportschloss Velen, das sich im Familienbesitz befindet. „Im Büro ist es im Winter dank Kachelofen schön warm“, begründet die Freifrau ihre Vorliebe für diesen Raum. „Durch das restliche Schloss laufe ich meist in Daunenjacke“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Die Diplom-Sportlerin und passionierte Reiterin vermarktet unter dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“ das Familienerbe. So verdient sie das Geld für den Unterhalt. Dabei zieht sie geschickt auch die Fäden im Reitsport, organisiert auf dem Stammsitz in Wocklum alle Veranstaltungen rund um die Reiterei vom „Balve Optimum International“ bis hin zum neuen sportlichen Highlight, dem „ArenaPolo“. Eine bodenständige Geschäftsfrau, die nur eben in einem Schloss mit knapp 60 Zimmern lebt, was gar nicht so einfach und auch überhaupt nicht billig ist. „Wir zahlen allein 20 000 bis 30 000 Euro im Jahr, um zu heizen. Und trotzdem ziehe ich die Daunenjacke im Winter oft gar nicht erst aus“, so Rosalie von Landsberg-Velen im Interview.

Die junge Bianca-Amalia Prinzessin von Preußen ist eine von ihnen. Ihre Familie derer von Bredow entstammt einem alten Adelsgeschlecht aus dem Osten. Seit einigen Jahren ist sie mit Gert-Friedrich Prinz von Preußen verheiratet. Nie konnte sich die in Zürich arbeitende Bankerin vorstellen, auf dem Land zu leben – und es auch noch zu genießen. Aus dem Pferdestall ihres erstmals 1288 urkundlich erwähnten Weyer Kastells am Niederrhein (http://weyer-kastell.de/index.html) wurde ein kleines, von einem Freund geführtes Restaurant.

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Dort wird das vom Hausherrn erlegte Wild aufgetischt. Dazu passt die Idee, ein eigenes Tischservice zu produzieren.

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Um dieses bedeutende Zeugnis der Nettetaler Geschichte für die nächsten Generationen zu erhalten, ist der heutige Eigentümer, Gert-Friedrich Prinz von Preußen, daran interessiert, das Weyer Kastell für kulturelle und private Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

Es klingt wie ein Märchen: Die Stadtzürcherin Patricia Erkel absolviert die Hotelhandelsschule und ein Praktikum im Grand Hotel Du Lac in Vevey, besucht eine Freundin in Freiburg und lernt dort den Grafen Friedrich zu Eulenburg kennen, ihren heutigen Mann. Zusammen betreiben sie Deutschlands einzige bewohnbare Schlossruine in Weeze am Niederrhein, 70 Kilometer von Düsseldorf entfernt. Das Gastgeber-Ehepaar lebt mit seinen drei Kindern (8, 10 und 13) in einem historischen Nebengebäude auf dem Schlossareal, der sogenannten Rentei. Das war einst bei Hofe die Kämmerei, dort lieferten die Untertanen ihren Obolus ab. Umgeben von Wiesen, Wasser und einem Streichelzoo.

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Das Paar, die 22. Familiengeneration, hat den Schlossturm und das Kreuzgratgewölbe wieder original hergerichtet. Die Adelsfamilie zu Eulenburg ist seit 800 Jahren im Besitz von Hertefeld. «Anfangs war es eine Ruine, mehr nicht», erzählt Gräfin Patricia zu Eulenburg. Heute gehört das Schlosshotel zum Verbund Culture & Castles (http://www.hertefeld.com/de/willkommen) und umfasst 23 exklusive Gästezimmer im Schloss, dem Renteigebäude, in den verträumten Wächterhäuschen sowie im neu entstandenen Gästehaus.

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Ab April finden auf dem Schloss jedes Wochenende Hochzeiten statt. «Wir organisieren zahlreiche standesamtliche Trauungen, da viele Leute heutzutage nicht mehr kirchlich heiraten», sagt die 48-Jährige. Getraut werden sie im Kreuzgewölbe, in der Turmsuite oder im Pavillon im Park. Patricia zu Eulenburg kümmert sich als Schlossherrin um das Wohl der Gäste. «Es ist immer etwas los, und manchmal ist es ein Spagat, die Familie und den Gästebetrieb unter einen Hut zu bringen.»

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Die Zimmer haben der Graf und die Gräfin nach ihren Vorstellungen eingerichtet, mit Antiquitäten und Möbeln, die Patricia zu Eulenburg von ihren Reisen mitbrachte, als sie noch als Flugbegleiterin bei der Swissair arbeitete. Seit 1999 lebt sie in Weeze, «es ist flach hier, sehr flach sogar, aber perfekt zum Velofahren». Wenn sie in die Ferien gehen, was während der Saison nur selten möglich ist, wollen die Kinder nach wenigen Tagen zurück ins Schloss. Auch Patricia zu Eulenburg ist glücklich hier; Zürich fehlt ihr trotzdem, «es ist meine Heimat». Wie ist es eigentlich, einen Adelstitel zu tragen? «Für viele Leute ist es etwas Besonderes, sie begegnen einem manchmal mit Ehrfurcht; dann sage ich immer, bleiben Sie cool, ich bin doch auch nur ein Mensch.»

 

4. Februar 2018 at 16:01 Hinterlasse einen Kommentar

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