Karl Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena Fürst zu Schwarzenberg kündigt seine Kandidatur um das Präsidentenamt an

23. Oktober 2011 at 16:47 Hinterlasse einen Kommentar

Der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg (sein amtlicher Name in Tschechien) kündigt seine Kandidatur um das Präsidentenamt an. Der aktuelle Präsident verunglimpfte ihn einst als „Österreicher“. Liebling der Society in Wien. Der bekennende Fliegenträger gilt als Konservativer alter Schule.

Die Tschechen nehmen es seit Jahren amüsiert zur Kenntnis: Ob im Parlament oder wie kürzlich bei einer internationalen Sicherheitskonferenz in Belgrad: Außenminister Karel Schwarzenberg macht mitten in der Debatte ein „Nickerchen“. „Wenn viele Leute in einem Raum sind, der Sauerstoffgehalt sinkt und mich grelle Scheinwerfer blenden, kann ich nicht widerstehen, die Augen zu schließen. Aber ich passe auf, dass mir nichts Wichtiges entgeht“, rechtfertigte er sich jüngst.

Doch nun ist „der Fürst“, wie die Tschechen ihn wegen seiner Zugehörigkeit zum europäischen Hochadel liebevoll nennen, hellwach. Auf dem Kongress seiner Partei TOP 09 (TOP steht für Tradition, Verantwortung und Wohlstand) fuhr er nicht nur ein Traumergebnis bei der Wiederwahl zum Parteichef ein; er kündigte auch seine Bewerbung um das tschechische Präsidentenamt an.

In der Tschechoslowakischen Republik wurde der Adel am 10. Dezember 1918 abgeschafft, das Führen entsprechender Titel untersagt. In adelsfreundlichen Kreisen und familienintern gilt Karl Schwarzenberg als Oberhaupt des Hauses Schwarzenberg und nennt sich privat im Sinne einer historisch-genealogischen Familientradition (ohne bürgerlich-rechtliche Bedeutung) Fürst zu Schwarzenberg, Graf zu Sulz, gefürsteter Landgraf im Kleggau und Herzog zu Krummau. Schwarzenberg ist tschechischer und Schweizer Staatsbürger.

Den angestrebten Arbeitsort, die Prager Burg, kennt der bekennende Fliegenträger und Pfeifenraucher wie seine Westentasche: Er war hier nach 1989 Kanzler bei Václav Havel, der den weltmännischen Fürsten aus seinem österreichischen Exil an die Moldau geholt hatte. Der 1937 in Prag geborene Schwarzenberg hatte die Tschechoslowakei, wo die Familie elf Schlösser und große Ländereien besaß, 1948 nach der kommunistischen Machtergreifung verlassen müssen. In Wien ließ der junge „Kari“ kein gesellschaftliches Ereignis aus und wurde zum Liebling der Society. Später begann er sich für Osteuropa zu interessieren, schmuggelte von seinem fränkischen Stammsitz Scheinfeld Untergrundliteratur für die Dissidenten nach Prag, oft unter persönlichem Risiko. Es war auch ein Stück Dankbarkeit dafür, dass ihn Havel nach Prag holte.

Nach Havels Karriereende machte der Fürst selbst eine, zunächst als Senator, bis ihn die Grünen 2007 als Außenminister nominierten. Präsident Václav Klaus war gegen seine Ernennung, verortete den Prager mit Schweizer Pass als „Österreicher“, der schwerlich tschechische Interessen durchsetzen könne. Als Schwarzenberg entgegen den Hoffnungen der Sudetendeutschen nicht vom Prager Kurs in der Frage der Benesch-Dekrete abrückte, lobte ihn Klaus öffentlich. Längst sind beide aber verfeindet. Der Fürst, mittlerweile zum zweiten Mal Außenminister, ist dem EU-Skeptiker Klaus entschieden zu europafreundlich. Der Fürst, der ein knappes Dutzend Vornamen trägt, ist besonders unter jungen Tschechen beliebt, gilt als absolut anständiger Konservativer alter Schule. Bei einer Wahl von Abgeordnetenhaus und Senat hätte er weniger Chancen, gewählt zu werden, als in einer Direktwahl. „Aber gerade deshalb ziehe ich in den Kampf“, sagte er. Die Schwarzenbergs stellten zwar schon Bürgermeister, Botschafter und Minister, aber noch nie einen Präsidenten. Und Klaus darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.

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